Übersicht – Quelle: Gumbinnen von Dr. Grenz

Altlinden

Kirchspiel Branden (Ischdaggen). Amtsbezirk und Standesamtsbezirk Branden (Ischdaggen). E.: 60. GH.: 750,-RM. G.: 207 ha. –

Eingeschult nach Branden (Ischdaggen), wo eine zweiklassige Schule bestand. –

1937: Bürgermeister Bauer Otto Norkus. –

Post: Schlappacken über Gumbinnen (14 km). –

Landwirte: August Jux, Gustav Kindermann. –

Bauern: Franz Karschuck, Fritz Niklaus, Fritz Norkus, Otto Norkus, Franz Riek, Franz Schaudin.

Handwerker: Schneiderin Marta Jodwirschat. –

Kutscher : Paul Broßat. –

Wirtschaftsgehilfe: Willi Kutscher. –

Deputant Walter Schellwies. –

Arbeiter: Ferdinand Basner, Franz Norkus, Friedrich Riedel, Kar! Riedel. –

Sozialstatus : 2 Altsitzer, 2 Altsitzerinnen, 1 Kriegsrentner, 1 Witwe. – Maria Bischoff und Maria Wenger ohne Beruf. –

1925: 8 Besitzer (darunter Gemeindevorsteher Otto Norkus), 1 Schmied Fritz Kindermann. –

Der letzte Amtsbezirksvorsteher (Amtsvorsteher) Fritz Niklaus gibt folgende Beschreibung des Ortes:

„Erstmalige urkundliche Erwähnung des Ortes um 1600 mit dem Doppelnamen Petruckschen-Jodszleidszen.

Bei der Pest 1709/10 völlig ausgestorben. Bei späterer Neubesiedlung keine Salzburger, sondern hauptsächlich Litauer angesetzt.

Nur 2 deutsche Bauern: Erdmann Esch und Christov Esch. Die andern Bauern hießen Petraties, Adomaties, Norkuses, Podzunes und Karschuck. Außerdem waren noch 7 Eigenkätnerstellen vorhanden.

Noch bis nach dem Ersten Weltkrieg hieß das Dorf Jodszleidszen, aber in jedem amtlichen Adreßbuch war hinter dem Ortsnamen noch in Klammern Petruckschen vermerkt. An der Größe der Gemeinde hat sich im Laufe der Jahrhunderte wenig geändert, lediglich 1893 wurde das Podzunische Grundstück in Größe von 170 Morgen vom Gut Uszupönen angekauft.

Die Gemeinde hatte zu 70 Prozent sehr schweren, aber guten Boden, nur 30 Prozent waren etwas leichter, aber auch guter Boden.

Im Ersten Weltkrieg wurden 2 Bauern von den Russen verschleppt. Dem Bauern Friedrich Schaudin glückte noch die Flucht aus der Gegend von Kowno, dagegen der Bauer Niklaus, der Vater des Berichterstatters, ist nie zurückgekehrt.

Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges waren die Eigenkätnerstellen bis auf 2 bereits verschwunden, so daß wieder 7 Bauernstellen bestanden: 1. Franz Karschuck 22,19 ha. 2. Gustav Kindermann 7,25 ha. 3. Fritz Niklaus 23,83 ha. 4. Otto Norkus 42,52 ha. 5. Fritz Norkus 30,75 ha. 6. Franz Riek 47,52 ha. 7. Franz Schaudin 10,05 ha.

Nach dem russischen Vorstoß auf Nemmersdorf am 20.10.1944 verließen die Einwohner von Altlinden in einem Treck um 14 Uhr ihren Heimatort. Während des Abfahrens schossen 3 deutsche Batterien, die hinter dem Dorf in Stellung gegangen waren, auf die durchgebrochenen Russen. Der Ortsbauernführer Niklaus war Treckführer, der den Treck nach dem Räumungsplan nach Groß-Schönau, Kr. Gerdauen, leitete. Nach 2 1/2 Tagen wurde der Bestimmungsort trotz Verstopfung der Straßen erreicht.

Die Gemeinde Altlinden hatte keinen Räumungsbefehl erhalten, da der zuständige Ortsgruppenleiter Lehrer Alfred Schwermer Kanthausen am 21.10. um 11 Uhr fluchtartig verlassen hatte, ohne den Treckbefehl auszustellen.

