Der Erste Weltkrieg (1914/18)


Die Schlacht bei Gumbinnen 1914


Die russische Njemen-Armee, die Anfang August 1914 östlich von Gumbinnen die deutsche Grenze überschritt, fand sofort lebhaften Widerstand bei den deutschen Truppen. Man war über die Stärke der russischen Armee allerdings nicht genau informiert und wollte zunächst die Njemen-Armee schlagen, um sich dann der Narew-Armee im Süden zuzuwenden. Doch sehr bald schon wurde der deutschen Heeresleitung klar, daß die 8. Armee zu schwach war, um den zahlenmäßig weit überlegenen Gegner vernichtend zu schlagen. Vorläufig hatte es noch keine größeren Kampfhandlungen gegeben, lediglich in kleinen Grenzgefechten stieß man mit dem Feind zusammen, der unaufhaltsam vordrang. Die 8. Armee versammelte sich zwischen Gumbinnen und Angerapp. Man nahm an, daß der Russe hauptsächlich nördlich und südlich der Rominter Heide vorgehen würde. Plötzlich aber stellte sich die Gefahr heraus, bei Pakallnischken umgangen zu werden. Das erforderte eine sofortige Umgruppierung der deutschen Truppen, und nun kam es zu der Schlacht, die nach der Stadt Gumbinnen ihren Namen erhalten hat.

Unsere Dreiunddreißiger Roon-Füsiliere gingen geschlossen in den Kampf auf Mallwen zu, das von den Russen besetzt war. Überraschend konnte das Regiment diesen Ort ohne große Verluste einnehmen. Doch nun griff die russische Artillerie ein, die vorzüglich eingeschossen war und das Dorf unter vernichtendes Feuer nahm. Dadurch wurden die Dreiunddreißiger in ihrer Bewegung völlig gehemmt. Doch bald hatte man den Sperrgürtel überwunden, und nun ging es wieder vorwärts auf Edern zu. Hier saß der Feind fest, namentlich mit Artillerie, die furchtbar in die deutschen Reihen schlug. Die zugeteilte Artillerie wollte vorerst das Gut schonen, doch mehrten sich die Verluste des Regiments dadurch erheblich. Erst eine Haubitzbatterie der 37er schoß das Gut in Brand und erledigte damit dieses Hindernis. Bei der Einnahme von Edern konnte auch das IR 44 aus Goldap schöne Erfolge für sich buchen.

In dem eroberten Mallwen war das Regiment aber noch lange nicht Herr der Lage. Überall in den Häusern, besonders aber in der Kirche, saßen vereinzelt Russen, die durch ihre Schüsse auf kurze Entfernung großen Schaden anrichteten. Es kostete einige Mühe, diese Feindnester auszuheben.

Während ein Teil des Regimentes zur Verfolgung in Richtung Osterfelde angesetzt wurde, traf den Kommandeur Oberst von Fumetti auf dem Gefechtsstand von rückwärts eine Kugel ins Herz. Der Schuß war, wie schon so viele andere, aus nächster Nähe gefallen. Auf der Suche nach dem Schützen fand man einen einzelnen russischen Soldaten zwischen Gräbern auf dem Friedhof, vorzüglich getarnt, so daß er der Entdeckung hinter den vorderen deutschen Linien bisher entgangen war. Der Regimentskommandeur war bei seinen Männern sehr beliebt, die Erbitterung daher groß. Unaufhaltsam ging der Vormarsch weiter in Richtung Kattenau, bis schließlich in den späten Nachmittagsstunden die Linie Wiesenbrück erreicht war. Nachts jedoch kam der Befehl zum Rückmarsch über Mallwischken—Grabenbrück in Richtung Tapiau. Herbe Enttäuschung!

Inzwischen waren Teile des XVII. AK. von Deutsch-Eylau her über Insterburg nach Angerapp gebracht worden. In Angerapp Ortsbiwak, Nachtmarsch bis Buylien. Bei diesem Marsch wurde ein solches Tempo angeschlagen, daß oft die Verbindung abriß. Bei Großwaltersdorf kam es zur Feindberührung. Doch verhältnismäßig schnell näherten sich die deutschen Truppen Grünweiden. Nach kurzer Rast im Grunde der Schwentischke, mit folgender Frontveränderung nach Osten zu, wurden die Höhen östlich Grünweiden im Sturm ohne Schuß genommen. Von jetzt ab zwang jedoch ein heftiges und genau gezieltes Feuer das Regiment oft zu Boden; die Verluste wurden größer, namentlich auf der Höhe von Schwiegseln. Nur Schritt für Schritt gewann die deutsche Infanterie an Boden, während durch die russische Artillerie unaufhörlich ihre Reihen gelichtet wurden. Erschöpft lagen die deutschen Soldaten in glühender Sonnenhitze in ihren Erdlöchern. Schließlich trat auch noch Munitionsmangel ein, doch entstand glücklicherweise zu dieser Zeit ein feuerarmer Raum um das Regiment, weil der Feind sich offenbar gleichfalls verschossen hatte und einige Nachschubtransporte von deutscher Artillerie vernichtet werden konnten. Langsam faßte man wieder Mut, doch als das Regiment die Höhen verlassen wollte, setzte erneut ein undurchdringlicher Geschoßhagel ein. Man suchte alle erreichbaren Reserven der Umgegend zusammen, um sie hier anzusetzen. Daher waren hier alle möglichen Infanterie-Regimenter vertreten, wie 21, 61, 128, 175, 176. Bei dem schnellen Vormarsch der Infanterie konnte sich die deutsche Artillerie nicht voll entfalten. Bevor sie auf ein Ziel das Feuer eröffnet hatte, war sie schon von den Russen zusammengeschossen. Ein Weiterkommen war ausgeschlossen, und traurigen schweren Herzens mußte das so schwer erkämpfte Gelände wieder aufgegeben werden.

Auf der ganzen Front setzte nun der Rückzug ein, denn der Plan der Obersten Heeresleitung, zuerst die Rennenkampf-Armee zu schlagen, war aufgegeben worden. Statt dessen zogen unsere Truppen in bewundernswerten Eilmärschen in den Süden der Provinz, um hier an der Schlacht von Tannenberg teilzunehmen. Ihre schweren Kämpfe bei Gumbinnen waren nicht umsonst gewesen. Geschickt hatten sie sich vom Gegner gelöst, so daß dieser in dem Glauben blieb, starke deutsche Kräfte lägen ihm auch weiterhin gegenüber. In Wirklichkeit leisteten den hinhaltenden Widerstand nur schwache Reserveeinheiten. Der Generalstabsbericht erkannte die Leistungen der Truppen an, indem er sagte, die moralische Wirkung des unermüdlichen deutschen Einsatzes sei nicht zu unterschätzen gewesen. So sind denn die großen deutschen Opfer nicht vergebens gebracht worden: 1250 Offiziere und Mannschaften ließen ihr Leben, 6419 wurden verwundet, 6943 vermißt, von denen allerdings ein Teil sich wieder zur Truppe zurückfand.

 
     
       
 

Quelle: "Gumbinnen" von Dr. Rudolf Grenz - Verfasser: Otto Gebauer - Fotos: Archiv Kreisgemeinschaft Gumbinnen

 



Die Russen in Gumbinnen

Der Erste Weltkrieg brachte der Stadt und dem Kreis Gumbinnen schwere Zeiten. Ostpreußen litt ja ganz besonders unter dem Kriege, war es doch die einzige deutsche Provinz, in die der Feind einbrechen konnte. Am stärksten hatten natürlich die Grenzkreise zu leiden. Sie mußten zu Beginn des Krieges den Einbruch russischer Truppen über sich ergehen lassen. Die deutsche Abwehr war leider zu schwach, weil man offenbar die Gefahr unterschätzt hatte. Rings an Ostpreußens Grenzen leuchteten sofort als drohende Fackeln die unzähligen brennenden Bauernhöfe, die dicht an der Grenze zuerst der Vernichtung anheimfielen. Währenddessen wurden die Freiwilligen in der Stadt eingekleidet, die ganz Jungen und die Alten, Landwehr und Landsturm.

Die drohende Gefahr erkennend, floh die Bürgerschaft Gumbinnens, und als der Schlachtenlärm immer näher kam, verlegten auch die Behörden ihre Dienststellen zunächst nach Insterburg, später nach Königsberg. Auch die Stadtverwaltung hatte ihren Posten verlassen. Die wenigen nicht gewichenen Gumbinner Bürger waren den Russen ausgeliefert, die am Sonnabend, dem 22. August 1914, von Stallupönen (Ebenrode) und Goldap her in die Stadt einmarschierten. Schier unübersehbar war die heranströmende Flut von Infanterie, Kavallerie und Artillerie, die sich in die wie ausgestorbenen Straßen ergoß. Die ersten Regimenter machten einen ordentlichen Eindruck, handelte es sich doch vorwiegend um Linientruppen, die man zuerst eingesetzt hatte. Sie sollten ja auch zuerst in Berlin einmarschieren, wozu sie sogar ihre bunten Paradeuniformen mitführten. Die Offiziere zeigten sich fast ausschließlich als verständnisvoll, nur begriffen sie nicht, warum die Zivilbevölkerung vor ihnen die Flucht ergriffen hatte, da sie sich nach ihrer Meinung nicht als Eroberer, sondern als „Befreier" fühlten.

Unter den Gumbinnern, die ihre Heimat aus Pflichtgefühl nicht verlassen hatten, war auch der damalige Gymnasialprofessor Dr. Rudolf Müller. Bei ihm erschien am Sonntagfrüh ein russischer Offizier, um ihn zum Höchstkommandierenden zu bringen. Der Name dieses Höchstkommandierenden blieb geheim, auch war es bei Strafe verboten, danach zu fragen. Dieser Gebieter ernannte kurzerhand Prof. Müller zum Gouverneur von Gumbinnen, zum russischen Gouverneur natürlich, denn Gumbinnen lag ja nun in Rußland. Der neue Gouverneur war selbstverständlich für alles verantwortlich, was in Gumbinnen geschah, und haftete mit seinem Kopf für Ruhe und Ordnung.

Nun war Gumbinnen also nach Ansicht der russischen Offiziere ein Teil des Zarenreiches geworden, wozu es ja — nach ihren Bekanntmachungen — eigentlich schon immer gehört hatte, und ein Militärarzt wollte sich sogar hier niederlassen, wenn der Krieg erst vorüber war. Die Mannschaften gaben kaum Anlaß zu Klagen, zumal sie nicht plünderten, sondern sogar die Rauchwaren bezahlen wollten, die man ihnen auf der Straße anbot, weil die Geschäfte fast ausnahmslos geschlossen waren. So lagen denn nun die Waren aller Art verlockend in den Schaufenstern, ohne daß jemand sie kaufen konnte. Kurz entschlossen setzte der Gouverneur Mädchen und Frauen und andere geeignet erscheinenden Leute als Verkäufer ein. Behelfsmäßig entwickelte sich so ein geordneter Geschäftsbetrieb, aus dessen Erlös die geflohenen Ladeninhaber sogar noch Geld bei ihrer Rückkehr herausbekamen.

Die Situation in der Stadt schildert treffend folgendes Vorkommnis: Eines Tages ließ der Kommandant den Gouverneur zu sich kommen und sprach erregt auf ihn ein, weil man Spione in der Stadt vermutete, denn man habe mehrfach Glockensignale gehört. In Begleitung mehrerer, sich allerdings sehr sorglos bewegender Offiziere mußte der Gouverneur in der Stadt umherfahren, um nach den Spionen zu forschen. Es war jedoch nichts zu finden. Erst etwas später kam man mit Hilfe von Einwohnern hinter das Geheimnis, das darin bestand, daß die abgelaufene Turmuhr des Rathauses zum Schluß noch einige unregelmäßige Schläge abgegeben hatte.
 
Auf dieser Fahrt hätte der Gouverneur fast sein Leben verloren. Als er nämlich im hellen Licht der Autoscheinwerfer stand, wurde auf ihn plötzlich geschossen, worauf die Offiziere das Feuer erwiderten. Obwohl etwa 30 Schüsse gewechselt worden waren, ließ sich nicht sogleich ermitteln, woher eigentlich die Schüsse kamen. Nun sah es der Kommandant als erwiesen an, daß sich noch deutsche Soldaten in der Stadt befänden, und drohte mit schweren Strafen. Der Gouverneur aber forschte selber nach und fand schließlich einen russischen Posten, der auf ihn geschossen hatte, weil er in dem Scheinwerferlicht einen Zivilisten sah, denen das Betreten der Straßen und Plätze der Stadt nach Einbruch der Dunkelheit verboten war. Damit war die Stadt noch gerade der Vernichtung entgangen.
 
