Die Schulen   
nach Dr. phil. E. Bock, Otto Gebauer, Studiendirektor Dr. phil. Herbert Kirrinnis und Oberstudiendirektor Herbert Sticklies (Quelle: Gumbinnen von Dr. Grenz)


Die Entwicklung der Volksschulen im Kreisgebiet

 
Die vorwiegend dem Geiste der Reformation entsprossene Volksschule war auch im Herzogtum Preußen wie in allen Ländern der Reformation auf Grund von Kirchen- und Landordnungen sowie durch Bischofsordnungen eingerichtet worden. Noch im Jahre 1712, also ein Jahr vor dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms L, verordnete der erste preußische König, dass jede Dorfschaft einen Knaben — des weiblichen Geschlechts wird gar nicht gedacht —, das größere Dorf zwei mit Lebens­mitteln versorgen und sie bei Winterszeit zur Schulinformation in die Schule schicken solle. Einige Kirchspiele führten alsbald diese Vorordnungen durch. So berichtete der Pfarrer von Kraupischken: „Da es den Kindern zu beschwerlich war, täglich — des weiten Anweges wegen — zur Schule zu gehen, so sollen zwei Wirte auf acht Wochen Betten zusammenlegen, darauf die Kinder schlafen, nach acht Wochen folgende zwei usw. Die Woche über blieben sie in der Schule. Montags und sonnabends brach­ten und holten die Wirte, an denen die Reihe war, die Kinder. Diese Knaben wurden dann so lange zur Schule geschickt, bis sie lesen und den Katechismus auswendig konnten."
 
Das Jahr 1569 ist das Gründungsjahr der Kirche zu Nemmersdorf, die somit die älteste im Kreise war. Das Gründungsjahr der dortigen Schule konnte jedoch nicht festgestellt werden. Eine darauf bezügliche Nachricht von dem Vorhandensein einer solchen fand sich in der ersten Kirchenrechnung aus dem Jahre 1625/26. Bis zum Jahre 1737 hatte Nemmersdorf die einzige Schule im Kirchspiel. Die Kirchschullehrer führten den Titel Präzentor (Vorsinger), der sich also allein auf den kirchlichen Dienst des Lehrers bezieht. Das Pädagogische erschien damals nicht so wichtig. Erst lt. Be­kanntmachung in der Lehrer-Zeitung für Ost- und Westpreußen am 09.12.1898 wurde der Titel von der Regierung Gumbinnen nicht mehr verliehen.
Da in den Jahren 1570 bis 1580 die erste Kirche in Gumbinnen gegründet wor­den war, gehörte auch die Kirchschule des damaligen Dorfes zu den Frühgründungen im Kreisgebiet.
 
Von König Friedrich Wilhelm I. stammte ein General-Schulplan, der in der Ge­schichte des Volksschulwesens in unserem Kreise eine hervorragende Bedeutung hatte. Er gab dem Landschulwesen eine so feste und bestimmte Gestalt, wie sie damals das Schulwesen keines europäischen Landes besaß; ihre Wirkungen reichen bis in unsere Zeit. Die Zahl der auf Grund der Principia regulativa in der Zeit von 1737 bis 1743 in unserem Kreise gegründeten Schulen belief sich auf 43.
 
Im Kirchspiel Gumbinnen-Altstadt wurden vom 23. bis 27. September 1737 die Schulen in Zweilinden (Stannaitschen), Seilhofen (Waiwern), Türen (Thuren), Sam-felde (Szameitschen), Schweizertal (Nestonkehmen) und Ohldorf (Kulligkehmen) gegründet. Die beiden letztgenannten kamen später zum Kirchspiel Gumbinnen-Neustadt.
Weitere Schulen entstanden:
 
Im Kirchspiel Gumbinnen-Neustadt am 20. September 1737 in Wolfseck (Wilkoschen), Norutschatschen und Neuhufen (Naujeningken).
 
