Der Elch von Gumbinnen - das Wahrzeichen der Stadt


© Foto: Archiv KGG


100 Jahre und mehr


Der Elch in Gumbinnen war und ist immer noch das Wahrzeichen unserer Heimatstadt. Vor über einem Jahrhundert wurde er auf seinem Sockel feierlich enthüllt.
Bei meinen Recherchen stieß ich auf widersprüchliche Angaben darüber, wann genau der Elch der Öffentlichkeit übergeben wurde. So ist im Buch "Gumbinnen" von Rudolf Grenz, Seite 605, nachzulesen, dass dies am 24. September 1911 stattfand. In einem Beitrag unseres verstorbenen Landsmannes Erwin Heisrath ist nachzulesen, dass der Elch erst 1912 aufgestellt wurde. Dieser Beitrag stand auch schon im Jahre 2003 im Gumbinner Heimatbrief Nr. 103, Seite 68 ff. Eine mir vorliegende Grußkarte, auf der vorne eine Zeichnung von Ernst Zimmer zu sehen ist, enthält auf der Rückseite auch die Jahresangabe von 1912.

Auch im Gumbinner Heimatbrief Nr. 27 - 3/74 Dezember 1974 ist in einem Artikel von E. Meyer, in der Jagdzeitschrift "Die Pirsch" - November 1960 - auf der Seite 17 folgendes, von Vordermayer verfasst, nachzulesen: "Berlin, 4.4.12 - ....Ich habe es zwar noch nicht schriftlich, weiß es aber aus erster Quelle, daß die Landeskunstkommission meinen Elch für den Staat angekauft hat. Er soll wohl in Ostpreußen Aufstellung finden. ...." Noch im April soll er in Gumbinnen aufgestellt worden sein.

Auf Seite 18 vierter Absatz steht: "E-J. Meyer schließt seinen Artikel in "Die Pirsch" mit der Fußnote, "Die Bronce kam 1912 nach Gumbinnen. ...."

Ganz gleich, ob der Elch nun im September 1911 oder im Jahre 1912 auf seinem Sockel stehend enthüllt worden ist, diese Skulptur ist und bleibt das Erkennungssymbol unserer Heimatstadt Gumbinnen.