Den nächsten Tag kam Rennenkampf. Ein kleiner Herr mit wildem, martialischem Schnurrbart. Er war sehr geschäftig und verhandelte viel mit der Hohen Exzellenz. Diese hatte offenbar mit ihm über mich gesprochen, denn sie rief mich heran und stellte mich dann mit den Worten vor: "Das ist unser Gouverneur, der Professor Müller." Rennenkampf schüttelte mir (d. h. Prof. Müller) wiederholt freundlich die Hand und sagte: "Halten Sie nur die Stadt gut in Ordnung, damit nichts passiert." Ich gab die Versicherung, daß alle Einwohner ruhige verständige Leute seien; es würde nichts vorkommen. Einer Einladung zum Mittagessen entging ich. Der Adjutant hatte mir früh gesagt, er habe den Auftrag, mich zum Essen aufzufordern, wisse aber die Zeit noch nicht, er würde es mir noch sagen. Das vergaß er, und als er mich abholen wollte, war ich nicht zu Hause. Er entschuldigte sich sehr, ich war aber froh, auf diese Weise der Ehre entgangen zu sein. Da die Unterhaltung natürlich doch russisch gewesen wäre und auch Sachen betroffen hätte, die nicht für meine Ohren bestimmt waren, wäre meine Rolle als eines stummen Gastes nicht gerade angenehm gewesen, deshalb verzieh ich dem Adjutanten sein Vergessen sehr gern, von der Hohen Exzellenz wurde er aber, wie er mir nachher erzählte, deshalb sehr getadelt. Ich wurde Rennenkampf in Gegenwart seines Stabes und vor zahlreichem Publikum, das den gefürchteten General sehen wollte, vorgestellt. Es wurde nun erzählt, Rennenkampf sei in Deutschland erzogen worden und hätte mich so freundlich empfangen, weil wir Schulfreunde seien. Er hätte sich gefreut, mich wieder zu sehen.

Donnerstag, den 3. September kam der Chef des Generalstabes Rennenkampfs, Oberst von Lupinski, in Begleitung eines anderen Offiziers in das Zimmer, in dem wir Mitglieder des Komitees versammelt waren. Er sagte mir folgendes:
"Herr General Rennenkampf läßt Ihnen mitteilen, daß er für Sie beim Zaren einen hohen Orden, den Wladimir-Orden, und zwar mit Schwertern, beantragt habe, wegen Ihres mannhaften Auftretens. Es ist dies eine seltene Auszeichnung für eine Zivilperson."
 
Dies blieb der russischen Gumbinner Behörde nicht unbekannt und diente mir zum Schutze gegen Drohungen mit dem gefürchteten Rennenkampf. Ich konnte mich gewissermaßen als seinen Schützling hinstellen.
 
Von seiner Hohen Exzellenz bekam ich den Auftrag, Geiseln zu stellen, die nächst mir verantwortlich wären. Dieselben sollten Tag und Nacht in einem Zimmer des Hotels sich aufhalten, um stets zur Stelle zu sein, im übrigen würden sie, wenn nichts passierte, in keiner Weise behelligt werden. Ich bat um zwei Tage Zeit, weil ich eine Versammlung einberufen und aus deren Mitgliedern freiwillig sich Meldende als Geiseln wählen wollte. Es wurde mir gewährt. Mein Prinzip war es, jede Ausführung zu verzögern, indem sie dann oft ganz in Vergessenheit kam oder wenigstens an Schärfe mehr einbüßte. Daß dies auch den russischen Charaktereigenschaften entsprach, hatte ich bald bemerkt. So bekam ich später einmal den Auftrag, sämtliche Fahnenstangen in der Stadt sofort innerhalb eines Tages entfernen zu lassen, weil mit ihnen nach außen hin Flaggensignale gegeben werden könnten. Ich sagte, ich würde durch die Stadt gehen und nachsehen, welches die höchsten Stangen seien und diese zuerst entfernen lassen. Den nächsten Tag sagte ich, das müsse ein Schlosser machen und wir hätten nur einen, der sei ein alter Mann und könne nicht mehr klettern; es möchten doch lieber Soldaten dazu bestimmt werden. Es wurde mir gleich entgegnet, wir hätten auch einen jungen Schlosser, der könne es tun. — Es wurde auf alles, was in der Stadt vor sich ging, sehr genau geachtet. — Ich erklärte, daß der vermeintliche junge Schlosser ein Tischler sei, den ich nur in Ermangelung eines Schlossers dazu engagiert hätte, die Häuser gewaltsam zu schließen, die Torwege durch Ketten abzusperren und dergleichen Arbeiten auszuführen (Tischler Hausmann, der sich durch außerordentliche Tätigkeit von früh bis in die Nacht sehr verdient machte). Es wurden zwei bis drei Stangen entfernt, die anderen, auch sehr hohe, blieben unbehelligt stehen. Die Sache kam eben in Vergessenheit. (Prof. Müller.)

Von besonderem Interesse ist die Schilderung Prof. Müllers, wie er als „Gouverneur" sein Stadtregiment organisierte:

 

„Für Montag, den 24. August hatte ich eine Versammlung in das Gesellschaftshaus einberufen. Eine Druckerei zur Anfertigung von Aufrufen oder sonstige Gelegenheit dazu besaß ich nicht. Ich ging also durch die Straßen und forderte jeden Begegnenden auf, zur Versammlung zu kommen, und bat ihn gleichzeitig, die Aufforderung weiter zu verbreiten. Es waren gegen 120 Personen erschienen. Ich setzte zunächst die Gründe auseinander, die mich veranlaßt hätten, in Gumbinnen zu bleiben, und bat sie alle, sich als Soldaten zu betrachten, die auf ihrem Posten ohne Furcht und Zagen auszuhalten hätten. Sie sollten sich glücklich schätzen, eine historisch so wichtige und für unser liebes Vaterland glanzvolle Zeit nicht aus der Ferne, sondern an den Stätten der Ereignisse zu erleben. Ernste, aber einmütige Zustimmung bewies mir, daß ich mit meiner Ansprache das Richtige getroffen hatte. Dann machte ich die Mitteilung, daß ich ohne vorheriges Befragen und ohne meine Zustimmung zu verlangen, zum Gouverneur von Gumbinnen ernannt sei und mir alle Rechte und Pflichten eines solchen von der russischen Regierung, die Gumbinnen für eine russische Stadt erkläre, übertragen seien.

Als Beisitzer ließ ich mir aus der Versammlung durch Zuruf wählen die Herren Rechnungsrat Meier, Rendant Hundsdörfer, Aufsichtsbeamten Hinz, Kaufmann Kannenberg und Stepputat, Tapezierermeister Krumm. Sodann wurde auf meinen Antrag beschlossen, öffentliche Küchen einzurichten. In diesen sollten solche Personen, die anderweitig wegen Schlusses der Gasthäuser keine Gelegenheit hätten, sich Essen zu beschaffen, gegen Entgelt Speise erhalten. Hauptsächlich sollten aber Familien, deren Ernährer im Felde standen, unentgeltlich Speise erhalten. Zur Errichtung solcher Küchen meldeten sich: Herr Born im Hotel du Nord, Wallat in der Erholungshalle, Wengerowski im Zentralhotel, Kantelberg in Norutschatschen.
 

 

Als Bürgen neben dem Vorsitzenden der russischen Behörde gegenüber meldeten sich freiwillig die Herren Amtsgerichtsrat a. D. Schettler, Rentier Radtke und Hotelbesitzer Wiese.

Ich schloß die Versammlung mit der Bemerkung, daß Gumbinnen für russischen Besitz erklärt sei. Ein lautes Hoch auf Kaiser Wilhelm könnte also als Hochverrat erklärt werden und uns und die Stadt in arge Verlegenheit bringen, ohne daß wir dadurch irgend etwas erreichen könnten. "Was wir im Herzen hegen, das wollen wir durch lautloses Erheben von unseren Sitzen zum Ausdruck bringen." Der ernsten Lage entsprechend gingen wir nun schweigend auseinander, und alle beschlich ein unheimliches Gefühl: "Wir sind in den Händen der Feinde."

An demselben Tage beraumte ich eine Sitzung des erwählten Vorstandes an. In derselben wurde beschlossen, daß eine Sicherheitsbehörde gewählt würde und dieselbe täglich von 9—1 und 4—6 Uhr im Sitzungssaale des Magistratsgebäudes, 1 Treppe hoch, durch Mitglieder vertreten sein sollte, die unteren Räume hatte der russische Kommandant belegt. Es war günstig, daß wir in nächster Nähe zueinander tagten, da wir uns unausgesetzt gegenseitig brauchten. Wir beschlossen nun, daß die Mitglieder der Sicherheitsbehörde durch eine weiße mit dem Magistratsstempel versehene Armbinde mit blauem Streifen kenntlich gemacht würden. Den einzelnen Mitgliedern wurden besondere Aufgaben zuerteilt, und zwar Herrn Rechnungsrat Meier das Finanz-, Herrn Rendant Hundsdörfer das Sanitätswesen. Die Aufrechterhaltung der Ordnung in den Straßen übernahmen besonders die Herren Hundsdörfer, Hinz, Radtke, als Dolmetscher diente Herr Krumm, die Verteilung von Fleisch übernahm Herr Hinz, die Verteilung von Mehl und Waren die Herren Stepputat und Kannenberg. Herr Kannenberg übernahm außerdem die Aufbewahrung des Geldes, das in unsere Kasse floß. Herr Schettler übernahm es, besonders für die Ausführung notwendiger getroffener Bestimmungen in der Stadt Sorge zu tragen, und Herr Gallinowski die Begräbnisse und entsprechenden standesamtlichen Notierungen.

Seiner Hohen Exzellenz machte ich Mitteilung von der stattgefundenen Versammlung und der Stellung der Geiseln. Zwecks Unterbringung der Geiseln sollte ich mit dem Stadtkommandanten verhandeln und sollte ich eine Bekanntmachung Rennenkampfs veröffentlichen. Dieselbe lautete:

Bekanntmachung
 
Allen Einwohnern Ostpreußens!

Gestern den 4./17. August überschritt das Kaiserliche russische Heer die Grenze Preußens und, mit dem Deutsche Heere kämpfend, setzt es seinen Vormarsch fort. Der Wille des Kaisers aller Preußen ist, die friedlichen Einwohner zu schonen:
1.  Jeder von Seiten der Einwohner dem Kaiserlichen russischen Heere geleistete Widerstand wird schonungslos und ohne Unterschied des Geschlechts und des Alters bestraft werden.
2.  Orte, in denen auch der kleinste Anschlag auf das russische Heer verübt wird, oder in denen den Verfügungen desselben Widerstand geleistet wird, werden sofort niedergebrannt.
3. Falls die Einwohner Ostpreußens sich keine feindlichen Handlungen zuschulden kommen lassen, so wird auch der kleinste dem russischen Heere erwiesene Dienst reichlich bezahlt und belohnt werden; die Ortschaften werden geschont und das Eigentumsrecht wird gewahrt bleiben.

gezeichnet: von Rennenkampf,
General-Adjutant Seiner Kaiserlichen Majestät,
General der Kavallerie.

Zum Gouverneur der Stadt ist Prof. Dr. Müller ernannt.

Ich fügte zu dieser russischen Bekanntmachung noch folgendes
hinzu:

1.   Zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in der Stadt sind die mit weißen Armbinden versehenen Männer als Bürgerwehr mit allen Befugnissen der bisherigen Polizeibeamten ausgestattet, als Polizeibeamte durch
ihre Armbinden auch jedem russischen Soldaten gegenüber so vollständig legitimiert, daß ihnen der Soldat auf Ersuchen sofort Hilfe und Beistand in allen Fällen leistet, wo den Befehlen unserer Bürgerwehr nicht unbedingt und sofort Folge geleistet wird.
2.  Es ist aufs strengste verboten, alkoholische Getränke zu verkaufen oder sonst wie anzubieten, weder Zivilisten noch viel weniger Soldaten. Alle dem Handel mit alkoholischen Getränken dienenden Geschäfte müssen geschlossen bleiben und jeder Versuch, sich gewaltsam in den Besitz alkoholhaltiger Flüssigkeiten zu setzen, wird ohne weiteres als Anschlag auf das russische Heer von dem Kommandanten bestraft.
3.  Jeder Arbeitswillige wird sofort in städtischen Diensten bis auf weiteres beschäftigt und ihm sein Tagelohn am Schlusse des Arbeitstages bar ausgezahlt werden. Jede beschäftigungslose auf den Straßen angetroffene arbeitsfähige Person hat zu gewärtigen, durch die russische Militärbesatzung zu unentgeltlicher Arbeit gezwungen zu werden. Jede nicht arbeitende Person und alle Kinder ohne Unterschied erhalten hiermit den strengsten Befehl, sich von den öffentlichen Straßen und Plätzen fern zu halten, da auch sie zu gewärtigen haben, verhaftet zu werden. Insbesondere wird den weiblichen Personen untersagt, sich mit den Soldaten längere Zeit zu unterhalten.

Gumbinnen, den 28. August 1914.
Der Gouverneur
Prof. Dr. Müller.

 

Zu meinem Sekretär ernannte ich Herrn Tonat und als Gehilfen den Magistratsbureaulehrling Thiel, zu Aufsehern über die Straßenreinigungskolonnen die Herren Immer und Rudat, außerdem für Schließung der Häuser Herrn Hausmann und für sonstige Aufgaben Pillekat, Heß, Zachariat und andere. Alle Herren haben sich in aufopferndster Weise tätig gezeigt.