Am 28.10. erhielt die Gemeinde in ihrem Aufnahmeort erneut einen Marschbefehl. Diesmal sollte der gesamte Kreis Gerdauen evakuiert werden, und die Trecks wurden ortsgruppenweise zusammengestellt. Die Ortsgruppe Branden zog als letzte los, und so ging Altlinden am 01.11.1944 auf die Fahrt. Am 07.11.1944 wurde der Einweisungsort Peterswalde, Kr. Osterode, erreicht, wo man bis zum 21.01.1945 sein Obdach hatte.

Die volkssturmfähigen Männer mußten zurück in den Kreis Gumbinnen, einige kamen zur Einsatztruppe, die anderen zu einem Druschkommando, das unter Leitung von Niklaus die Aufgabe hatte, die Getreideernte der Dörfer Altlinden, Krausenbrück, Hohenwerder, Kaimelau und Branden auszudreschen. Standort war Altlinden, wo Niklaus dann noch bis zum 18.01.1945 auf seinem Hofe verbleiben konnte.

Am 17.01.1945 erteilte dort der letzte Kreisbauernführer Fritz Feller den Befehl, mit einigen Treckern und Gummiwagen nach dem Kreise Osterode zu fahren und die Gemeinde weiter zu evakuieren. Als Niklaus in Peterswalde eintraf, war auch dort schon der Räumungsbefehl gegeben.

War es möglich gewesen, den Treck bis nach Peterswalde zusammenzuhalten, so war das von Peterswalde bis Osterode nicht mehr möglich. In Osterode war der ganze Treck auseinandergerissen. Niklaus schickte einige Frauen und Kinder mit einem Omnibus weg, der nach Marienburg fahren sollte, die andern Leute fielen fast alle den Russen in die Hände; viele wurden von den Russen ermordet, Frauen und Mädchen vergewaltigt.

Altlinden ist bei den Kampfhandlungen im Januar 1945 fast ganz abgebrannt, bis auf die Höfe Niklaus und Schaudin, die 1948 noch unbeschädigt standen.“ –

In einer anderen Aufstellung nennt Niklaus noch die Namen der beiden Eigenkätner:

„August Jux 0,75 ha und Franz Norkus 1,00 ha.

Das Dorf lag an der Angerapp, ca. 40 m höher als der Fluß.

Am Straßenrand an der Flußseite standen 16 uralte Lindenbäume, die unter Naturschutz standen. Von diesen alten Linden erhielt der Ort seinen letzten Namen.

Auf den Scheunendächern gab es 5 Storchennester.

Da A. an das Tarpuppmoor angrenzte, war eine ideale Jagd vorhanden. Sehr viele Böcke, Hasen und Rebhühner wurden erlegt. Der letzte Jagdpächter war der letzte Kreisjägermeister Arnold Hahn.

In Dorfmitte stand gegenüber der Dorftafel ein Küwenschauer mit 3 Küwen. Im Brandfall mußten die Bauern die Küwen bespannen und Wasser fahren. Nach Polizeivorschrift mußte außerdem in jedem Hause ein lederner Löscheimer bereitstehen.“


Daten
(Quelle: Arbeitsbriefe von Erwin Heisrath)1564 Erste Erwähnung des Ortes.
um 1600 Erste urkundliche Erwähnung des Ortes mit dem Doppelnamen Petruckschen-Jodszleidszen.1709-1710 Das Dorf stirbt durch die Pest völlig aus.1893 Das Podszunische Grundstück in Größe von 170 Morgen wird vom Gut Uszupönen angekauft.26.03.1936 Der Ortsname Jodschleidschen wird in Altlinden geändert.
20.10.1944 Gegen 14 Uhr treten die Einwohner des Dorfes die Flucht an.
28.10.1944 Die in Groß-Schönau, Kr. Gerdauen untergekommenen Einwohner des Dorfes Altlinden erhalten den Marschbefehl zur Fortsetzung der Flucht.
07.11.1944 Der Fluchttreck des Dorfes Altlinden erreicht den neuen Aufnahmeort Peterswalde Kr. Osterode.
21.01.1945 Die in Peterswalde Kr. Osterode einquartierten Altlindener setzen die Flucht fort.

Einwohner

Nach Angaben für 1818 76
Nach Angaben für 1869 101
Am 02.12.1895 86, davon 41 männliche
Am 16.06.1925 74, davon 36 männliche
Nach Angaben für 1937 80
Am 17.05.1939 60, davon 28 männliche