Obwohl im vorliegenden Werk bereits ein Abschnitt über die Grausamkeiten der Rotarmisten in Nemmersdorf und Umgebung vorgelegt worden ist, sollen an dieser Stelle noch einige weitere Unterlagen präsentiert werden. Dem Archiv der Kreisgemeinschaft Gumbinnen hat Frau Käte Kless, aus Nordenham, einen Zeitungsausschnitt einer deutschen Tageszeitung vom 27. Oktober 1944 in Fotokopie übersandt.
 
Er trägt die Oberschrift: „Die Mörder von Nemmersdorf", verfaßt von Kriegsberichter Kurt Lothar Tank. Bevor der eigentliche Bericht beginnt, ist die Notiz vorangestellt: „Angesichts dieser Ereignisse muß heute der deutsche Kulturteil zurücktreten. Wir bringen dafür diese Schilderung bolschewistischer ,Kultur'!"
 
Hierauf wird folgende Schilderung der Ereignisse von Nemmersdorf gegeben: „Nemmersdorf, 27. Oktober. (PK).
 
Das im Oktoberlicht blitzende Flüßchen, die Angerapp, durchzieht die kleine ostpreußische Ortschaft Nemmersdorf und schwingt sich dann in einem weiten, schönen Bogen um die von einem mächtig hohen Steilhang begrenzte Feldmark. Weiden, Erlen und Birken bilden den herbstbunten, farbenprächtigen Hintergrund. Aus den ringsum bestellten Äckern ragen die ersten zartgrünen Spitzen. Ein Idyll scheint dieses ostpreußische Dörfchen darzustellen, eine Stätte ungestörten Friedens. Doch dieses Bild eines von den Schrecken des Krieges ungestörten Ortes bleibt nur bestehen, so lange man zur Flußniederung schaut. Wendet man den Blick dem Dorfe zu, so bemerkt man bis auf den Grund niedergebrannte Häuser und im Vordergrund auf dem sorgfältig bestellten Acker dunkle, unförmige Klumpen: die Leichen ostpreußischer Männer, Frauen und Kinder. 26 grauenhaft entstellte Körper von Erschlagenen und Erschossenen, Greisen und Kindern, von geschändeten und ermordeten Mädchen. Ein unvergeßliches Bild unmenschlichen Grauens! —
 
Deutsche Soldaten, Fallschirmjäger, die dieses Dorf wieder erobert haben, betrachten mit erschreckten Gesichtern das furchtbare Bild. Sie haben in mehr als fünf Jahren viel Grauenhaftes erlebt, sie kennen den Tod in seiner schonungslosesten Erscheinung. Doch der Anblick ihrer hingemordeten Landsleute übersteigt alles, was sie bisher erlebt haben. Selbst die Höllenbilder aus Warschau, die noch so blutig in ihrer Erinnerung lebendig sind, verblassen davor. —
 
Sie sehen auf den Blutacker, doch ihre Seele weigert sich, diese Bilder des beispiellosen Grauens aufzunehmen. Menschen der gleichen Art mit ähnlichen Gesichtszügen, meistens Bauern, die sie seit Wochen gastfrei aufgenommen haben in ihren Quartieren, liegen da tot vor ihnen. Die meisten von ihnen sind entstellt, die Hände und Wangen, Stirn und Kiefer zerfetzt, Hals und Brust blutüberströmt; die meisten von ihnen nach unglaublichen Mißhandlungen durch Genickschuß getötet. Ein 19jähriges dunkelhaariges Mädchen — in ihrer ausgeraubten, aus Stroh geflochtenen Tasche steckte die zerknitterte Kennkarte — Grete Waldowski aus dem Kreise Darkehmen ist offenbar mit brutalster Gewalt genotzüchtigt und dann ermordet worden. Ihr zur Seite liegt ein sechs Monate alter Säugling in blauer Wollkleidung, das Köpfchen durch einen Pistolenschuß blutig entstellt. —
 
Die fahle Oktobersonne leuchtet bleich und anklagend über den grauen Blutterror an der Angerapp. Grau und verarbeitet sind die Hände der von den Sowjets hingemordeten Männer und Frauen. Sie haben unter unsäglicher Anspannung für ihre Heimat, für ihr Volk die Ernte eingebracht, die Äcker bestellt. Viele von ihnen sind dann noch Tag für Tag zum Schippen angetreten. Erdgrau und rissig sind ihre verarbeiteten und nun von Blut überströmten Hände, in ihrer letzten wie hilflos greifenden Gebärde verkrampft an ihren Leibern liegend. Tränenlos starr stehen die deutschen Soldaten vor ihnen, Männer jener Fallschirmjägerdivision, die den Ort Nemmersdorf vor kurzem wiedererobert haben. Aus ihrem Blick spricht der Wille, nun noch härter und schonungsloser gegen die Sowjets zu kämpfen. —
 