Herr Trichinenbeschauer Beck übernahm die Instandsetzung des Kühlwerkes auf dem Schlachthofe. Dort lagerten große Mengen Fleisches, die andernfalls zu verderben drohten.

Der russische Stadtkommandant war ein jovialer, liebenswürdiger Herr. Als ich ihm sagte, daß ich doch stets selbst als Bürge, nicht nur für alle Vorkommnisse, sondern auch für die Geiseln zur Verfügung stehe, und er deshalb von einer Internierung derselben absehen möchte, ging er ohne weiteres darauf ein, verlangte nur die Adresse der Herren. Da er aber augenscheinlich keinen sehr hohen Wert darauf legte, vergaß ich einfach, sie ihm einzureichen. Ich wurde nicht daran erinnert und keiner der Herrn jemals belästigt.
" (Prof. Müller)
 
Den Wünschen und Absichten der Russen entsprach es, daß die geflohene Bevölkerung zurückkehren sollte. Tatsächlich kamen auch viele Bewohner aus Stadt und Land zurück, mitunter ein ganzes Dorf an einem Tage. Die russischen Soldaten waren gegenüber den Zivilisten, die auf den Straßen umherzogen, sehr freundlich und hilfsbereit. Oftmals nahmen sie zu Fuß Wandernde auf ihren Fahrzeugen mit. Prof. Müller schildert: „In lebhafter Erinnerung bleibt mir ein Bild. Es war eine Mutter mit sechs Kindern von etwa 1 bis 15 Jahren angekommen. Alle hatten Hunger. Da brachten ihnen die russischen Soldaten einen großen Kessel mit Erbsensuppe und dicke hölzerne Kochlöffel."

Die Russen zeigten große Angst vor Spionen; besonders fürchteten sie Eisenbahnattentate und ließen deshalb die von den deutschen Truppen nicht zerstörten Schienenstränge scharf bewachen. Schließlich mußten sogar alle Dörfer bis zu einer Entfernung von zwei Kilometern von der Bahnlinie geräumt werden.

Leider blieben die Russen in der Stadt nicht so, wie sie sich zu Anfang aufgeführt hatten. Mehrere Tage lang dauerten die Sprengungen der öffentlichen Kassen, der Regierungshauptkasse, der Postkasse, der Banken usw. Lediglich der Vorschuß-Verein blieb verschont, da Prof. Müller diesen als Sparkasse armer Leute ausgegeben hatte. Der Kommandant sagte: „Arme Leute berauben wir nicht", und übergab dem „Gouverneur" 25 Rubel für die Armen der Stadt.

Schwierigkeiten bereitete die russische Forderung nach elektrischem Licht, da teils die russischen Soldaten die Drähte selbst durchschnitten hatten, und teils die für die Instandsetzung erforderlichen Arbeiter des Werkes geflohen waren. Nach einigen Tagen gelang es aber einem russischen Ingenieur, wenigstens für den Stab im Kaiserhof Licht zu schaffen.

Ähnliche Schwierigkeiten ergaben sich bei Instandsetzung der Gasleitung und der Wasserversorgung, die nur behelfsweise in Gang gebracht werden konnten.
 
Außerdem mußten täglich 200 Fuhrwerke für die russische Armee in der Stadt Gumbinnen abrufbereit zur Verfügung stehen. Doch da sie nie gebraucht wurden, erschienen immer weniger Kutscher mit ihren Fahrzeugen, zuletzt sogar überhaupt keine mehr. Dies führte zu einer Komplikation, als überraschend eines Nachts einige Damen des russischen Roten Kreuzes nach Insterburg gebracht werden sollten. Nach langem Hin und Her gelang es, ein Fuhrwerk von der Ziegelei herbeizuschaffen.

"Etwa 1 1/2 Wochen nach Einzug der Russen kam ein russischer Zivilbemater, der sich als Landrat des Kreises Gumbinnen vorstellte. Er konnte nur wenig Deutsch, hatte aber einen deutsch sprechenden Sekretär. Beide waren unsympathische Menschen. Er mischte sich gern in die Verwaltung der Stadt ein und kam mit allerhand kleinen Bestimmungen. Glücklicherweise schien er dem Kommandanten auch nicht sehr zu gefallen und suchte ich den immer als meinen nächsten Vorgesetzten vorzuschieben, wenn er etwas von mir verlangte. — Er verlangte auch Einsicht in unsere Einnahmen und Ausgaben. Die durften wir ihm, wie wir meinten, nicht verweigern. Deshalb verfiel Rechnungsrat Meier auf eine List. Unter dem Vorwand, eine genaue Zusammenstellung zu machen, legte er ein zweites Kassenbuch an; das für uns bestimmte mit richtigen Einnahmen und Ausgaben, Bestand gegen 40 000 Mark, das für den Landrat bestimmte mit weniger Einnahmen und größeren Ausgaben, so daß die Kasse nur wenig über 1000 Mark enthielt. Es war ein gewagtes Stück, aber es ging alles gut." Zu einer nochmaligen Revision der Kasse kam es nicht mehr, da die Stadt bald von den Russen befreit wurde. In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend verließ der Herr Landrat die Stadt, Mittwoch vorher aber befahl er Prof. Müller zu sich und teilte ihm sehr feierlich mit, daß er von S. M. dem Zaren zum Gouverneur der Kreise Gumbinnen, Insterburg, Pillkallen, Stallupönen und einiger anderer, aber nicht Tilsit, ernannt sei, also eine Stelle gleich der unserer Regierungspräsidenten bekleidete.

Bemerkenswert ist, daß Prof. Müller nach der Befreiung den zurückkehrenden Beamten der Stadt Gumbinnen die Stadtkasse mit einer Einnahme von 45 700 Mark abliefern konnte. Es waren die Erlöse aus den etwa 10 Geschäften, die Müller für die Russen hatte eröffnen lassen.

Während die ersten russischen Regimenter musterhafte Disziplin gehalten hatten und nicht den geringsten Schaden verursachten, wurden die folgenden Truppen immer minderwertiger. Als die Offiziere sich verabschiedeten, sagten sie: „Nun kommen Truppen aus der Moskauer Gegend, da werden Sie etwas erleben, Sie tun uns leid!" Und so war es auch. Schon äußerlich unterschieden sie sich von den stattlichen Gardesoldaten, und die neu ankommenden waren immer schlechter ausgestattet, als die abgezogenen. Zuletzt waren es nicht mehr Leute, die den Namen Soldaten verdienten. Jetzt wurde in den Häusern auch viel geplündert und das Inventar zerstört. Die Betten zerschnitten sie öfters, weil sie zwischen den Federn Geld vermuteten. Auch verunreinigten sie vor ihrem Abzuge sehr häufig die Wohnungen. Außerhalb der Stadt war das Rauben noch ärger. Vor allem die leeren Bagagewagen wurden mit geraubten Gütern wie Möbeln, Nähmaschinen usw. beladen und entfernten sich in Richtung Grenze. Die russische Polizei war dagegen gänzlich machtlos. Allerdings wer beim Plündern erwischt wurde, hatte mit strenger Bestrafung zu rechnen.

Diese Bestrafung bestand in 10 oder 20 Hieben mit einer „fünfstrahligen Knute". Trotzdem nahmen die Übergriffe ständig zu, und es wäre wohl noch schlimmer gekommen, wenn die Russen nicht bald hätten abziehen müssen. Der nahe Kanonendonner und die vielen Flugzeuge am 10. September kündigten eine Wende zum Besseren an. Am 11. September fand Prof. Müller, als er sein Amtszimmer im Magistratsgebäude aufsuchte, die Zimmer der russischen Kommandantur schon leer. In der Nacht waren sie geräumt worden. So hatte auch die Amtstätigkeit des russischen Bezirks-Gouverneurs ein schnelles Ende gefunden.

Den ganzen Tag über fuhren nun russische Bagage- und Munitionswagen durch die Stadt der Stallupöner Chaussee zu. In den Fluß warfen die Russen Kisten mit Infanteriemunition und Granaten. Nachher mußte der Fluß abgelassen werden, damit die Munition wieder herausgeholt werden konnte. Zwischen den Wagen und auf den Bürgersteigen rannten Soldaten, wild mit scheuem Blicke. Sie hatten ihre Waffen weggeworfen, die Kleidung war höchst mangelhaft, viele hatten keine Kopfbedeckung, einige liefen barfuß. Die Verwundeten nahmen sie aber alle mit sich fort und ebenso noch alles, was sie irgend aus dem Lazarett wegschleppen konnten. Die Truppen befanden sich in deutlicher Auflösung. Trotzdem legten sie in vielen Häusern der Stadt Brände. Sie schlugen hier und da die Fenster ein und warfen brennende Zünder in die Wohnungen und Geschäfte.

Vor ihrem Abzug hatten die Russen auch ihre Fahnen entfernt. Solche befanden sich am Kaiserhof, wo der Stab einquartiert war, am Eingange des Magistratsgebäudes und hoch oben am Turme desselben. Das Blau war so dunkel, daß man es fast für schwarz halten konnte — und wäre die Reihenfolge der Farben nicht eine andere gewesen (weiß-blau-rot), so hätte man sie für deutsche Fahnen halten können. Die Fahne am Turm war eine sogenannte Siegesfahne. Sie hing an der aufrecht stehenden Stange lange herab und hatte russisch und deutsch aufgedruckt: „Siegesfahne".

Am Sonnabend, den 12. September zogen die deutschen Truppen wieder in Gumbinnen ein, zuerst nur einzelne Patrouillen, dann geschlossene Züge, Ulanen und Infanterie. Unter den ersteren befand sich auch ein Radfahrer. Zwei in der Garnisonbäckerei beschäftigte Russen hatten sich bei dem Abzüge der Ihrigen verspätet und ahnten die schnelle Ankunft unserer Truppen nicht. Sie glaubten, der Radfahrer komme allein und schossen auf ihn, aber ohne zu treffen. Nachrückende Soldaten eilten herbei und schössen die flüchtenden Russen nieder. Damit waren die Kampfhandlungen in der Stadt vorüber.

Sonntag, den 13. September, wurde Prof. Müller, da die städtischen Behörden noch nicht zurückgekehrt waren, von dem Regierungspräsidenten zum stellvertretenden Bürgermeister Gumbinnens ernannt. Es rückten an diesem Tage viele deutsche Soldaten durch die Stadt. Besonders ein Regiment, das aus der Richtung Darkehmen (Angerapp) kam, war sehr ermattet. Frauen und Mädchen brachten ganze Eimer voll Wasser herbei, andere holten aus dem Kaiserhof Brot. Anfangs gab es noch belegte Brote, dann Butterbrote, bis aller Vorrat erschöpft war.

Prof. Müller machte eine Bestandsaufnahme des von den Russen zurückgelassenen Beutegutes. Besonders gelegen kamen der Bevölkerung, die unter Salzmangel litt, 150 Zentner Salz. Sie wurden an die Bevölkerung in Stadt und Land unentgeltlich abgegeben. Auf dem Boden der Gasanstalt fanden sich nagelneue russische Mäntel, zu je 10 Stück verpackt — im ganzen wohl über 1000 Stück. Außerdem gehörten mehrere Waggonladungen Mehl zum Beutegut, das an die Bäckereien und einzelne Verkaufsstellen abgegeben wurde. Das Militär fand russische Vorräte aller Art in den großen Speichern in der Moltkestraße.

Große Schwierigkeiten bereitete in den nächsten Tagen die Unterbringung und Bespeisung von russischen Gefangenen, die zu 800 oder 3000 Mann in der Kreisstadt eintrafen.

Donnerstag, den 17. kam Herzog Ernst von Meiningen mit seinem Stabe und einer Brigade in Gumbinnen an. Einer der Adjutanten war ein Gumbinner Kind, der Sohn des ehemaligen Predigers Heinrici aus Gumbinnen, späteren Superintendenten in Goldap und Königsberg. Inzwischen waren auch von den Einwohnern Gumbinnens schon viele zurückgekehrt. Eine größere Zahl der Kaufleute zog in ihre Läden ein. Es wurde ihnen mitgeteilt, wieviel sie von der allgemeinen Kasse als Erlös für ihre Waren zu bekommen hätten. Einige waren unzufrieden, weil zu billig verkauft worden wäre, statt sich zu freuen, daß sie überhaupt etwas gerettet vorfanden.

Am 18. September kehrte der zweite Bürgermeister der Stadt, Schön, nach Gumbinnen zurück, und am 19. September, genau nach vier Wochen Tätigkeit wurde Prof. Müller aus seinen Pflichten entlassen. Oberregierungsrat Johannssen sprach ihm im Namen des Präsidenten den Dank der Regierung aus. Rechnungsrat Meier übergab die erfolgreich geführte Kasse mit den Belegen für die Einnahmen.

Die städtischen Körperschaften ehrten Prof. Müller durch die Verleihung des Ehrenbürgerrechts. Nach seinem Tode erhielt die Verbindungsstraße zwischen Meiser- und Meelbeckstraße, die an der Staatlichen Friedrichschule begann, ihm zu Ehren den Namen „Professor-Müller-Straße".