Wie es dazu kam, schildert Erwin Heisrath sehr ausführlich in seinem Artikel:
    "Auch heute noch gibt es wohl kaum einen Besucher der Stadt, der nicht den nun in einer Grünanlage an der Ecke Königstraße/Sodeiker Straße auf seinem Podest stehenden und mit gravitätischem Blick auf die Menschen herabblickenden Elch besucht. –  Eigentlich gehörte der Elch seit langem nicht mehr zu dem Stammwild des Gumbinner Raumes. Hier und da wurde er schon mal angetroffen, jedoch meist nur durchziehend. Aber in den Wäldern und Brüchen der Memelniederung war er keine Seltenheit. Dort stand auch „die Wiege“ unseres Gumbinner Elches.
Es war der Winter 1909/1910 mit besonders häufigem Wechsel zwischen starkem Frost und Tauwetter, als ein kräftiger Elch in den Brüchen bei Gilge, in der Nähe des Dorfes Tallweningken, Kreis Labiau „eingeschaktarbt"1) war. Er konnte wegen der instabilen Bodenverhältnisse nicht gut weiterziehen. Die in der Nähe lebenden Menschen legten ihm Futter aus. Er nahm die Fütterung gerne an und gewöhnte sich bald an die Menschen und ließ sie in seine Nähe kommen. Zu der Zeit hielt sich dort auch der in Oberbayern geborene und in Berlin lebende bekannte Bildhauer Ludwig Vordermayer auf, der die einmalige Gelegenheit wahrnahm, um sich dem Tier zu nähern und es als Modell zu skizzieren. So zog er jeden Morgen mit seiner Tonskizze zu dem Elch, der Kohlköpfe als Futter bekam. Dieser gewöhnte sich schnell an den Künstler und duldete bald eine Annäherung bis auf fünfzehn Schritte. Einem Elch in freier Wildbahn so nahe zu kommen war schon nicht alltäglich.
Ende März war Vordermayer mit seinem Entwurf, mit viel Mühen und größeren Trinkgeldern, wieder in Berlin, wo er einige Anzahl Fachleute zur Besichtigung einlud. Er zählte insgesamt 34 Herren, die sich seinen Entwurf ansahen. „Das war ein Gewirr von Meinungen,“ schrieb er, „aber im Grunde genommen gefiel die Arbeit sehr.“ Auch der bekannte Tiermaler Professor Richard Friese kam mehrmals in das Atelier und half Vordermeyer bei den Feinarbeiten. Besonders den Hals beanstandete er. Er sollte mächtiger werden, riet er. Als Vordermayer diesen Rat befolgt hatte, wirkte das Modell viel mächtiger und lebendiger. Über die spätere Verwendung des Elchmodells, welches in Bronze gegossen werden sollte, waren sich Vordermayer und andere maßgebende Personen nicht recht einig. Einige wollten, dass die Arbeit der Gegend verehrt wird, aus der der Elch stammte, andere wollten, dass eine überlebensgroße Figur, etwa in 1 ¼ Größe, entstehen sollte, um im Freien aufgestellt zur richtigen Geltung zu kommen. In der vergrößerten Ausführung ging das Modell dann an den Former. Bisher hatte das Modell noch kein Geweih. Vordermayer war der Meinung, dass ein so großes Standbild unbedingt Schaufeln haben müsste. Er besorgte sich daher einige geeignete Abgüsse als Vorlage, von denen er das uns bekannte Geweih auswählte. Als Professor Friese den Gips-Elch, der eine Schulterhöhe von 2,20 maß, sah, nannte er ihn „lebensgefährlich groß“. Er schrieb: „Er sah gut aus.. . .. Vordermayer ist sehr fleißig und ehrlich bei der Arbeit; er gibt sich höllisch viel Mühe, hat ja auch etwas erreicht.“
Im Juni 1910 transportierte Vordermayer seinen Gips-Elch noch einmal nach Tawellningken, um ihn dort soweit fertig zu stellen, dass mit dem Bronzeguss begonnen werden konnte. Im Oktober war das bearbeitete Modell wieder in Berlin. Der Guss konnte beginnen. Im Januar 1911 war der Guss beendet. Vordermayer stellte das Standbild zunächst in seinem Garten aus. Er hatte eine „Masse Besuch“, schreibt er. Alle wollten den Elch sehen. Aber ein Käufer wollte sich nicht finden.
Im September 1911 klagte Vordermayer in einem Brief: „Wenn dann aber einmal eine wirklich gelungene Arbeit (von den vielen weniger geglückten nicht zu reden) erworben werden soll, ist bei reichen Leuten und Gemeinden immer Geldmangel.
Im April 1912 hörte Vordermayer, ohne es jedoch offiziell zu bekommen, dass das Landeskunstmuseum Königsberg den Elch angekauft hat. Er solle wohl irgendwo in Ostpreußen Aufstellung finden.
Erst 1912 kam der Elch nach Gumbinnen. Er fand den schönsten Platz an der Pissa, direkt an der großen Brücke. Hier stand er auf seinem Sockel, den freien Magazinplatz hinter sich und blickte die Königstraße hinunter."



Di
e Entstehungsgeschichte des Gumbinner Elchs


In der in München erscheinenden Jagdzeitschrift „Die Pirsch" ist im November 1960 ein Briefwechsel des Kgl. Pr. Oberförsters, Hptm. d. R. des Garde-Jäger-Bataillons und Mitglieds des Pr. Abgeordnetenhauses, Ernst Meyer, mit dem Maler Prof. Richard Friese und dem Bildhauer Ludwig Vordermayer erschienen. E. Meyer war von 1904 bis zu seinem Tod Revierverwalter der Kgl. Pr. Oberförsterei Tawellningken. Er fiel am 23.11.1914 bei Lötzen. R. Friese ist in Gumbinnen geboren und war einer der bedeutendsten Jagdmaler zur Zeit Wilhelms II. Vordermayer stammte aus Oberbayern. Den Briefwechsel — mit zahlreichen Bildern — hat sein Sohn Ernst-Jürgen Meyer, Augsburg-Göggingen, veröffentlicht und dem Gumbinner Heimatbrief dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt. In den  Briefen  handelt sich vorwiegend um die Entstehung des Gumbinner Elchs. Hier einige Auszüge aus dem Briefwechsel:

E. Meyer                                                                                         Tawellningken, den 21. 1. 09

„.... Daß wir jetzt einen Bildhauer Vordermayer hier haben, weißt Du wohl. Er will einen Elch in Lebensgröße in Bronce schaffen und bleibt voraussichtlich fünf Monate hier. Ein Kolkrabe und ein Hahn in der Nationalgalerie in Berlin sind von ihm. Er ist Oberbayer von Geburt und ganz anders wie Friese, aber auch nett."