Nemmersdorf, die kleine freundliche Ortschaft, 10 Kilometer südöstlich von Gumbinnen gelegen, ist nach zwei Tagen einer blutigen bolschewistischen Herrschaft ein Dorf des Todes, ein Dorf des Schweigens geworden. Kein Bewohner des Ortes ist zu sehen. Wer vor den Mördern nicht flüchten konnte, liegt tot in den Häusern, am Straßenrand, auf den Äckern oder in den Schluchten der Angerapp. Zaghaft kommen einzelne Bewohner aus den Nachbardörfern, in denen die Sowjets ebenfalls schlimm gehaust haben. Mit bleichen, verstörten Gesichtern erzählten sie stockend, was sie in den vergangenen schrecklichen Tagen erlebt haben. Sie wagen die Toten von Nemmersdorf, von denen sie viele gekannt haben, nicht anzusehen. Ein 23jähriges Mädchen, Charlotte W., aus dem Nachbarort erzählt, was sie und ihre Eltern am 21. und 22. erlebt haben. —
 
"Mein Vater ist Bauer. Er hat eine Wirtschaft von 113 Morgen. Ich bin immer auf dem Hof meiner Eltern gewesen und habe dort gearbeitet. Am 21. Oktober, es war Sonnabend und sehr neblig, verließen wir den Hof. Wir hatten gehört, daß die Bolschewisten kämen. Als wir 100 Meter vom Hof weg waren, kamen Russen, schossen und riefen: ,Stoi'! Sie rissen meinem Vater die Taschenuhr weg, nahmen ihm das Taschenmesser und die Tabakspfeife. Wir wurden in unserer Wohnstube eingesperrt. Als wir auf den Hof kamen, schossen die Sowjets wieder. Meine Mutter wurde durch einen Streifschuß an der Schulter verwundet. Nach einer Viertelstunde brachten andere Bolschewisten den Altsitzer Karl Schütz aus der Nachbarschaft, einen alten Mann von 76 Jahren, er war am Arm verwundet und blutete stark. Sie haben den Altsitzer dann wieder weggebracht, und wir mußten zurück in unsere Wohnstube. Die Sowjets hatten inzwischen alle Schränke durchwühlt, Lampen und Fenster zerschlagen. Sie saßen am Tisch, und wir mußten ihnen Fleisch bringen. Sie verlangten immer wieder Schnaps. Während wir in der Stube waren, haben sie unsere Waren durchwühlt und sich herausgenommen, was sie brauchen konnten. Am Nachmittag kam ein Lastauto. Es hatte vorn ein Geschütz drauf. Die Sowjets ließen durch einen polnischen Landarbeiter sagen, das Fräulein solle herauskommen, sie hätten ein paar Fragen zu stellen. Ich mußte mit dem Auto zum Nachbargehöft des Altsitzers mitfahren. Der alte Mann lag in seinem Hausflur. Die Bolschewisten hatten ihn erschossen. Da wollte der eine Russe, wahrscheinlich ein Offizier, irgendetwas von mir. Ich verstand nicht, was er meinte. Er griff nach seiner Pistole. Dann machte er meinen Mantel auf und deutete durch Zeichen an, was er wollte. Er war mit mir allein im Zimmer. Er vergewaltigte mich. Dann ging er aus dem Zimmer, und der zweite Offizier, der mitgefahren war, kam herein. Er tat dasselbe. Dann fuhren beide los." —
 
Es gibt in allen Ländern Menschen — und die feindliche Agitation rechnet mit ihnen — die die Auffassung vertreten, daß das, was die Deutschen über den bolschewistischen Terror erzählen, übertrieben sei — ja, die Sowjets hätten ein Interesse daran, die deutschen Zivilisten zu schonen. — Man führe Menschen, die so sprechen — es sind verbrecherisch blinde Narren — nach Nemmersdorf in Ostpreußen! Dort sollen sie angesichts der Ermordeten, Erschlagenen und Geschändeten wiederholen, was sie von Milde und Menschlichkeit der Moskauer Machthaber gesagt haben. Man führe diese Menschen in die Schluchten von Teichhof im Kreise Gumbinnen! Auf einer kleinen Anhöhe liegt ein halbzerstörtes Gehöft, das Vieh ist verendet, die Bauern sind ermordet. In der Schlucht liegen Frauen vergewaltigt und ermordet neben ihren hingemordeten Kindern. Auch eine schwangere Frau haben die Bolschewisten geschändet und dann umgebracht. —
 