Bei seiner Entlassung aus dem städtischen Dienst hatte Oberregierungsrat Johannssen an Prof. Müller folgendes Schreiben überreicht:

Gumbinnen, den 19. September 1914. 

Euer Hochwohlgeboren haben Sich in uneigennützigster, aufopfernder Weise beim Einrücken der Russen in die Stadt Gumbinnen der Führung der Verwaltungsgeschäfte der Stadt unterzogen und der hier verbliebenen Bevölkerung wertvolle Dienste geleistet. — Mit dem Wiedereintreffen des Bürgermeisters Schön entbinde ich Sie hiermit von der Geschäftsführung, indem ich Ihnen namens der Staatsregierung Dank und volle Anerkennung für Ihre Arbeit ausspreche und der Bitte Ausdruck gebe, diesen Dank auch Ihren treuen Mitarbeitern zum Ausdruck bringen zu wollen.
 
Der Königliche Regierungspräsident.
J. v. Johannssen
           
L. S.                                                                                                           
Herrn Prof. Dr. Müller
hier

Über den Verlauf der weiteren Kämpfe im Kreisgebiet von Gumbinnen bis zur endgültigen Befreiung in der Winterschlacht in Masuren im Februar 1915 berichten wir in dem Abschnitt über die Kriegsgräber im Kreise Gumbinnen.

Quelle: "Gumbinnen" von  Dr. Rudolf Grenz - Autor: Prof. Dr. Rudolf Müller

 

 


Die Kriegsgräber von 1914 im Kreise Gumbinnen

Der erste Kriegstote von 1914, der im Kreisgebiet seine letzte Ruhestätte fand, war der in den Grenzkämpfen gefallene Musketier Tillack vom Infanterie-Regiment 43. Er wurde auf dem Altstädtischen Friedhof zu Gumbinnen bestattet.

Aus den Kämpfen im Zusammenhang mit dem Gefecht bei Stallupönen (Ebenrode) am 17. August 1914 stammt das Grab des Gefreiten Klinkusch vom Grenadier-Regiment 3, ebenfalls auf dem Altstädtischen Friedhof von Gumbinnen.

Eine große Zahl von Kriegergräbern stammt dagegen aus der Schlacht bei Gumbinnen am 19./20. August 1914. Der linke Flügel der 8. Armee (I. Armeekorps mit unterstellter Hauptreserve Königsberg) berührte den Raum unseres Kreises. Mit einem Nachtmarsch durch die Forst Tannsee (Tschulkinner F.) gelangte die 2. Inf. Div. in die Flanke der russischen Stellung nördlich Gumbinnen; General von Francois hatte damit hier das Gesetz des Handelns an sich gerissen. In der Morgenfrühe wird Mallwen (Mallwischken) (Kr. Pillkallen) gestürmt; nach Überwindung des Eimenfließ-(Eymenis-)Grundes fallen Edern (Ederkehmen) (Kr. Pillkallen) und Birkenried (Uszballen) (Kr. Gumbinnen) in die Hand der siegreich vordringenden Deutschen, die den zurückweichenden Russen bis über die Chaussee Gumbinnen—Kussen folgen und ihnen 8 Geschütze abnehmen. Nur unwillig befolgen am nächsten Morgen die Truppen den ihnen unverständlichen Rückzugsbefehl. Ihre Gefallenen werden erst nach einigen Tagen von den Dorfbewohnern auf Anordnung der Russen bestattet; daher ist hier der Anteil der „unbekannten Krieger" besonders groß.

Roßlinde (Brakupönen), Kriegerfriedhof: Gefreiter Rasch vom Infanterie-Regiment 44.

Angerfelde (Mingstimmen), Grab bei Buttgereit: Gefreiter Ulrich vom Gren. Rgt. 4.

Steinsruh (Groß-Kannapinnen), Gutsfriedhof: 1 Unbekannter vom Inf. R. 44.

Neupassau (Eszerningken), Grab beim Besitzer Hein: 1 Unbekannter vom Inf. Rgt. 45.

Gumbinnen, Altstädt. Friedhof: Hauptmann Beesel, Strieper, Leutn. Seek vom Füs. Rgt. 33; Oberleutn. von Schwichow vom Inf. Rgt. 44 (am 18.8. an Herzschlag gestorben), 13 unbekannte Deutsche.

Birkenried (Uszballen), am Dorffriedhof ein Teil der 130 Russen.

Die 1. Inf.-Div. hat schon am 19. August 1914 in ihrer von Springen bis Rohloffseck (Warkallen) verlaufenden Stellung unter russischem Artilleriefeuer gestanden und einen Angriff abgewehrt. Ihr eigener, in der Frühe des nächsten Tages vorgetragener Angriff dringt einige Kilometer in nördlicher und nordöstlicher Richtung vor, um sich dann nach einer Rechtsschwenkung gegen Roßlinde (Brakupönen) und Habichtsau (Wannagupchen) zu wenden. Beide Dörfer werden gestürmt, und die Straße Gumbinnen—Kussen wird überschritten. Am Morgen des 21. August kommt der Rückzugsbefehl den siegreichen Truppen völlig unerwartet. Aus diesen Kämpfen stammt eine bedeutende Anzahl von Kriegergräbern:

Bumbeln, Ehrenteil auf dem Dorffriedhof: Uffz. Saß, Gefr. Stössel vom Gren. R. 1; Kanonier Reimann vom Felta. R. 52; 15 unbekannte Deutsche; 1 Russe.

Rohloffseck (Warkallen), Dorffriedhof: 1 Unbekannter vom Felda.-R. 16.

Pommerfelde (Lenglauken), Dorffriedhof: 1 unbekannter Deutscher (Ulan?).

Klein-Blecken (Klein-Kannapinnen), Gutsfriedhof: 1 Unbekannter vom Inf. R. 43 (5. Komp.).

Herzogskirch (Niebudschen), Kriegerfriedhof bei Schneider: Uffz. (Füs.?) Gesenhues, Füs. Brennhober, Liedtke, Schmidt vom Gren. R. 1; Uffz. Frantz, Gefr. Lehmann, Musk. Stoltzke, Kleewisch, Stepputies vom Inf. R. 41; Musk. Bolze vom Inf. R. 43; Kanonier Simon vom Fußa. R. 1.

Herzogskirch, Kriegerfriedhof auf der Feldflur Schneider: Gefr. Grundmann, Musk. Babis, Hollein, Sontopski, Südicke, 4 Unbekannte (darunter wahrscheinlich Gefr. Hansel, Musk. Dolata) vom Inf. R, 41; Musk. Gensch, Härtung, 1 Unbekannter vom Inf. R. 43; 5 unbekannte Deutsche; 202 Russen.

Roßlinde (Brakupönen), Kriegerfriedhof bei Schawaller: Hauptmann Abramowski, Scharf, Leutn. Edel, Vizef. Schwarz, Uffz. Möller, Nee, Gefr. Czulkies, Endrus (Olus?), Walter, Musk. Sonnenberg, Steinleitner, 4 Unbekannte vom Inf. R. 41; Gren. Biester, Janduk, Steinhäuser, Westphal vom Gren. R. 1; Gefr. Strepke vom Inf. R. 43; 4 unbekannte Deutsche; 48 Russen.

Roßlinde, Gemeindefriedhof: 6 unbekannte Deutsche.

Roßlinde, Friedhof des Remontedepots: Gren. Maack, Thier vom Gren. R. 1.

Roßlinde, Kriegerfriedhof: Leutn. Lettau, Vizef. Neumann, Gefr. Aßmann, Gren. Altekönig, Driese, Engels (Engelke?), Kallmecker, Neumann, Nötzel (Stötzel?), Pfannenstiel, Schack (Scharies?), 3 Unbekannte vom Gren. R. 1; Uffz. Kascherus, Musk. Schmerling, 4 Unbekannte vom Inf. R. 41; Hauptm. Reich, Uffz. Kamp, Musk. Franke, Gentzmer, Hasselmann (Hartmann?), Tullney, 8 Unbekannte vom Inf. R. 43; Vizef. Sackreuter, Uffz. Reichert, Gren. Schwaak, 1 Unbekannter vom Gren. R. 3; August Makus (Truppenteil unbekannt); der größere Teil der 54 unbekannten Deutschen und 199 Russen.

Habichtsau (Wannagupchen), Kriegerfriedhof: Uffz. Behrends vom Gren. R. 3; 31 unbekannte Deutsche; 14 Russen.

Die dem General von Francois unterstellte Hauptreserve Königsberg kämpft im Anschluß an das I. Armeekorps und reicht mit ihrem rechten Flügel bis an den Roßbach (Pissa). Sie unternimmt am 20. August beiderseits der Straße Gumbinnen—Ebenrode (Stallupönen) einen Vorstoß, der auf starke Gegenwehr stößt und keinen entscheidenden Erfolg gewinnen kann.

Amtshagen (Szirgupönen), Kriegerfriedhof: Gefr. Grimm, Krischat, Musk. Demke, Fass, Oster, Stegemann, Walter vom Ersatzbatl. Inf. R. 45; Uffz. Holland, Füs. Krausen, Krüger, Liebke, Weidner vom Ersatzbatl.-Füs. R. 33; 1 Unbekannter von der Ersatzesk. Jag. z. Pf. 10; ein Teil der 35 unbekannten Deutschen und 48 Russen.

Altkrug (Sadweitschen), Ehrenteil auf dem Gemeindefriedhof: Uffz. Speer, Gren. Daseking, Grummisch, Grabowski, Grusche, Sommerfeld vom Ersatzregt. 2; Füs. Büsching vom Ersatzbtl. Füs. R. 33; Ackermann von der Ersatz-MG-Komp. Gren. R. 3; je ein Unbekannter vom Ersatzbtl.-Inf. R. 41 und 44; 8 unbekannte Deutsche und 1 Russe.

Altkrug, Gutsfriedhof: Oberlt. Selbmann vom Ersatzbatl. Inf. R. 41.

Grünhaus, Dorffriedhof: 1 unbekannter Deutscher; 3 Russen.

Lasdinehlen, Gutsfriedhof: 1 Unbekannter vom Ersatzbatl. Inf. Rgt. 45.

Mattischkehmen, Kriegerfriedhof: Oberlt. Ziehm vom Ersatzbatl.-Inf. R. 44.

Amtshagen (Szirgupönen): Ein Teil der 265 auf dem alten und 2 auf dem neuen Gemeindefriedhof bestatteten Russen dürfte den Toten des 20. August zuzurechnen sein.

Die Mitte der 8. Armee: XVII. Armeekorps: Das im Zentrum der Frontlinie der 8. Armee am 20. August angreifende XVII. Armeekorps bringt die größten Blutopfer; die Zahl der Toten beträgt etwa 1400. — Der am Morgen des 20. 8. 1914 beginnende Angriff kommt zunächst gut vorwärts; die Vorstellungen an der Rominte werden schnell überrannt. An der Hauptstellung östlich des Heidewasser (Schwentischke)-Grundes kommt aber das Vorgehen zum Stehen. Die gut eingegrabenen russischen Schützen haben das beste Schußfeld, sind dagegen in ihrer Deckung kaum zu erkennen. Die russische Artillerie feuert mit bester Beobachtung und vermeidet offene Feuerstellungen. Bei der 36. Division blutet das Inf. R. 175 bei Pfälzerwalde (Budszedszen), die Danziger Brigade (Gren. R. 5 und Inf. R. 128) bei Schweizerau (Schwiegsein) und Jägershagen (Ribbinnen).

Pfälzerwalde (Budszedszen), Kriegerfriedhof: Leutn. von Koppelow, Rippel, Vizef. Sedat, Weidt, Uffz. Bergmann, Borries, Gefr. Reinke, Hornist Kuschel, Musk. Bach, Bukowski, Bökenhorster, Grundzinski, Hübner, Knaak, Krugge, Kühn, Kuling, Mankowiski, Napolski, Nikulski, Nötzel, Panske, Posch, Schulz (Gustav), Schulz (Otto-Emil), Strey, Undlin, Wawczinysk, Wolkenhauer und 2 Unbekannte vom Inf. R. 175; Gefr. Leipe vom Gren. R. 5; Bendt, Rüdiger, Wandreier von unbekanntem Truppenteil; 48 unbekannte Deutsche; der größte Teil der 212 Russen.

Pfälzerwalde, Grab auf der Feldmark Rohloff: Musk. Brandenburg vom Inf. R. 175.

Pfälzerwalde, Grab bei Naujokat: Musk. Westphal vom Inf. R. 175; 1 unbekannter Deutscher.

Austfelde (Austinlauken), Dorffriedhof: Musk. Kleine vom Inf.-R. 175.

Birkenhöhe (Schmulken), Ehrenteil auf dem Dorffriedhof: 2 unbekannte Deutsche vom Inf. R. 175; Gren. Grünwald vom Gren. R. 5; Waffenmeister Fieberg vom Felda. R. 36; 6 unbekannte Deutsche (darunter 2 Artilleristen); 1 Russe.