E. Meyer                                                                                         Tawellningken, 11. 1. 10

„.... Dazu dieses trostlose Wetter.  Meine Elche werden mir noch alle ersaufen. Dann braucht der Kaiser nicht zu kommen. Wir haben hohes Wasser wie im Frühjahr. Dabei sind die Wege grundlos. Der Strom ist noch zu. Das Eis kann aber jeden Tag gehen. An Holzeinschlag ist nicht zu denken. Es fehlt Streu und Heu für das Vieh. Nichts kann geholt werden. Vier Pferde stehen zum Vergnügen im Stall.
Vergnügt ist nur unser Bildhauer. Er ist eingeschaktarpt in Gilge. Das wäre nun sehr schlimm für ihn, wenn er nicht das Glück hätte, daß ein sehr starker Elchhirsch sein Leidensgenosse ist. Selbiger sitzt dort auch dicht am Dorf fest. So zieht denn der Bildhauer mit seiner Tonskizze jeden Morgen zum Elch, der Kohlköpfe zum Futter bekommt, und modelliert nach dem Leben auf drei bis fünfzehn Schritt Entfernung."


 R. Friese                                                                                           Berlin, 1. 2. 10

„. . . Die armen Elche, Rehe. Vorläufig haben Sie ja noch wenig Verluste zu verzeichnen; wenns nur so bleiben möge . . . Vordermayer hat Glück gehabt. „Was dem einen sin Uhl — ist dem andern sin Nachtigall". So nahe mit dem Elch zusammen zu sein, kommt nicht oft vor. Ich wünschte, ich wäre auch bei ihm, da könnte ich mir ein paar schöne Aufnahmen machen. Dazu kommt, daß keine Kälte ist, so daß er ganz gut draußen noch arbeiten kann, famos! — Na, ich werde ja sehen, was er nach Hause bringt."


L. Vordermayer                                                                                  Berlin, 7. 4. 10

.....Das Modell brachte ich mit vielen Mühen und größeren Trinkgeldern wohlbehalten nach Berlin, wo ich mich sofort an die nötigen Besuche und Einladungsschreiben machte. Nicht weniger als ca. 34 Herren waren im Laufe der vergangenen Woche in meinem Atelier. Das war ein Gewirr von Meinungen, aber im Grund genommen gefiel die Arbeit sehr. Auch Herr Landforstmeister Wrobel war da, um den Bildhauerelch zu besehen und sprach davon, daß der Kaiserliche Jagdausflug nach Tawellningken bereits auf Tag und Stunde ausgearbeitet und eingereicht, aber noch keine Antwort zurück sei. Dann kam Prof. Friese an zwei Vormittagen und arbeitete mit mir gemeinschaftlich drei volle Stunden in liebenswürdigster Weise. Seine Correctur hat meiner Arbeit sehr gut getan. Der von Ihnen beanstandete Hals ist mächtig geworden, überhaupt macht die Arbeit jetzt einen reiferen, mächtigeren Eindruck. Es ist mir, eingedenk Ihres guten Rates gelungen, den Herrn Professor für meine Arbeit zu gewinnen, obgleich er mir anfangs ähnlich mißtrauisch wie jenem Elbinger Maler gegenüberzustehen schien, welcher seinerzeit in Ihrer Forst Elchstudien machte. Ich freue mich, Ihnen seine besten Grüße sowie seine Zufriedenheit über die Elchstudie übermitteln zu dürfen. Eine Hauptsache war mir die Zufriedenheit meines Compagnons, welchen ich infolgedessen ohne viel Schwierigkeit davon überzeugen konnte, wie nötig es sei, die Arbeit groß in Marienbruch auszuführen. Er sprach unaufgefordert davon, ein Exemplar in Bronce der Gegend zu verehren, doch wäre es mir viel lieber, Ihnen persönlich dieses Geschenk machen zu dürfen. Aber alle Maßgebenden, darunter auch Prof. Breuer und Friese sind der Ansicht, ich müßte das Tier überlebensgroß, etwa 1 Y4 ausführen, um es im Freien zur richtigen Geltung zu bringen. Das wird ein Koloß von 2,20 m Risthöhe. Heute hat mir der Former die Arbeit unter den Händen weggenommen, um mich am Weiterarbeiten zu hindern. Jetzt geht die Sache ihren Gang, und ich bin zunächst frei; doch liegt Arbeit, unfruchtbare aber notwendige in Hülle vor.
Wenn ich nun den Elch vergrößern lasse, wäre es mir lieb, auch gleich die geeigneten Schaufeln aufsetzen zu können. Vielleicht haben Sie die Liebenswürdigkeit, mir dieselben für kurze Zeit zur Verfügung zu stellen, mir zugleich mitzuteilen, ob Sie auch einen oder mehrere Abgüsse derselben wünschen. Die Abgüsse werden absolut fest und vom Original nicht zu unterscheiden .. .
.. Im Laufe des April werde ich mein Boot noch persönlich die Spree aufwärts, dann die Oder abwärts nach Stettin bringen und dort auf einen Dampfer nach Marienbruch verladen."


