Übersicht – Quelle: Gumbinnen von Dr. Grenz

Branden

(Ischdaggen): Kirchspiel Branden (Ischdaggen). Amtsbezirk und Standesamtsbezirk Branden (Ischdaggen). – E.: 227. GH.: 940.- RM. G.: 309 ha. –

Zweiklassige (lt. OF) Volksschule, vor 1914 erbaut. Am 16.12.1897 starb Präzentor Hugo Hoffmann im Alter von 50 Jahren (lt. LZ). 1899/1900, und auch noch im Jahre 1909 (lt. Verw.-Ber.) war Präzentor Genee im Amt. Die Errichtung einer 2. Schulklasse und die Erwerbung eines Bauplatzes waren am 02.10.1899 (lt. Verw.-Ber. 1899/1900) beschlossen worden. Im Jahre 1904 konnte die 2. Schulstelle eingerichtet werden (Verw.-Ber. 1904), und für 1909 war ein Erweiterungsbau des Kirchschulhauses geplant (Verw.-Ber. 1909; leider fehlt der von 1910!). 1925 waren Lehrer Erich Dillo und Lehrer Wilhelm Mengel im Amt, 1937 Lehrer und Präzentor Gustav Grigull und technische Lehrerin Betty Rosenfeldt. Präzentor Grigull lt. OF bis zur Vertreibung im Amt. –
1937: Bürgermeister Bauer Franz Norkus, lt.OF bis zur Vertreibung im Amt. –
Post: Ischdaggen (Kr. Gumbinnen) über Gumbinnen (11 km). –
Pfarrer Kurt Kohn.
Molkereibesitzer Fritz Berger. –
Landwirte: Heinrich Ritter, Ernst Sinhuber, Herrn Ußkurat (Landwirt und Müller). –
Bauern: Hans Haisel, Franz Metzler, Franz Norkus, Franz Schweiger. –
Andere Berufe: Milchkontrollassistent Fritz Baumgart, Hebamme Ludwilla Beck, Gehilfe Ernst Gassner, Posthelfer Erich Kaunat, Trichinenschauer Franz Kuster, Kaufmann Karl Perlbach, Melker Ewald Renkwitz, Hausbesitzer Carl Rumpf, Melker Heinrich Schötzke, Glöckner Friedrich Steffner (auch 1925 schon im Amt!), Melker Franz Voutta. –
Molkereiverwalter Franz Züger. –
Handwerker: Müllergeselle Fritz Frank, Schuhmacher Franz Grajetzki, Fleischermeister Karl Kaunat, Schmiedegeselle Bruno Marquardt, Schmiedemeister Gustav Marquardt, Müllergeselle Alfred Ußkurat, Müller und Landwirt Hermann Ußkurat, Fleischer Hans Wegner, Schneider Fritz Zimmermann, Schmiedemeister Gustav Zimmermann. –
Deputanten: Richard Hinz, Fritz Hirsch, Erich Kibgies, Karl König, Otto Krämer, Paul Pillokat, Otto Warskulat. –
Arbeiter: Richard Bartel, Albert Bartoleit, Ernst Bernecker, Otto Bernecker, Fritz Kielhorn (Bauarbeiter), August Schellwat, Franz Schweingruber, Otto Stagat, Emil Weikam, Kurt Wenghöfer. –
Sozialstatus: 3 Rentenempfänger, 3 Rentenempfängerinnen, 2 Altsitzer, 1 Altsitzerin, 4 Witwen, 1 Pensionär – Louise Arndt (ohne Beruf), Ernst Ritter (ohne Beruf). –
1925: Gutsbesitzer: Ernst Sinnhuber, Emil Haisel und Franz Schweiger. Gemeindevorsteher August Fouquet, Besitzer Friedrich Adomscheit, Pfarrer Heinrich Borowski, 2 Lehrer, 1 Glöckner, 1 Mühlenbesitzer (Herm. Uszkurat), 1 Meiereibesitzer (Fritz Berger), 2 Schmiede, 1 Schneider, 1 Schuhmacher, 1 Fleischer, 1 Gastwirt (Walter Bundt, gleichzeitig Kaufmann), 1 Postagent, 1 Oberpostschaffner, 1 Postbote. Amtsbezirksvorsteher (Amtsvorsteher)
Fritz Niklaus berichtet über die Gemeinde Branden (Ischdaggen):
Branden war ein Kirchdorf. Hier waren Bauern wohl in der Mehrzahl, aber es gab auch Gewerbetreibende: 1 Kaufmann, 1 Molkerei, 1 Mühle und 2 Schmieden. Der Boden war zum Teil sehr gut.
Die Eigentümer waren zuletzt: Fritz Goebel 0,27 ha. Schuhmacher Franz Grajetzki 0,50 ha. Präzentor Gustav Grigull 3,25 ha. Elisabeth Günther 1,03 ha. Fleischermeister Karl Kaunat 0,19 ha. Briefträger Franz Kuster 1,00 ha. Bruno Marquardt 0,25 ha. Franz Metzler 19,85 ha. Kaufmann Karl Perlbach 1,70 ha. Emil Ritter 3,50 ha. Franz Schweiger 70,00 ha. Mühlenbesitzer Alfred Uszkorat 3,50 ha. Molkereibesitzerin Berta Berger 3,50 ha. Hans Haisel 108,00 ha. Franz Norkus 23,00 ha. Ernst Sinnhuber 145,00 ha. Schule 2 ha. Kirche 57 ha. Fleischermeister Fritz Bucks 0,50 ha. –
Das Dorf lag 60 m über dem Meeresspiegel und war der kulturelle Mittelpunkt für die umliegenden Dörfer. Kaufmann Karl Perlbach hatte einen großen Saal. Hier hielten die Vereine ihre Feste und Versammlungen. An Vereinen gab es den „Landwirtschaftlichen Verein“ , den Kriegerverein, später den „Stahlhelm“, den Luisenbund und zuletzt die Ortsgruppe der NSDAP.
Vor dem Kirchenplatz stand ein Kriegerdenkmal. Hier waren alle Gefallenen des Krieges 1914-18 und von 1870-71 namentlich verzeichnet.
Die Kirche war sehr groß und geräumig, 1807 abgebrannt und wieder aufgebaut. Die ganze Kirche war unterkellert und als Gruft eingerichtet. Hier wurden die wohlhabenden Leute beigesetzt, aber sie mußten im Kirchspiel wohnhaft gewesen sein.
Etwa im Jahre 1934 liegt die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr. Amtsvorsteher Niklaus ließ hier ein Feuerwehrhaus bauen und die Feuerwehr mit Auto und Motorspritze ausrüsten. Vorher war nur eine alte Handdruckspritze vorhanden. –
Schließlich bestand in Branden auch ein Sportverein. Auf dem Kirchenland war ein schöner Sportplatz angelegt. Hier trug man Fußballspiele und andere Sportwettkämpfe aus.
Branden hatte eine zweiklassige Schule. Hierher waren die Kinder aus den Dörfern Altlinden, Krausenbrück und Mittenfelde eingeschult. –
Im Zweiten Weltkrieg waren mindestens 5 Gefallene zu beklagen. –
Im Archiv der Kreisgemeinschaft Gumbinnen ein Ortsfragebogen von 1966 mit Ortsskizze und Eintragung der Anwesen und ihrer Eigentümer.
Unweit des Pfarrhauses gab es danach auch ein Pfarrwitwenhaus. Das Pfarrhaus lag der Kirche gegenüber, um die Kirche herum der Friedhof. Pfarrer Kohn ist im Zweiten Weltkrieg gefallen, Lehrer Grigull verstorben. Bis zur Vertreibung bestand Gastwirtschaft und Kaufladen von Karl Perlbach; ferner 2 Schmieden (Gustav Zimmermann und Bruno Markwardt), 1 Schlachterei (Fritz Buks), 1 Meierei (Fritz Berger), 3 Güter und 2 Bauernhöfe, 1 Mühle (Uschkurat).
Der Ort lag an der Buslinie Insterburg-Gumbinnen. Der nächste Bahnhof lag in Judtschen (Kanthausen). Die Reichsstraße 1 führte durch das Dorf, an Kirche und Pfarrhaus vorbei. Die Schule lag auf der gleichen Straßenseite wie die Kirche, war ostwärts aber durch das Grundstück Haisel von der Kirche getrennt. Die Molkerei lag schräg gegenüber der Schule.