Das sind nicht einzelne Taten einer sadistischen Horde — das ist systematischer Massenmord, wie ihn nur die Sowjets kennen. Sie denken nicht daran, ein Tarnprogramm der Schonung deutscher Zivilisten zu demonstrieren. Nein, sie führen die Befehle des Juden Ehrenburg und des Befehlshabers der 33. bolschewistischen Armee durch! Sie töten wahllos deutsche Menschen, schänden deutsche Frauen, wo sie sie finden. —
 
Die Schreckenstage von Nemmersdorf wird der deutsche Soldat niemals vergessen. Er hat die Mörder deutscher Männer und Frauen aus Nemmersdorf hinausgeworfen, und er wird sie weiter zurücktreiben, denn er weiß, was die deutschen Zivilisten erwartet, wenn er nur einen Schritt zurückweicht. Der Krieg ist in sein gnadenlosestes Stadium getreten. Hier endet alles, was man bisher in Begriffe fassen konnte. Die bestialische Bluttat von Nemmersdorf wird den Bolschewisten teuer zu stehen kommen. — Lebend an die Wand genagelt. — Gerichtsärzte und Sanitätsoffiziere haben am 25. und 26. Oktober in den befreiten Orten Ostpreußens an Ort und Stelle ihre Untersuchungen durchgeführt und sämtliche Einzelheiten in Protokollen und Bilddokumenten festgehalten. Hierbei konnte folgende Feststellung über die bestialischen Greuel der Sowjethorden getroffen werden: In der bereits genannten Ortschaft Nemmersdorf, die 12 Kilometer westlich Gumbinnen liegt, wurden insgesamt 26 Leichen aufgefunden, darunter 13 Frauen, 9 Männer und 4 Kinder. Bei 24 Ermordeten ergab die Leichenschau, daß der Tod durch Nahschuß, zumeist in den Kopf, eintrat. In einem Fall wurden Stichwunden festgestellt und in einem weiteren Fall Kopfverletzungen, die darauf schließen lassen, daß der Mord mit irgend einem scharfen Gegenstand auf besonders bestialische Weise ausgeführt wurde. Bei den Frauenleichen konnten die Gerichtsärzte in mehreren Fällen bestätigen, daß ein Notzuchtverbrechen der Bolschewisten in der gemeinsten Weise vorgenommen worden war. —
 
An einer Straße bei Nemmersdorf wurden 13 weitere Leichen gefunden, darunter vier Frauen und sechs Kinder sowie drei Männer. Hierbei handelte es sich um die Flüchtlinge, deren Treck durch einen Vorstoß der Bolschewisten überrollt worden war. Auch sie waren, wie die Untersuchungen ergaben, aus nächster Nähe niedergeschossen worden und bei drei Frauen konnten einwandfrei die Anzeichen einer Vergewaltigung festgestellt werden. —
 
In Tutteln, einem Ort, der drei Kilometer östlich von Nemmersdorf liegt, wurden insgesamt sieben Leichen, darunter vier Frauen und drei Kinder, gefunden. Auch sie waren sämtlich durch Nahschüsse ermordet. —
 
Ein besonders grausiges Bild ergab die Besichtigung in Alt-Wusterwitz, das 10 Kilometer südlich von Gumbinnen liegt. Hier fanden sich insgesamt 15 Leichen, größtenteils in verkohltem Zustande. Ein junges Mädchen war, wie die ärztlichen Untersuchungen ergaben, durch einen Schuß aus nächster Entfernung in die linke Augenhöhle getötet. In einem Stallraum konnten die Leichen eines alten Mannes und einer alten Frau geborgen werden. Die Leiche des Mannes wies Durchstoßmerkmale an beiden Handflächen auf, die in Verbindung mit den Blutspuren und der Armstellung dieses Mannes deutlich erkennen ließen, daß er lebend an eine Wand genagelt worden sein muß. Eine ältere schwer verwundete Frau, die einzige Überlebende aus diesem Bereich, die inzwischen in ein Lazarett eingeliefert worden ist, hat dieses furchtbare Verbrechen durch ihre Aussage bestätigt. —


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