R. Friese                                                                                             Berlin, 22. 5. 10 

„. . . Neulich habe ich mir den lebensgefährlich großen Elch von Vordermayer angesehen; er sah sehr gut aus, und kann die Sache gut werden. Sie werden staunen, wenn Sie ihn dort aufgebaut sehen werden. Hoffentlich kann er das Wild auch noch weiter gut beobachten, das ist eine große Hauptsache hierbei. Sehr spaßig muß aussehen, wenn er den Elch in dem Raum aufgebaut haben wird. (Auf Schienen zum Herausfahren). Vordermayer ist sehr fleißig und ehrlich bei der Arbeit; er gibt sich höllisch viel Mühe, hat ja auch etwas erreicht."


E. Meyer                                                                                             Tawellningken, 18. 6. 10 

„Mittwoch traf unser Bildhauer wieder ein und zwar mit einem 2,20 m in der Schulter hohen Gipselch, der hier fertig gearbeitet werden soll, um dann in Bronce gegossen zu werden. Miß mal ein Pferd nach, wieviel das Schulterhöhe hat."


 L. Vordermayer                                                                                    Berlin, 17. 10. 10 

". . . Den Elch, welcher verhältnismäßig gut hier angekommen ist, zeigte ich zunächst nur Herrn Prof. Friese und Prof. Breuer. Die Correctur der Herren war mir sehr wertvoll, leider konnte ich nicht alles Fehlerhafte ändern. Es würde zu weit geführt haben und fällt doch schließlich nur einem Kenner, wie Friese, auf. Heute wird mit den Vorbereitungen zum Guß begonnen, welcher in ca. fünf Wochen fertig sein wird. Ich bin neugierig darauf. Heute abend sind Herr Prof. Friese und ich bei Herrn Landforstmeister Wrobel zu Gast geladen, da wird wohl viel von Tawellningken gesprochen werden . . .".    


 L. Vordermayer                                                                                    Berlin, 21. 9. 11 

.....Man findet es selbstverständlich, daß der Künstler sein ganzes Können und Vermögen auf bedeutendere Werke verwendet. Wenn aber dann eine wirklich gelungene Arbeit (von den vielen weniger geglückten nicht zu reden) erworben werden soll, ist bei reichen Leuten und Gemeinden immer Geldmangel. So scheint es diesmal auch in Königsberg zu sein . . ."


 L. Vordermayer                                                                                   Berlin, 21. 12. 11 

„Wie ein schöner Traum war mir mein letzter Aufenthalt in der Niederung. Alles, was mir dort lieb und wert ist, hat er in glänzenden Farben wieder aufgefrischt. . . Nach all den Enttäuschungen des letzten Jahres habe ich jetzt so ziemlich mein körperliches und seelisches Gleichgewicht wiedergefunden. . . . Das ist es, was besonders das Künstlerleben zu einem ewig unzufriedenen macht, denn keiner erreicht sein Ziel und darf es erreichen ..."


L. Vordermayer                                                                                    Berlin, 4. 4. 12 

..... Ich habe es zwar noch nicht schriftlich, weiß es aber aus erster Quelle, daß die Landeskunstkommission meinen Elch für den Staat angekauft hat. Er soll wohl in Ostreußen Aufstellung finden.
Ich habe jetzt gut verdient und kann wieder an eine Studienarbeit denken. Es soll eine Tierstudie werden. Etwa ein Stier, Hirsch oder Elch. Doch darüber wollen wir hoffentlich bald persönlich sprechen." . . .