Daten
(Quelle: Arbeitsbriefe von Erwin Heisrath)

1590 Erste Erwähnung des Ortes, als zum Kirchspiel Nemmersdorf gehörend.

1618 Gründung der Kirche in Ischdaggen.
12.01.1630 Privilegierung eines Kruges für Daniel Surckau zu Ischdaggen.
1630 Für Leutnant Hencke wird in Ischdaggen ein Krug gewidmet. Es wird mit dem Bau einer Kirche begonnen.
1633 Fertigstellung der ersten evangelisch-lutherischen Kirche in rechteckiger Form als Filia zu Nemmersdorf, Einsatz eines Predigers und Gründung des Kirchspiels.
1640 Für Heinrich Schwartz wird in Ischdaggen ein Krug gewidmet.
1646 Für Leutnant Hencke wird in Ischdaggen erneut ein Krug gewidmet
1647 Die bisher als Filia zu Nemmersdorf gehörende evangelische Kirche wird von Nemmersdorf abgetrennt.

1737 Gründung der Schule in Ischdaggen und Bau einer neuen Kirche, anstelle der durch Blitzschlag zerstörten alten. Der Neubau erhält einen halbrunden Choranbau. Die alte Kanzel und der Altar aus der ersten Erbauungszeit werden zum Kanzelaltar vereinigt.