Großwaltersdorf (Walterkehmen), Kriegerfriedhof: 13 Unbekannte vom Inf. R. 175; Gren. Baußat vom Gren. R. 5; 1 unbekannter deutscher Artillerist.

Groß-Tellrode (Gr. Tellitzkehmen), Dorffriedhof: Uffz. Brzorkowski von unbekanntem Truppenteil; 1 unbekannter Deutscher; 1 Russe.

Sprindort (Szurgupchen), Dorffriedhof: 1 unbekannter Deutscher (Waffenmeister); 1 Russe.

Schweizerau (Schwiegsein), Kriegerfriedhof: Hauptm. Sprunk, Leutn. Hagendorn, Kolbe, Offz. Stellv. Gutknecht, Uffz. Endruweit, Matthies, Gefr. Woyciechowski, Gren. Awizus, Bahls, Bälke, Eggerstedt, Gaglin, Kaesler, Kilikowski, Koth, Lehmann, Michelis, Minszinski, Schneidewind, Sommerfeld, Stremlow, Rogowski, Winkel vom Gren. R. 5; Leutn. Clemens, Sander, Fähnrich Tietz, Vizef. Gladde, Uffz. Kutzner, Gefr. Brill, Musk. Bielefeld, Bronk, Ewert, Gambe, Kleina, Kreft, Muraiski, Ruß, Schmidt, Starostik, Thomsen vom Inf. R. 128; 34 unbekannte deutsche Soldaten.

Grünweiden (Grünweitschen), Kriegerfriedhof: Musk. Gerth vom Inf. R. 175; Füs. Dierks vom Gren. R. 5; Musk. Davidowski, Plichta, Silbermann, Treder, Vollmann vom Inf. R. 128; 21 unbekannte Deutsche. 19 Russen.

Mattischkehmen, Kriegerfriedhof: Hauptm. Kieseler, Vizef. Radatz, Gefr. Woycieniuk, Musk. Evels, Fett, Groschke, Herzig, Kokoszewski, Pomplun, Reich, Salmen, Westphal, 2 Unbekannte vom Inf. R. 175; Vizef. Somke, Uffz. Ossowski, Gefr. Stolpmann, Wunderlich, Gren. Bausin, Holst, Przybuszewski, Steting vom Gren. R. 5; Leutn. Augustin, Gerlach, Magnussen, Fahnenjunker Forster, Vizef. Bahr, Martini, Mein, Sergt. Lodke, Uffz. Anders, Gransitzki, Klatt, Nalenz, Nikulski, Gefr. Galow, Golla, Heide, Heibig, Käßler, Lietz, Pflicht, Probst, Walter, Wohlert, Tambour  Milz,  Musk.  Balke,  Bärwald,  Belinski,  Blunk,  Borchers,  Brillowski,   Brilla, Cichosch, Derlat, Dittner, Dombrowski, Dreling (Drewing?), Fressonke, Hebel, Heuer, Hoorpke (Hörnke?), Jenetzky, Kahl, Koschnick, Lawrenz, Leistner, Leyk, Mielewczyk, Möller, Nauber, Nos, Peplinski, Quapp, Raabe, Reikowski, Rohlwink, Schimanski, Schmidt (Heinrich), Schröder, Spielmann, Strojewski, Wendt, Worrosebsk, Wroblewski, 11 Unbekannte vom Inf. R. 128.

Bei der 35. Inf.-Division nehmen die Thorner Regimenter 61 und 21 Grünweiden (Grünweitschen) und Weidengrund (Jodzuhnen) und greifen dann den bei Mattischkehmen und am Wäldchen nördlich davon gut eingegrabenen Gegner an. Die auf der weiten deckungslosen Ebene vorgehenden Schützenlinien werden von einem mörderischen Feuer empfangen, ihr Angriff bleibt unter schweren Verlusten vor der russischen Stellung liegen. Zwei Batterien, die zur Unterstützung der schwer kämpfenden Infanterie auf der Höhe östlich Grünweiden auffahren, werden zusammengeschossen. Am späten Nachmittag ziehen sich die deutschen Truppen befehlsgemäß hinter die Rominte zurück.

Mattischkehmen, Kriegerfriedhof: Oberlt. Donner, Leutn. Fleischmann, Möller, Rheineck, Offz. Stellv. Peters, Feldw. Grube, Vizef. Fahlpahl, Gödecke, Schulz (Wilhelm), Sellnow, Sergt. Manicke, Uffz. Bluhm, Buchholz, Jesio, Jokisch, Lemke, Raguse, Wenzel, Gefr. Albrecht, Bolz, Dronczkowski, Fütterer, Garbe, Hansen, Hoffmann, Jahnke, Pischke, Musk. Arlt, Barz, Baume, Berg, Boeke, Christensen, Dehmlow, Dettbarn (Inf. R. 21?), Dolny, Friederici, Gohrke, Graffweg, Greffin, Gresens, Grewe, Hansel, Hecker, Hegenberg, Hintz, Holthausen, Holtmann, Hübner, Humeny, Huvers, Jablonski, Juszack, Kaluza, Kehler, Klise, Kohn, Koschnik, Kühlmann, Kühn, Kümmel, Lewin, Lindemann, Lindenbaum, Lünnemann, Maihack, Malz, Marcenka, Müller, Neumann, Nilges, Olszewski, Pahnke, Papenfuß, Pastewka, Petsch, Piel, Poronski, Rasch, Recknagel, Reinert, Reitag, Rosebrock, Rutz, Ryschkowski, Rzepinski, Sauer, Schalapski, Schaper, Scheil, Schidlowski, Schmidt (Karl Schmitt?), Schneider, Schröder, Schwanke, Sommermann (Sonnemann?), Spicker, Stachel, Svek, Tätz, Theus, Tyborra, Voß, Weber, Weinhold, Wendt, Wendt (Johann), Wendler, Wilmung, Wosresebsk (Inf. R. 128?), Zielinski, 47 Unbekannte vom Inf. R. 61; Leutn. Solbrig, Uffz. Engelmann, März, Gefr. Holk, Klingbeil, Scherdien, Schlese, Schulz (Wilhelm), Wachenfeld, Musk. Bartz, Buchholz, Czernecki, Feller, Flüger, Frobel, Frosch, Hüllmann, Jahrke, Kastei, Kruckenberg, Nehring, Neumann, Niggemann, Prutz, Rafeminski, Riewald, Schenk, Schulz (Franz), Wähner, 12 Unbekannte (darunter ein Offizier) vom Inf. R. 21; Gefr. Bubi, Schröder, Musk. Donney (Inf. R. 128?), Gusse (Inf. R. 19 angegeben), Hansen, Hering, Nowetsch, Sarnecki, Winkel von unbekannten Truppenteilen; der Hauptteil der 175 unbekannten Deutschen (darunter ein Leutnant) und 438 Russen.

Weidengrund (Jodzuhnen), Ehrenteil auf dem Dorffriedhof: Leutn. Büttner, Musk. Czerski, Renkowitz, Stockmann vom Inf. R. 61; Uffz. Hoppe, Nahrmann, Musk. Tekampe vom Inf. R. 21; Musk. Redmer von unbekanntem Truppenteil.

Weidengrund, Gutsfriedhof: Feldw. Klein, 5 Unbekannte vom Inf. R. 61; Gefr. Kusserow, Musk. Kaminski, 2 Unbekannte vom Inf. R. 21.

Grünweiden (Grünweitschen), Kriegerfriedhof: Vizewachtm. Weithe vom Felda. R. 36; Kanonier von Czierson vom Felda. R. 81.

Amtshagen (Szirgupönen), Kriegerfriedhof: Hauptm. Suntheim vom Inf. R. 61. Die am linken Flügel des XVII. Armeekorps angreifenden Inf.-Regimenter 141 und 176 durchschreiten im Kampfe Jägersfreude (Sodinehlen) und Klein-Baitschen und wenden sich dann teils gegen die russischen Gräben nördlich des Wäldchens von Mattischkehmen, teils gegen Norden. Werdein wird genommen. Doch gerät der Angriff ins Stocken, und die Truppen erleiden im Kreuzfeuer der feindlichen Infanterie und Maschinengewehre schwere Verluste. Auch die Loslösung vom Feinde am Nach
mittage gestaltet sich schwierig.

Mattischkehmen, Kriegerfriedhof: Hauptm. Karsten, Offz. Stellv. Gierszewski, Feldw. Hein, Vizef. Petersen, Sergt. Pipke, Uffz. Richter, Gefr. Kubitz, Musk. Asfahl, Bendikowski, Biermann, Bluhm, Böhme, Bürdel, Diesnig, Dietrich, Dreier, Düball, Fischer, Gall, Gartzlaff, Gennermann, Grabowski, Hammermeister, Knobe, Knödel, Krause, Kremin, Lange, Lewitzki, Lonsen, Marks, Martins, Mendig, Pienczyn, Pipke, Sarnecki, Scheibel, Schieding, Schley, Sichelschmidt, Sommerfeld, Steil, Stratmann, Strysewski, Szamatzki, Tesko, Times, Tromp, Wehrend, Wismiewski, Zipper, 21 Unbekannte vom Inf. R. 141; Sergt. Kuhn, Uffz. Braun, Perbandt, Schulz, Gefr. Gewand, Geweide, Ristow, Tessmer, Tambour Zienteck, Musk. Bartz, Behrend, Bluhm, Brüssow, Dobbeck, Georges, Gerhard, Grewe, Hammer, Katzke, Klimmeck, Knäpple, Kolp, Kusch, Loot, Neumeier, Osterwind, Prannebusem, Sausmikat, Taurek, Tepel, Varchmin, Weiß, Wien, Winzler, Wirtz (Wirth?), Ziolkowski, 19 Unbekannte vom Inf. R. 176.

Weidengrund (Jodzuhnen), Ehrenteil auf dem Dorffriedhof: Hauptm. König, Uffz. Arch, Geske, Gefr. Neumann, Musk. Blatt, Claussen, Ejankowski, Haack, Kroll, Radau, Voges vom Inf. R. 141; Gefr. Voß, Musk. Fick, Groth, Mallnow, Nimz, Witt vom Inf R. 176.

Weidengrund, Gutsfriedhof: 1 Unbekannter vom Inf. R. 176.

Jägersfreude (Sodinehlen), Dorffriedhof: Leutn. Danker, Goertze vom Inf. R. 141; 27 Unbekannte vom Inf. R. 176; 18 unbekannte Deutsche und 3 Russen.

Amtshagen (Szirgupönen), Kriegerfriedhof: Hauptm. von Marklowski, Oberleutn. Rostalski, Wiebe, Leutn. Briehn, Dietrich, von Groß, Fahnenjunker Müller, Offz. Stellv. Engel, Vizef. Plüddemann, Schwichtenberg, Uffz. Markschies, Pomplun, Gefr. Kasten, Knips, Maschke, Meininghaus, Meißner, Riepert, Stieg, Zirkler, Tambour Arz, Klein, Musk. Ballewski, Basenau, Berner, Brede, Buchholz, Busse, Chili, Dannes, Dittmer, Ehmsen, Franz, Frempeck, Goerke, Granolt, Gratkowski, Groth, Grothe, Heber, Hoppe, Jahnke, Klawonn, Kiewin, Kroll, Lamm, Lawetzki, Malinowski, Mielke, Oemiek, Paul, Riemer, Rogahn, Sachse, Schulz (Ewald) (6. Komp.), Schulz (3. Komp.), Schulze, Steinfeld, Sturm, Thiele, Tilicki, Tollkühn, Tuuck, Wengelowski, Wernicke, Witt, Wolf vom Inf. R. 141; Hauptm. Bodemann, Leutn. Jäger, Schellwick, Offz. Stellv. Rock, Feldw. Korsch, Sergt. Dohle, Musk. Behrend, Ewers, Hartstein, Reinkober vom Inf. R. 176; ein Teil der 35 unbekannten Deutschen und 48 Russen.

Klein-Baitschen, Kriegerfriedhof: Tambour Barduna, Putz, Musk. Chojinski, Kohnert, Koller, Möller, Ringler, Thoms, Weinhold, 6 Unbekannte (darunter ein Offizier) vom Inf. R. 141; Musk. Wicknig vom Inf. R. 176; 8 unbekannte Deutsche; 3 Russen.

Hochfließ (Augstupönen), Ehrenteil auf dem Dorffriedhof: Uffz. Ohnesorg, Musk. Baranowski vom Inf. R. 176.

Altkrug (Sadweitschen), Ehrenteil auf dem Dorffriedhof: Uffz. Mesdag vom Inf. R. 176.

Russengräber bei Amtshagen (Szirgupönen, der größte Teil der 265 auf dem alten Dorffriedhof bestatteten Russen), Jonasthal (1).

Das Infanterie-Regiment 129, vom XVII. Armeekorps als Flankensicherung nach Süden abgesetzt, bleibt bis zum Mittag in Bereitschaft, greift dann an und führt einen hinhaltenden Kampf bei Pickeln, Kaseleken und Grasberg (Raudohnen). Es hindert dadurch den Feind an der Einwirkung auf die Südflanke des Korps.