Zum besseren Verständnis der zitierten Briefauszüge sind vielleicht einige kleine Hinweise von Wert:

Tawellningken liegt am nördlichen Mündungsarm der Memel, der Ruß. Die Oberförsterei war Hofjagdrevier des Kaisers, der erstmals im Jahr 1904 in der dazugehörigen Försterei Pait gejagt hatte.
Schacktarp ist die Zeit des ersten Tauwetters nach starkem Frost. Das Eis trug an den Flußrändern nicht mehr; der Erdboden war aufgeweicht, hohes Wasser überschwemmte das niedrige Land. Wenn es nachts wiederholt fror, konnte der Schaktarp wochenlang dauern.
Marienbruch liegt an der Gilge. Dort hatte Vordermayer sein provisorisches Atelier, in dem er den Elch aus Gips zu modellieren begann.
E.-J. Meyer schließt seinen Artikel in „Die Pirsch" mit der Fußnote: „Die Bronce kam 1912 nach Gumbinnen. Ihr folgte eine in Haltung und Behandlung der Decke wesentlich geänderte Elchplastik, die in Tilsit ihren Platz fand, über den Verbleib beider Standbilder ist nichts Genaues bekannt." 

In dem Brief, mit dem Herr E.-J.  Meyer uns diese Entstehungsgeschichte übersandte, fragt er zum Schluß: „Wer weiß etwas über das spätere Schicksal unseres Elchs?" 

Anmerkung der Schriftleitung hierzu: 

Im „Ostpreußenblatt" Mai 1954 erschien ein Bild von mehreren jungen Deutschen, das vor einem Elchstandbild in Königsberg aufgenommen ist. Dieses Standbild ist einwandfrei der Gumbinner Elch, der laut dieser Nachricht im Königsberger Tiergarten steht. Ebenso befindet sich auch der Tilsiter Elch jetzt in Königsberg. Auf der Suche nach unserem Gumbinner Elch stießen wir auf eine Abbildung eines Elchstandbildes in einem Parkgelände in Königsberg, bei dem die Kopfhaltung etwas anders als bei unserem Elch ist. Offenbar handelt es sich also bei diesem Elch um den Tilsiter, da es weitere Elchstandbilder nirgends gab.


       


Der Gumbinner Elch in Weiß – Entstehungsmodell aus Gips, das V. 1910 in Marienbruch bei Tawellningken am Rußstrom, dem nördlichsten Mündungsarm der Memel, geschaffen hat.

© Fotos: Archiv KGG



Kleine Bronzestatue des Gumbinner Elchs von Ludwig Vordermayer


Durch einen glücklichen Umstand wurde die Kreisgemeinschaft Gumbinnen Eigentümer einer kleinen Elch-Statue, von es nur wenige Ausführungen geben soll. Recherchen ergaben, dass eine weitere Statue versteigert wurde und einen nicht unerheblichen Preis erzielte. 

Zur Geschichte: Bevor 1912 das überlebensgroße Elchstandbild auf dem Gumbinner Magazinplatz enthüllt wurde hatte der Bildhauer Professor Ludwig Vordermayer zunächst ein kleines Tonmodell (s. oben) nach einem Elch bei Marienbruch an der Gilge angefertigt, der dort im Januar 1910 während des berüchtigten Schaktarps dicht beim Dorf unbeweglich „festsaß". Nach diesem Tonmodell wurde über eine Vergrößerung in Gips der Gumbinner Elch dann in Bronze gegossen. Aber es diente auch zur Schaffung von kleinen Statuen in Original-Modellgröße.

Eine solche Elchstatue mit dem Signum „L. Vordermayer" wurde "uns unter großem Beifall der Anwesenden bei der Zusammenkunft der ehemaligen Friedrichsschüler und Cecilienschülerinnen am 2. November 1984 in Hamburg von Dr. Friedrich von Gisycki als Geschenk für das Gumbinner Archiv überreicht". So die Schilderung des Vorstands er "Ehemaligen".

Der kleine Abguss 118 x 80 mm (Fußplatte) und 230 mm hoch, ist vom Bildhauer Ludwig Vordermayer auf der Fußplatte hinter dem linken Hinterlauf signiert und auf einer geschliffenen Granitplatte (190 x 85 x 20 mm) aufgeschraubt.

Was geschah mit den kleinen Modellen: Die Gumbinner Regierung hatte dem Vernehmen nach fünf solcher kleinen Elch-Abgüsse erworben, um sie gelegentlich als Abschiedsgeschenke an verdiente Reg.-Beamte zu verleihen. Diesen Abguss erhielt 1924 (?) Reg.-Dir. von Gysitzki.  