Im Kirchspiel Branden (Iszdaggen) am 11. Mai 1737 in Großgauden (Groß-Gaudischkehmen), Groß-Stangenwald (Groß-Wersmeningken) (bestand schon seit 1734) und Angereck (Kampischkehmen).
 
Im Kirchspiel Kanthausen (Judtsdien) 1737 in Kubbein, Großpreußenwald (Groß-Berschkurren), Jungort (Kiaulkehmen) und Krammsdorf (Stobricken).
 
Im Kirchspiel Nemmersdorf 1737 in Schublau (Szublauken), Angerhöh (Szuskehmen), Kleinpreußenbruch (Klein-Pruszillen), Langenweiler (Kollatischken).
 
Im Kirchspiel Gerwen (Gerwischkehmen) 1737 in Pötschwalde (Pötschkehmen), Hagelsberg (Wallehlischken), Neupassau (Eszerningken), Falkenhausen (Bibehlen). Einige dieser Schulen bestanden schon vor 1737.
 
Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden eine ganze Reihe von Ortschaften ihrer weiten Entfernung wegen von der Mutterschule abgezweigt und eine Anzahl neuer Schulen im Kreise gegründet. In den folgenden Jahrzehnten wurde für die äußere und innere Ausgestaltung des Volksschulwesens im Kreise viel getan. In den meisten Ortschaften ragte das Schulgebäude aus der Zahl der Häuser als das statt­lichste hervor. Mit oft erheblichen staatlichen Beihilfen entstanden im letzten Jahr­zehnt Schulgebäude, die allen hygienischen Anforderungen unserer Zeit entsprachen. Durch Neugründung von Schulstellen und Klassen hatte sich die Schülerzahl in den einzelnen Klassen, die noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts teilweise bis über 100 anstieg, erheblich vermindert. Nach der Schulstatistik vom 27. Juni 1896 hatte der Kreis Gumbinnen auf dem Lande 111 Lehrer angestellt, in der Kreisstadt Gumbinnen 14 Lehrer; 7 Landschulstellen waren mit einem kirchlichen Amte verbunden, und es bestanden im Kreis 103 freie Dienstwohnungen. Eine Regelung der äußeren Verhält­nisse der Volksschule erfolgte durch das Volksschulunterhaltungsgesetz vom 28. Juli 1906. Die Zahl der Volksschulen im Kreisbereich betrug nach der Reichsstatistik im Jahre 1939 87, die Zahl der Schüler 6.955 (3.522 Knaben und 3.433 Mädchen). Davon entfielen auf die Kreisstadt 1.074 Knaben und 1.069 Mädchen.
 
Die Schulaufsicht führten bis zum Ende des Ersten Weltkrieges die Pfarrer der Kirchspiele als Schulinspektoren, die nebenamtlich tätig waren; der Superintendent war der Kreisschulinspektor. Doch schon vor dem Ersten Weltkrieg hatte eine Ent­wicklung eingesetzt, die auf die Ablösung der geistlichen Schulaufsicht zielte. So gab es bereits im Jahre 1907 im Regierungsbezirk Gumbinnen (lt. Der Volksschulfreund vom 15. 6. 1907) 7 hauptamtliche (nichtgeistliche) Kreisschulinspektoren neben 10 nebenamtlichen (geistlichen).

 
Die Schulen in der Stadt Gumbinnen
 
Gumbinnen hatte folgende Schulen:
 
1.   Volksschule Meelbeckstraße (I. Gemeindeschule)
2.   Volksschule Moltkestraße, Hindenburgschule (II. Gemeindeschule)
4.   Friedrichsschule, Staatliche Oberschule für Knaben (früher Humanistisches Gymnasium, resp. Oberrealschule)
5.   Cecilienschule, Staatliche Oberschule für Mädchen
6.   Städtische Berufs- und Berufsfachschule (zweijährige Handelsschule)
7.   Privathandelsschule Valck, Goldaper Straße 48-
      - war mit einer Kinderpflege und Haushaltsgehilfensschule verbunden -
8.   Privatschule Honig, Wilhelmstraße
11. Berufsschule der Reichswehr.