Eine große Zahl von Toten aus diesen Kämpfen ruht auf dem Kriegerfriedhof von Waldaukadel, Kr. Goldap, nur wenige im Kreise Gumbinnen:

Pfälzerwalde (Budszedszen), Dorffriedhof: Musk. Schulz (Walter, 5. Komp.) vom Inf. R. 129.

Austfelde (Austinlauken), Dorffriedhof: Feldw. Schlüter vom Inf. R. 129 (auch bei Waldaukadel aufgeführt).

Die Schlacht bei Gumbinnen ist nicht durchgefochten worden. Bei aussichtsreicher Lage am Abend des 20. August 1914 bricht Generaloberst von Prittwitz und Gaffron die Schlacht ab, als die Nachricht vom Vormarsch der Narew-Armee eintrifft und gibt den Rückzugsbefehl. Die in Ferngesprächen mit der Obersten Heeresleitung geäußerte Absicht, hinter die Weichsel zurückzugehen, führt zu seiner Absetzung und zur Berufung des Generals von Hindenburg und des Generalmajors Ludendorff an die Spitze der 8. Armee. Mit ihren Namen verknüpfen sich der Ruhm, Ostpreußen befreit zu haben, und der Glanz der großen auf ostpreußischem Boden erfochtenen deutschen Siege.

Das nächste Kampfgeschehen, das allerdings erst in vorgeschrittenem Stadium den Kreis Gumbinnen berührt, ist die Schlacht an den Masurischen Seen vom 5.—15. September 1914.

Von den Kämpfen bei Tollmingen (Tollmingkehmen), Kr. Goldap, und Birkenmühle (Mehlkehmen), Kr. Stallupönen, am 12. September 1914 stammt ein Grab in Gumbinnen, Altstädtischer Friedhof: Gren. Künas vom Gren. R. 1.

Von den Kämpfen des XVII. Armeekorps bei Tollmingen (Tollmingkehmen) am 12. September 1914 stammen zwei Gräber in Gumbinnen, Ehrenteil auf dem Altstädtischen Friedhof: Musk. Vieler vom Inf. R. 129; Husar Garbe vom Hus. R. 5.

Das XX. Armeekorps bricht am 8. September von Rastenburg aus gegen die russischen Stellungen vor. Ab 11. September befindet es sich auf der Verfolgung der Russen und berührt dabei den Kreis Gumbinnen. Dabei kommt es zu häufigen Feindberührungen, und es gibt einige Tote. Gräber aus diesen Gefechten befinden sich in Eggenhof (Kuttkuhnen), Dorffriedhof: Kanonier Neumann vom Fußartillerie-Regiment 5.

Schulzenwalde (Buylien), Kriegerfriedhof: Musk. Sieting vom Inf. R. 150.

Großwaltersdorf (Walterkehmen), Kriegerfriedhof: Musk. Bocks vom Inf. R. 152.

Frankenhof (Didsziddern), Kriegerfriedhof: Reservist Gruneberg vom Dragoner-Regiment 10.

Birkenhöhe (Schmulken), Dorffriedhof: Uffz. Motzkau vom Inf. R. 18.

Gumbinnen, Altstädtischer Friedhof: Musk. Fox vom Inf. R. 59.

Russengräber bei Pfälzerort (Drutischken (11), Trakehnen (2) und Deeden (12)
(Kr. Stallupönen).

Das wichtigste Kampfgeschehen im Rahmen der Schlacht an den Masurischen 6 Seen, das den Kreis Gumbinnen betrifft, sind die Kämpfe des XI. Armeekorps (thüringisch-kurhessisches), das am 6. September von Korschen aus vorgeht. Am 12. September befindet es sich auf der Verfolgung der Russen, die es mit aller Energie betreibt, und erringt schnell den Übergang über die Angerapp. Die Inf. R. 32 und 167 nehmen nach Kampf den Bahnhof und die Stadt Gumbinnen. Bei der weiteren Verfolgung bereitet die feindliche Nachhut bei Klein-Puspern (Kr. Gumbinnen) längeren Aufenthalt. Hier fallen der zur Infanteriespitze vorreitende Kommandeur des Inf. R. 32, Oberstleutnant Fischer und sein Adjutant. Am folgenden Tage wird Stallupönen (Ebenrode) erreicht und genommen.

Von diesen Kämpfen sind folgende Gräber:

Gumbinnen, Ehrenteil auf dem Altstädtischen Friedhof: Leutnant (Regimentsadjutant) Schulz, Gefr. Weineck, Musk. Schlieper, Weiß vom Inf. R. 32; Musk. Voigt vom Inf. R. 96; 15 Russen.

Husarenberg (Perkallen), Kriegerfriedhof: Oberleutnant von Schulenburg vom Stabe des XL Armeekorps (Felda. R. 11).

Klein-Puspern, Feldgrab dicht südlich der Chaussee: Oberstleutnant Fischer vom Inf. R. 32.

Klein-Puspern, Gutsfriedhof nördlich der Chaussee: Musk. Hägelin, Wilhelm, Witzel vom Inf. R. 32; Kanonier Pf äff vom Felda. R. 11; Kanonier Döring vom Fußa. R. 18; 4 Russen.

Amtshagen (Szirgupönen), Kriegerfriedhof: Musk. Brandau vom Inf. R. 82.

Nemmersdorf, Gemeindefriedhof: 1 Russe.

Altkrug (Sadweitschen), Gemeindefriedhof: 1 Russe.

Auch das I. Reservekorps berührt im Vordringen den Gumbinner Kreis. Am 12. September schreitet die Verfolgung zunächst rasch vorwärts, dann stoßen die Divisionen nordostwärts von Roßlinde (Brakupönen), Kr. Gumbinnen, und Mallwen (Mallwischken), Kr. Schloßberg (Pillkallen) auf starken russischen Widerstand. Der Kampf spielt sich größtenteils außerhalb des Kreises Gumbinnen ab, aber es gehen einige Gräber auch im Kreis Gumbinnen auf diese Kampf Verwicklungen zurück:

Roßlinde (Brakupönen), Kriegerfriedhof: Reservist Oelze vom Res. Inf. R. 18.

Gumbinnen, Ehrenteil auf dem Altstädtischen Friedhof: Landwehrm. Baischeit, Jendrall vom Res. Inf. R. 59.

Von den Kämpfen in der Hancza-Stellung außerhalb der Reichsgrenze, nach dem 5. Oktober 1914, stammt in Gumbinnen auf dem Kriegerfriedhof das Grab von Füs. Rohrmoser vom Füs. R. 33.

Am 5. November 1914 gehen die deutschen Truppen von Wirballen aus wieder über die Reichsgrenze zurück und müssen russischem Druck weichen. Von diesen Vorgängen stammt das Grab in Gumbinnen auf dem Kriegerfriedhof von Uffz. Schemionek vom Landw. Inf. R. 33.

Von den Kämpfen bei Bakalarzewo außerhalb der Reichsgrenze Ende Oktober 1914 rührt ein Grab in Gumbinnen, Alter Altstadt. Friedhof: Uffz. Pudlat vom Füs. R. 33.

Auf die Kämpfe an der Ostgrenze nördlich des Wystiter Sees in den ersten Novembertagen geht ein Grab zurück in Gumbinnen, Alter Altstadt. Friedhof: Feldwebel Sziddat vom Ers. R. Königsberg I.

Von den Rückzugskämpfen am Nordrand der Rominter Heide am 9. November 1914 sind Gräber in Gumbinnen, Kriegerfriedhof: Hauptm. Liebe, Leutn. Lemke, Gren. Scharein, Schmodsien vom Gren. R. 3; Gren. Holl vom Gren. R. 1.

Weit vor der zurückgehenden Front halten Teile der Landw. Div. Königsberg nördlich der Straße Ebenrode-Eydtkau noch einige Tage stand. Am 12. November stürmt das Landw. Inf. R. 3 zusammen mit Teilen des Landw. Inf. R. 4 den von den Russen verschanzten Wald von Groß-Degesen und schließt sich erst am folgendenTage der Rückzugsbewegung an. Auf diese Kämpfe gehen Gräber zurück in Mattischkehmen, Kriegerfriedhof: Landwehrm. Gerbach vom Landw. Inf. R. 33. Gumbinnen, Kriegerfriedhof: Gefr. Schulz vom Landw. Inf. R. 3. Gumbinnen, Grabanlage im Garten des Garnisonlazaretts: Landwehrm. Tietz vom Landw. Inf. R. 3; Offz. Stellv. Hopp, Landwehrm. Babian, Mußlapp vom Landw. Inf. R. 4.

Noch einmal vor dem Einrücken in die Winterstellung bietet General von Below, der den Befehl über die 8. Armee übernommen hat, dem nachdrängenden Gegner die Stirn. Beiderseits der von Gumbinnen nach Goldap führenden Straßen greifen die Divisionen des I. Armeekorps in Richtung auf Herzogsrode (Gawaiten) und Zellmühle (Kiauten) am 13. November an und werfen die Russen in dreitägigen Kämpfen über die angegebene Linie hinaus. Sie werden am rechten Flügel durch die 70. Landwehrbrigade und die 3. Reservedivision, die dem Gegner in die Flanke stößt, unterstützt. Am linken Flügel begleitet die 9. Landwehrbrigade den Angriff durch ihr Vorgehen auf Waldaukadel. Nach Durchführung dieser Kämpfe wird auf die geplante und teilweise vorbereitete Angerapplinie zurückgegangen.

Gräber von diesen Kämpfen in

Schwarzenau (Jodszen), Dorffriedhof: Musk. Just vom Inf. R. 41; 1 unbekannter
Deutscher; 4 Russen.

Jockeln, bei Heisrath: Musk. Mann vom Inf. R. 44; Gefr. Baumgarth vom Inf. R. 41 (?); Res. Günther vom Inf. R. 43 (?); 1 unbekannter Deutscher; 1 Russe.

Peterstal (Schestocken), Dorffriedhof: Musk. Stock vom Inf. R. 41; Res. Schillat vom Füs. R. 33.

Matzhausen (Matzutkehmen), Dorffriedhof: 1 Unbekannter vom Inf. R. 41; 4 Russen.

Mattischkehmen, Kriegerfriedhof: Gren. Pawlitzky vom Gren. R. 1.

Grünfließ (Karszamupchen), Dorffriedhof: 16 Russen.

Praßfeld (Praßlauken), Dorffriedhof: Kan. Möhrke von der mob. Ers. Batt. Felda. R. 16; 1 unbekannter Deutscher; 1 Russe.

Pfälzerwalde (Budszedszen), bei Naujokat: Res. Werner vom Gren. R. 4.

Gumbinnen, Kriegerfriedhof: Gren. Benke (Behnke?) vom Gren. R. 1; Uffz. Hansche vom Inf. R. 41; Gren. Klatt vom Gren. R. 3; Musk. Schmidt, Stoermer vom Inf. R. 43; . . . Schwetz, Steiner vom Inf. R. 45; Landwehrm. Herholtz vom Landw. Inf. R. 48.

Von der Winterstellung, dem Brückenkopf von Angerapp (Darkehmen), wo Ende November und Anfang Dezember 1914 gekämpft wurde, rühren Gräber in

Schulzenwalde (Buylien), Kriegerfriedhof: Gefr. Wittmann vom Res. Inf. R. 2.

Gumbinnen, Kriegerfriedhof: Landwehrm. Giertz vom Res. Inf. R. 2; Res. Mahlich vom Res. Inf. R. 49.

Gumbinnen, Altstädtischer Friedhof: Leutn. Arnicke vom Res. Drag. R. 5.

Die Hauptstütze des nördlichen Teils der Winterstellung bildete die Stadt Gumbinnen. In einem flachen Bogen, der sich im Osten auf etwa 8 km nähert, legt sich die Front schützend um den wichtigen Knotenpunkt von Straßen und Eisenbahnen. Kleinere Unternehmungen beider Gegner, tägliche Schießereien zwischen den Vorposten und vor allem das zeitweise schwere Artilleriefeuer verursachen im Laufe der Wochen zahlreiche Verluste.

Der Südabschnitt vom Wiekflüßchen bis an die Höhen von Girnen besetzt Mitte November die 2. Infanteriedivision, der einzige aktive Truppenverband, der in Ostpreußen zurückgeblieben ist. Nach dem baldigen Abtransport der 4. Infanteriebrigade zur Feldstellung Lötzen und Angerburg bleibt die 3. Inf.-Brigade in der Gumbinner Forst allein zurück. Als dann später auch von ihr einzelne Bataillone herausgezogen werden, um an andern gefährdeten Stellen eingesetzt zu werden, treten an deren Stelle Teile der neu aufgestellten Ersatzregimenter Königsberg I und III.

Eine große Zahl von Gräbern geht auf die Stellungskämpfe zurück:

Bahnfelde (Jucknischken), Dorffriedhof: Kan. Karwack vom Feldart.-Reg. 37.