 

    © Fotos: H. Deutschmann



Was geschah mit dem Gumbinner Elch nach dem Zweiten Weltkrieg?


Nach dem 2. Weltkrieg stand der große Elch zunächst im Tiergarten von Kaliningrad / Königsberg, wurde aber 1991 wieder in Gusev / Gumbinnen, diesmal auf der früheren Königstraße, neben dem Kino Mir, in einer kleinen parkähnlichen Anlage aufgestellt.

Vier Jahrzehnte war es demnach unserem Elch dann vergönnt, an der ihm angestammten Stelle auf seinem Sockel zu thronen. Erwin Heisrath schreibt dann weiter:
    "Es dauerte nicht mehr lange, bis der erste vernichtende Bombenangriff große Teile der Stadt in Schutt und Asche legte, den Elch aber unversehrt lies. Bald beherrschte nur noch Militär das Stadtbild. Auch ständiger Beschuss ließen den Elch nicht wanken. Dann wechselten die Uniformen, die Fahnen und die Sprachen. Von einem Rundgang durch Gumbinnen im Jahre 1948 berichtete ein Landsmann, dass der Elch immer noch stolz und gelassen von seinem Sockel blickt. Wie früher unternehmungslustige Gumbinner, so machten jetzt russische Offiziere Reitübungen auf dem bronzenen Rücken. Das Standbild hatte, bis auf einige Kugeleinbeulungen in seinem Fell, das Inferno des Krieges gut überstanden.
    Dann musste der Elch seinen schönen Platz an der Pissa aufgeben. An dieser Stelle wurden 1953 die sterblich Überreste des „Helden der Sowjetunion“ Sergej Iwanowitsch Gusev beigesetzt und ein kubistischer Sockel mit seiner Büste errichtet.
    Der Elch wurde nach Königsberg gebracht. Im Mai 1954 erschien im Ostpreußenblatt ein Foto, das vor einem Elchstandbild im Tiergarten in Königsberg aufgenommen war. Es sollte sich zweifelsfrei um den Gumbinner Elch gehandelt haben. So stand er jahrzehntelang dort etwas versteckt in der Nähe des Eingangs.
    Nachdem sich die politischen Verhältnisse grundlegend geändert hatten und die ersten ehemaligen Gumbinner mit den Gusevern, den russischen neuen Gumbinnern, Verbindung aufgenommen hatten, besann man sich in Gusev wieder auf den Elch. In zähen Verhandlungen gelang es, das Standbild wieder nach Gumbinnen zurück zu bringen. Im Januar 1991 war der Gumbinner Elch wieder in Gumbinnen. Da sein alter Platz inzwischen besetzt war, fand man einen neuen. In einer neuen Grünanlage, an der Ecke Königstraße/Sodeiker Straße wurde dem Gumbinnen-Rückkehrer ein neuer schöner Platz zugeteilt. Bei der Grundsteinlegung wurde nach russischer Sitte im Sockel eine Kopeke eingefügt, die sowohl dem Standbild als auch den freundschaftlichen Beziehungen zur Kreisgemeinschaft Gumbinnen Glück bringen soll.  Am 23. Mai 1991, dem erstmals in Gusev gefeierten „Tag der Stadt“, wurde das Standbild an seinem neuen Platz feierlich eingeweiht. Auf seinem am Pissaufer wiedergefundenen Sockel stehend, kann der Gumbinner Elch seitdem wieder auf seine Gumbinner blicken – auf die alten und auf die neuen."    

© Fotos: Archiv KGG


 
Der Elch steht wieder in Gusev / Gumbinnen


Die Bürger von Gusev haben ihn schon gleich nach seiner Wiederkehr in ihr Herz geschlossen und sie sind Stolz darauf, dass er wieder nach Gusev / Gumbinnen, in seine alte Heimat zurückgekehrt ist.


 

© Fotos: Gerhard D. Thies, Archiv KGG


Mittlerweile bekam der Sockel unterhalb unseres Elches eine Steineinfassung und der Platz um ihn herum wurde gepflastert und mit Bäumen und Rasen parkähnlich gestaltet, so dass er in dieser Anlage auch wieder so richtig zur Geltung kommt.


 © Foto: Gerhard D. Thies


Text: Horst Deutschmann - Fotos: Archiv KGG, Gerhard-D. Thies