Neuhof-Buylien bei Schulzenwalde, Kriegerfriedhof: Kriegsfreiw. Finkenberger vom Gren. R. 4; Feldw. Leutn. Maßlack, Gefr. Opitz, Kriegsfreiw. Brodermann, Herzog, Res. Jablonski, Landwehrm. Nitsch, Kriegsfreiw. Pöwe, Res. Schween, Kriegsfreiw. Skaletz vom Ers. R. Königsberg I.

Schulzenwalde (Buylien), Kriegerfriedhof: Uffz. Osthues, Res. Kaminski, Poetsch, Schiller vom Inf. R. 44; Uffz. Fretel (Truppenteil unbekannt, vielleicht Inf. R. 44); 4 unbekannte Deutsche; 2 Russen,

Schulzenwalde, Gutsfriedhof: 1 unbekannter Deutscher.

Lutzen (Lutzicken), Dorffriedhof: Res. Thebuß vom Gren. R. 4.

Frankenhof (Didsziddern), Kriegerfriedhof: Musk. Faust, Mundt vom Inf. R. 44; Landwehrm. Lenz, Schikowski vom Ers. R. Königsberg I; Landwehrm. Ladewig, . . . Debertzki (Truppenteil unbekannt).

Marienhöhe, Gutsfriedhof: Musk. Bartz, Schober, Seidler vom Inf. R. 44.

Erlengrund (Alt-Maygunischken), Dorffriedhof: Gefr. Stanzeleit, Musk. Dorn, Neumann, Romanowski, Triebe, Willuns vom Inf. R. 44; Füs. Hirth vom Ers. R. Königsberg I; 3 Russen.

Erlengrund (Neu-Maygunischken), Friedhof am Ostausgang: Uffz. Koschorrek, Pluschkell, Gefr. Just, Musk. Beikard, Dronseck, Ebner, Gerhardt, Holdack, Liedtke, Saborowski, Schmedat, Schwederski vom Inf. R. 44.

Ernstberg, Friedhof im Wäldchen: Kriegsfreiw. Käßburg, Res. Wischnewski vom Inf. R. 44; 3 unbekannte Deutsche.

Ernstberg, Gutsfriedhof: 2 unbekannte Deutsche.

Ernstberg, Gutsgarten: Musk. Sellien vom Ers. R. Königsberg I. Gumbinnen, Kriegerfriedhof: Gefr. Peper, Füs. Ganz, Schreiber, Schüler, Kriegsfreiw. Siggmann vom  Gren. R. 4; Uffz. Miram, Musk. Geurtsen, Landwehrm. Haußmann, Res. Hochfeld, Musk. Poweleit vom Inf. Rgt. 44; Res. Walter vom Ers.R. Königsberg I; Kan. Moser vom Felda.-Rgt. 1.

Russengräber bei Erlengrund (Neu-Maygunischken, an der Chaussee südlich Ernstberg; 34),

Jürgendorf (Jogelehnen; 6),

Roden (Rödszen; 1),

Hoheneck (Pillkallen, Krs. Gumbinnen; 17),

Emilienhof (Gutsfriedhof; 1).

Den angrenzenden Frontabschnitt, der von den Girner Höhen zur Rominte führt und bei Schweizertal (Nestonkehmen) den Fluß überquert, halten die 9. Landwehrbrigade und Teile des Ersatzregiments Königsberg I besetzt.

Auch an diesem Abschnitt finden sich viele Gräber:

Girnen, Kriegerfriedhof: Res. Bartuschewski, Landwehrm. Bonow, Kriegsfreiw. Danelewski, Landwehrm. Dietrich, Musk. Füllhase, Landwehrm. Gutzeit, Res. Podszus, Landwehrm. Schebsdat vom Ers. R. Königsberg I; Kriegsfreiw. Groß vom Inf. R. 377 (Ers. R. Königsberg I); 1 Russe.

Girnen, Dorffriedhof: Leutn. Marks vom Ers. R. Königsberg I; Schütze Müller von der Festungs-MG-Abt. 12.

Erlengrund (Neu-Maygunischken), Friedhof am Ostausgang: Landwehrm. Patzke vom Landw. Inf. R. 48.

Ernstberg, Gutsfriedhof: Landwehrm. Steinberg vom Landw. Inf. R. 48.

Brückental (Samelucken), Dorffriedhof: Landwehrm. Baranowski, Musk. Neumann II vom Ers. R. Königsberg I; 2 Russen.

Brückental, Friedhof bei Schinz: Landwehrm. Klabunde, Krause vom Landw. Inf. R. 48; Kriegsfreiw. Nowitat (Truppenteil unbekannt); 1 unbekannter Deutscher.

Brückental, im Garten Schäfer: Landwehrm. Kröhlke vom Landw. Inf. R. 48.

Brückental, im Garten Rau: 1 Deutscher (nähere Angaben verlorengegangen).

Großwaltersdorf (Walterkehmen), im Garten Hoyer: Landwehrm. Ewert vom Ers. R. Königsberg I.

Husarenberg (Perkallen), Kriegerfriedhof: Jäger Miersch, Tenser vom Jag. Batl. 2 (nach Batl. Gesch.: Wiersch, Teßmer beim Bunkerbau verschüttet); Uffz. Ehlert, Müggenburg, Gefr. Böselt, Joschko, Richter, Landwehrm. Arnold, Bensdum, Gerloff, Gronau, Gurr, Hedke, Höppner, Müller, Röttke, Sommer vom Landw. Inf. R. 48; Res. Paul vom Inf. R. 377 (Ers. R. Königsberg I).

Schweizertal (Nestonkehmen), Dorffriedhof: Vizef. Jablonski, Gefr. Schröder, Landwehrm. Breitenreiter, Lemke, Paarmann, Pappe, Wersely (Wessely?) vom Landw. Inf. R. 24; Landwehrm. Mielsch vom Landw. Inf. R. 48; 8 Russen.

Gumbinnen, Kriegerfriedhof: Uffz. Tauk, Urban, Landwehrm. Bobert, Großmann (Festungs-MG-Abt. 2), Michalsky, Radtke vom Landw. Inf. R. 48; Uffz. Rosenfeld, Tiltmann, Res. Berlin, Landwehrm. Glode, Meinke, Res. Senftleben vom Landw. Inf. R. 24; Gefr. Bellin, Bönki, König, Musk. Birkholz, Holdack, Keufert, Res. Morwinsky, Kriegsfreiw. Salatzkat, Res. Willuhn vom Ers. R. Königsberg I; Vizef. Noß, Gefr. Groneberg von der mob. Ers. Abt. Felda. R. 37; Kan. Müller von der mob. Ers. Abt. Felda. R. 16 (?).

Die Stellung zwischen der Rominte und Baitschen wird von den Landwehrregimentern 4 und 3 besetzt; zum letzteren tritt sein mob. Ersatzbataillon. Rittlings der wichtigen Straße Gumbinnen—Ebenrode (Stallupönen) hat sich zwischen dem Roßbach (Pissafluß) und dem Moosgrunder (Schorschiener) Moor das Landw. Inf. R. 33 eingegraben. Auch in diesem Abschnitt liegen viele Soldatengräber:

Hochfließ (Augstupönen), Dorffriedhof: Landwehrm. Stamm vom Landw. Inf. R. 3; Uffz. Brandt, Gefr. Heidrich, Paul, Landwehrm. Baganz, Böhnke, Pohlke (Pohle?), Prinz, Stephaniak, Sticklat, Thie vom Landw. Inf. R. 4.

Hochfließ, Gutsfriedhof: 4 unbekannte Deutsche.

Jägersfreude (Sodinehlen), Dorffriedhof: Res. Vorwerk (Truppenteil unbekannt).

Klein-Baitschen, Kriegerfriedhof: Res. Zienau vom Landw. Inf. R. 4.

Amtshagen (Szirgupönen), Kriegerfriedhof: Landwehrm. Schimkus und 13 Unbekannte vom Landw. Inf. R. 4.

Gr. Baitschen, Dorffriedhof: 5 unbekannte Deutsche.

Altkrug (Sadweitschen), Kriegerfriedhof: Landwehrm. Podszuweit vom Landw. Inf. R. 33.

Preußendorf (Pruzischken), Dorffriedhof: Pionier Schalge vom Pion. Batl. 18.

Schrötersheim (Schröterlauken), Gutsfriedhof: Landwehrm. Bendrich, Bieber vom Landw. Inf. R. 33.

Lasdinehlen, Gutsfriedhof: Uffz. Gortz vom Landw. Inf. R. 33.

Schweizersfelde (Tublauken), Friedhof nordöstlich des Dorfes: Uffz. Wrowka, Gefr. Reuter vom Landw. Inf. R. 33; 5 unbekannte Deutsche; 1 Russe.

Schweizersfelde, Dorffriedhof: 1 Deutscher vom Landw. Inf. R. 33; 1 Russe (nähere Angaben verlorengegangen).

Gumbinnen, Kriegerfriedhof: Landwehrm. Michalski, Stolpe, Neumann vom Landw. Inf. R. 3; Uffz. Scablinsky, Landwehrm. Bertram, Kairies, Müller, Romey vom Landw. Inf. R. 4; Landwehrm. Jeske, Ottenberg, Seddig vom Landw. Inf. R. 33; Füs. Warnke vom Ers. R. Königsberg III.

Russengräber bei Amtshagen (Szirgupönen; ein Teil der 265 Russen auf dem alten und 2 Russen auf dem neuen Dorffriedhof), Klein Puspern (Gutsfriedhof; 2).

Den vom Moosgrunder (Schorschiener) Moor über Springen, Bumbeln, Herzogskirch (Niebudszen) bis Roloffseck (Warkallen) verlaufenden Frontabschnitt verteidigen die mobilen Ersatzbataillone der Landwehrregimenter 9 und 12, das III. Batl. Landw. Inf. R. 4 und die Landsturmbataillone Tilsit I und III. Von diesem Abschnitt Gräber in:

Moosgrund (Schorschienen), Dorffriedhof: Leutn. Neuse vom mob. Ers. Batl. Landw. Inf. R. 9; 23 Russen.

Seewiese (Antszirgessern), Dorffriedhof: Landwehrm. Strelge vom mob. Ers. Batl. Landw. Inf. R. 9.

Springen, Dorffriedhof: 4 Deutsche vom mob. Ers. Batl. Landw. Inf. R. 9; 1 unbekannter deutscher Artillerist (nähere Angaben sind verlorengegangen).

Kümmeln, Dorffriedhof: 1 Deutscher, 17 Russen (wie bei Springen).

Gumbinnen, Kriegerfriedhof: Gefr. Jahne vom mob. Ers. Batl. Landw. Inf. R. 12; Vizef. Segadlo, Uffz. Kaul vom Landst. Batl. Tilsit I.

Russengräber bei Pabbeln (4), Roseneck (Worupönen; 1), Roßlinde (Brakupönen; ein kleiner Teil der 199 Russen?).

Aus dem an die Gumbinner Stellung angrenzenden Frontteil bei Mallwen (Mallwischken), Kr. Schloßberg (Pillkallen), stammt ein Grab aus Bergendorf (Pakallnischken), Dorffriedhof: Uffz. Neumann vom Landw. Inf. R. 4.

Die Winterschlacht in Masuren im Februar 1915 bringt die Fronten wieder in Bewegung, und die Russen werden aus dem Kreis Gumbinnen verdrängt. Am 9. Februar beginnt der Angriff des Nordflügels. Am 11. Februar befindet sich fast der ganze Angriffsflügel jenseits der Grenze. Nur die 75. Res. Div. stößt westlich des Systiter Sees nach Süden vor, um dort zurückgehende Russen abzufangen. Bei Grünwalde kommt es zu Zusammenstößen, die schnell zur Gefangennahme des Gegners führen. Aus diesen Kämpfen ist ein Grab in

Gumbinnen, Kriegerfriedhof: Res. Schmidt vom Res. Inf. R. 251; Gefr. Flach von der Mun. Kol. Fußa. Batl. 38.

Nachdem die beiden Flügel den gewünschten Vorsprung gewonnen haben, beginnt am 10. Februar auch die Mitte der deutschen Front ihren Vormarsch. Nichtüberall geben die Russen ihre Stellungen kampflos auf, vielmehr halten tapfere Nachhuten an mehreren Stellen die Angreifer auf und liefern ihnen blutige Gefechte. Auch an den beiden von Gumbinnen nach Süden führenden Straßen halten russische Nachhuten zäh ihre Stellungen und geben sie erst nach hartem Kampf auf.

Von diesen Kämpfen finden sich im Gumbinner Kreisgebiet folgende Soldatengräber:

Frankenhof (Didsziddern), Kriegerfriedhof: Offz. Stellv. Dombrowski, Musk. Dobberstyn vom Ers. R. Königsberg I.

Gumbinnen, Kriegerfriedhof: Musk. Lewald vom Ers. R. Königsberg I, Musk. Hempel vom Ers. R. Königsberg III.

Südöstlich Gumbinnen tritt die 9. Landw. Brig. aus ihren Stellungen bei Girnen, Husarenberg (Perkallen) und Schweizertal (Nestonkehmen) am frühen Nachmittag des 10. Februar zum Angriff an. Erst am Abend hat das Landw. Inf. R. 24 Grünweiden (Grünweitschen) in seiner Hand. Das Landw. Inf. R. 48 stößt nach Überschreiten der Rominte auf starke Stützpunkte und kann sich nur unter schweren Verlusten den Weg nach Großwaltersdorf (Walterkehmen) erkämpfen. Der weitere Vormarsch führt die Truppe ohne wesentliche Behinderung durch den Gegner in die Rominter Heide und an die Grenze. Zahlreiche Soldatengräber säumen den Weg des Vormarschs.

Großwaltersdorf (Walterkehmen), Kriegerfriedhof: Uffz. Glimm, Grünberg, Werner, Gefr. Baudien, Kiel, Matthe, Paris, Walter, Landwehrm. Dühring, Grützmacher, Haak, Herrmann, Herz, Luban, Mahr, Marquardt, Matz, Mieler, Peuke, Pieper, Poerschke, Prätzel, Schaulinski (Schaublinski?), Schmidt, Steffen vom Landw. Inf. R. 48; 20 Russen.

Großwaltersdorf, Grab im Garten Hoyer: Landwehrm. Kühne vom Landw. Inf. R. 48.

Girnen, Kriegerfriedhof: Feldw. Leutn. Pawlas, Offz. Stellv. Schulze, Vizef. Richter, Uffz. Püschel, Rißmann, Teschke, Gefr. Kremser, Landwehrm. Melchert (Mehnert?), vom Landw. Inf. R. 48.

Schweizertal (Nestonkehmen), Ehrenteil auf dem Dorf friedhof: Gefr. Bahr, Bölk, Schneider, Landwehrm. Friedrich, Glücke, Franke, Jänsch, Neumann, Norwald, Strempel, Wolter, Zunke vom Landw.-Inf. R. 24; Landwehrm. Österreich (Ostreich?) vom Landw. Inf. R. 24.

Hochfließ (Augstupönen), Ehrenteil auf dem Dorffriedhof: Landwehrm. Gülsow (Gülzow?) vom Landw. Inf. R. 24; Res. Frenkel vom Feld-MG-Zug 8 (beim Landw. Inf. R. 24).

Gumbinnen, Kriegerfriedhof: Gefr. Berenstecher, Landwehrm. Burdach, Hose, Schrabback, Schwanneke, Zühlke vom Landw. Inf. R. 24; Landwehrm. Hermann, Michalsky, Philipp vom Landw. Inf. R. 48.

Als die im Ost- und Nordteil des Gumbinner Frontbogens eingesetzten Truppen zum Angriff antreten, ist hier der Feind bereits im Abmarsch begriffen. Für sie kommt es auf ostpreußischem Boden zu keiner ernsten Gefechtshandlung mehr.

Gumbinnen, Kriegerfriedhof (Nachtrag): Kanonier Nowosalka von der mob. Ers. A. Felda. R. 82; Gefr. Grigoleit, Landstm. Kannehl vom Landst.-Batl. Tilsit I; ... Muhsities (Muselies?) vom Landw. Inf. R. 4; ... Adler, Bialtey, Göhren, Lath, Poenigk, Schulze von unbekannten Truppenteilen; 3 unbekannte Deutsche; einige der 142 Russen.

Seit dem 10. Februar 1915 waren die deutschen Truppen bereits auf russischem Boden. Von den dortigen Kämpfen sind einige Soldatengräber in

Gumbinnen,  Kriegerfriedhof  (es  sind  auch  Verluste vom  Monat  März  aufgeführt): Gren. Schreiber vom Gren. R. 4; Gefr. Rohde vom Felda. R. 1; Gefr. Balamanzek vom Landw. Inf. R. 4; Uffz. Reinhardt vom Landw. Inf. R. 48; Landstm. Rothe vom Landst. Batl. Insterburg; Res Rasbach vom Inf. R. 17; Musk. Eichholz vom Inf. R. 166; Musk. Rohdi, Schulze vom Inf. R.  174; Kan. Deis vom Felda. R. 31; Res. Kiefer vom Res. Inf. R. 250; Res. Schmidt vom Res. Inf. R. 251; Res. Schnabel vom Res. Inf. R. 257; Musk. Bittwy vom Res. Inf. R. 258; Kriegsfreiw. Schiller vom Res. Inf. R. 260; Res. Klaas vom Res. Inf. R. 264; Gefr. Becker vom Res. Inf. R. 265; Kan. Pf ab von der 1. leichten Mun. Kol. Res. Felda. R. 62; Fahrer Meyer von der 5. Fußa. Mun. Kol. XXI. A. K.

Laut Verwaltungsbericht des Kreises Gumbinnen für 1928 sind im Kreisgebiet 4157 Krieger des Ersten Weltkrieges bestattet, und zwar: 2113 Deutsche, 2 Österreicher, 2 Rumänen, 2040 Russen und außerdem 19 durch Feindeshand getötete Zivilpersonen.

Quelle: "Gumbinnen" von Dr. Rudolf Grenz - Autor: nach Max Dehnen




Stadt und Kreis Gumbinnen nach der Befreiung im September 1914

nach „Königsberger Allgemeine Zeitung" vom 24. September 1914
 
Allmählich kehrt die Ordnung in allen ostpreußischen Städten, so auch in Gumbinnen, wieder ein. Auch manche Zeitungen, welche über zwei Wochen hindurch ihr Erscheinen eingestellt hatten, wie die „Preußisch-Litauische Zeitung" in Gumbinnen, und die Berichte unserer Mitarbeiter in der Provinz erscheinen wieder. Aus Gumbinnen, das durch das russische Eindringen stark gelitten hat, schreibt uns — in Ergänzung unserer bisherigen Mitteilungen — heute unser dortiger R.-Berichterstatter:

An Häusern sind, so weit wir bisher festgestellt haben, niedergebrannt diejenigen der Grundbesitzer Kaufmann Hubert, Friedrichstraße 5, Kaufmann Kiehl, Goldaper Straße 2  und Königstraße 27—29, Böttchermeister Bahrke, Königstraße Nr. 31, Kaufmannswitwe Kösling, Königstraße 35, Kaufmann Schulz, Königstraße 37/39 (das Grundstück der Witwe Rodominsky, das inmitten dieses Häuserblocks liegt, ist stehengeblieben), die Vereinigten Maschinenfabriken sind zur einen Hälfte vollständig niedergebrannt. Vor dem Königstor sind dann noch zwei Scheunen neben dem Dobrinerschen Holzplatz vom Feuer zerstört. Dem Gutsbesitzer Didt in Annahof wurden sämtliche Stallungen und Scheunen auf der linken Seite der Chaussee nach Darkehmen angesteckt und alles eingeäschert. Bös sieht es auch in der Wilhelmstraße und am dortigen Tore aus. Der Brandfackel sind dort zum Opfer gefallen die Gebäude Nr. 21 (Geschwister Kenkel), 23 (Witwe L. Böhme), 25 (Justizrat Schmidt), 27 (Schmiedemeister Schinz), ein Teil des gegenüberliegenden Schweingruberschen Grundstücks (Nr. 32), Nr. 44 (Bäckermeister Friedrich Rieder) und das Neßlingersche Wohnhaus an der Pillkaller Chaussee. Von dem Artillerie-Kasernement ist ein großes neues Mannschafts-, und auf der andern Seite ist ein Verheirateten-Gebäude vernichtet. Alle diese Gebäude sind gänzlich ausgebrannt. Auf der Flucht haben die Russen viele Schaufenster zertrümmert, die Waren vernichtet oder gestohlen und die Läden ausgeplündert. Wohl in den meisten Wohnungen haben die Russen alles Verschlossene erbrochen und fürchterliche Musterung gehalten. Was sie nicht gebrauchen konnten, ist in den Zimmern herumgestreut. Hauptsächlich ist es wohl auf Zigarren, Zigaretten, Eß- und Trinkvorräte, sowie auf Geld abgesehen gewesen, auch auf Wäschestücke, denn man findet häufig, daß auch Silberzeug nur ausgekramt und dann in die Stuben geworfen ist. Doch hat man in einzelnen Häusern auch kostbare Möbel und Betten mitgehen heißen; ja, es sind ganze Wagenladungen mitgeschleppt worden. An Geldschränken hat man sich auch versucht. Ein wüstes Chaos von Trümmern bietet die Norddeutsche Kreditanstalt; dort ist viel gesprengt und vernichtet, aber wohl wenig Mitnehmbares gefunden worden. Auch in der Regierungshauptkasse ist gesprengt worden. Trostlos sieht es in zahlreichen Läden aus, die nicht nur ausgeraubt, sondern in wüste Haufen verwandelt worden sind. Es wird erzählt, daß die Russen, die anfänglich hier waren, sich durchaus anständig betragen hatten, und ihre Bedürfnisse vielfach prompt bezahlt haben, aber diejenigen, welche nachher kamen, das war keine Elitetruppe. Von diesen sollen sich nicht nur Mannschaften, sondern auch Höhergestellte zahlreiche Eigentumsvergehen haben zuschulden kommen lassen. Sogar dem eingesetzten russischen Landrat wird in dieser Beziehung manches nachgesagt. Dabei war den Leuten das Räubern streng untersagt, und es sollen auch Bestrafungen erfolgt sein, wobei die Knute eine Rolle gespielt hat. Das Räubern geschah meistens zur Nachtzeit. Wo Bewohner in den Häusern geblieben sind, ist vielfach nichts vorgekommen. Schlimm ist es einer Anzahl Einwohner im Alter von 18 bis 50 Jahren ergangen, die aufgegriffen und von den Russen wegtransportiert worden sind. Über deren Schicksal ist bis zur Stunde nichts bekannt geworden. Es erscheint trotzdem unzweifelhaft, daß es besser gewesen wäre, wenn die Einwohnerschaft nicht in dem Maße geflüchtet wäre. Leute, die hier geblieben sind, behaupten, daß dann nicht so viel Schaden angerichtet worden wäre. Doch sprachen wir auch Leute, welche nicht ein zweites Mal sich den Aufregungen und Ängsten, die sie ausgestanden hätten, aussetzen würden. Den Hiergebliebenen wird die Schreckenszeit unauswischbar im Gedächtnis bleiben.

Was die Kriegsverwüstungen im Kreisgebiet betrifft, so schreibt uns unser Korrespondent:

Sehr gelitten haben die Ortschaften Schwiegsein, Warschiegen, Karczamupchen. Hier sind fast alle Gebäude abgebrannt. Brakupönen ist auch sehr beschädigt. Vom Remontedepot sind fast nur die Wohnhäuser stehen geblieben. Im Dorfe ist die Schule abgebrannt, ferner das Pawelsche Gasthaus, die Besitzungen Mentz, Schawaller, Steiner, Uszkurat, in Springen das Fetschsche Gasthaus und eine Anzahl Besitzungen. In Grünhaus sind ebenfalls viele Gebäude vernichtet, so die Wirtschaftsgebäude und die Mühle des Besitzers Sembach, ferner Gebäude der Grundbesitzer Pomm, Beister, Höfert, Führer, Bluhm, Tausendfreund, Paslat, in Grünweitschen die Windmühle, in Ribbinnen die Besitzung Karos, in Sodehnen die Besitzung de la Chaux und mehrere Wirtschaftsgebäude des Gutsbesitzers Meyhöfer, in Szurgupchen die Besitzungen Keßler und Krause, sowie das Loshaus des Besitzers Schupp, in Schmulken die Besitzungen Radtke, Meinekat, Seibel und Rau, in Budßedßen die Besitzungen Kühl, Krause, Peter, Perrey, Müller, Torner, in Nemmersdorf die Kirchschule, sowie Stall und Scheune des Schmiedemeisters Schübe, in Kissehlen die Gebäude des Gutsbesitzers Dyck, in Groß-Baitschen das Heftsche Gasthaus, die Besitzungen beider Urbschat, in Mingstimmen die Besitzungen Hagemeister, in Wannagupchen die Baumannsche Windmühle, in Szirgupönen das Vorwerk Werdein, in Klein-Baitschen drei Besitzungen, in Purpesseln Wirtschaftsgebäude, in Bumbeln sind auch einige Besitzungen niedergebrannt, ebenso ein Gehöft und das Gasthaus in Buylien. — Unversehrt sind nach bisheriger Feststellung die Gebäude geblieben in Augstupönen, Groß-Berschkurren, Klein-Berschkurren, Pötschkehmen, Gerwischkehmen, Bibehlen, Wallehlischken, Eßerningken, Kasenowsken, Keymeiswerder, Eßerischken, Krauleidßen, Samelucken, Perkallen, Kulligkehmen, Skardupönen, Wilkoschen, Alt-Grünwalde. Kampischkehmen, Sodeiken, Luschen, Rudupönen, Narpgallen, Walterkehmen, Gerwischken, Didßiddern.

Menschenleben haben die Russen auch nicht geschont; in Rudbardßen haben sie ohne Grund die Besitzer Naujekat und Luschat erschossen, in Schmulken den Besitzer Rau.

Quelle: "Gumbinnen" von Dr. Rudolf Grenz