1802 Herstellung des Altarschranks in der Kirche.
1807 Die Kirche wird durch einen Brand zerstört.
1833 Durch Papendik wird in der Kirche eine Orgel erbaut.
Juni 1854 Visitation der Kirche und der Schulen des Kirchspiels im Rahmen der Generalvisitation der Diözese Gumbinnen.
1874 In der Kirche wird der Gottesdienst in litauischer Sprache eingestellt. Es wird nur noch deutsch gepredigt.
21.05.1887 Visitation der Kirche und der Schulen des Kirchspiels im Rahmen der Generalkirchenvisitation der Diözese Gumbinnen.

außerdem im Jahre

1887 In Ischdaggen wird eine Posthilfsstelle eröffnet.
02.10.1899 Es wird beschlossen, einen Bauplatz für den Schulneubau zu erwerben und in der Schule eine zweite Klasse einzurichten.

1901 Die Posthilfsstelle wird in eine Postagentur umgewandelt.
1904 In der Schule wird eine zweite Lehrerstelle eingerichtet.
1909 Es wird ein Erweiterungsbau des Kirchschulhauses geplant.
12.01.1630 Privilegierung des Kruges des Daniel Surckau zu Ischdaggen.
09.09.1930 Visitation der Kirche im Rahmen der letzten Generalkirchenvisitation im Kirchenkreis Gumbinnen.
um 1934 Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr.
16.07.1938 Änderung des Ortsnamens Ischdaggen in Branden.
01.04.1939 Die Postagentur wird in eine Poststelle II umgewandelt.

Diözese
Nach letzten Angaben Gumbinnen
Superintendent
Nach Angaben für 1810-1824 Karl Gotthard Keber
Nach Angaben für 1826 Justus Zippel
Nach letzten Angaben Konrad Klatt

Domänenamt siehe Amtsbezirk
Nach Angaben für 1818 128
Nach Angaben für 1869 186
Am 02.12.1895 226, davon 105 männliche
Nach Angaben für 1912 234
Am 16.06.1925 205, davon 106 männliche
Nach Angaben für 1937 189
Am 17.05.1939 227, davon 123 männliche

Einwohner
Nach Angaben für 1818 128
Nach Angaben für 1869 186
Nach Angaben für 1895 226
Nach Angaben für 1925 205
Nach Angaben für 1939 227


Nachfolgend eine Beschreibung der Kirche aus dem Jahre 1890

Ißdaggen / Ischdaggen / ab 1938 Branden
ist ein königliches Bauerndorf, 10 km westlich von Gumbinnen.

Ißdaggen kommt voraussichtlich von ißdagge = ausbrennen her. Die ersten Ansiedler haben den hier stehenden Wald ausgebrannt. Der Name in Litauen häufig.
Die erste ev. Pfarrkirche wurde 1633 von Insterburg aus erbaut. Die Kirche soll früher weiter nördlich und dem Dorfe näher gestanden haben. George Beyer war der erste Pfr. hier; Ißdaggen gehörte damals als Filia* zu Nemmersdorf, von dem es 1647 losgetrennt wurde.
Die jetzige Kirche ist 1737 erbaut; Patron ist der König. Sie ist 34,5 m lang, 15,2 m breit und hat einen halbkreisförmigen Chor. Im Norden ist die Sakristei halbkreisförmig angebaut, neben welcher eine Vorhalle sich befindet. Die Westwand, worin ein vermauerter Eingang, ist stärker als die übrigen Wände.
Einen Turm besitzt die Kirche nicht. Die Fundamente aus Feldsteinen, das aufgehende Mauerwerk aus geputzten Ziegeln. Rundbogenfenster.
Das Innere zeigt eine flache Holzdecke.
Altar und der Kanzel vereint. Zwischen zwei korinthischen Säulen und zwei Pilaster, vor und neben denen vier bärtige Gestalten (Moses und Aron?) stehen, erhebt sich die Kanzel mit gewundenen, korinthischen Säulchen an den Ecken, die plastischen Gestalten des Erlösers, Johannes und Lukas in den drei Feldern. Im zweiten Geschoß dieselbe Architektur. Schalldeckel mit Putten; in der Mitte ein Wappen mit drei Eicheln, ein springender Hund oder Hirsch auf dem Helm. Seine Krönung bildet der Erlöser. Dahinter ein Aufbau: Gott Vater mit der Weltkugel, links und rechts zwei Gestalten mit Gesetzestafeln (der rechts Markus?). In der Mitte durchbrochen; davor das Lamm mit dem Kreuze.
Kanzeltreppe mit vier Apostelgestalten. Thür dazu mit gewundenen, korinthischen Säulen, ornamentiertem Fries. Krönung: in der Mitte in Engel mit Fisch (Tobias?); links weibliche Gestalt mit Säule; rechts weibliche Gestalt, alles Holzschnitzerei. – Der Altar hat reiche Ornamentik; Ende der Barockzeit. – Altarschranke von 1802.
Zwei Altarleuchter, 58 cm hoch, beide mit der Inschrift: Gott zu Ehren und der Ischdaggischen Kirche zur Zierde geschenkt. Christian Arnolt 1682. Mit dem Labarum darunter.
Zinnerne Weinkanne: Heinrich Christian Schulemann. Anna Maria Frankin 1744.
An der Orgel befindet sich eine Bretterbekleidung mit der Inschrift: Herr Christoph Berent, Kurfst. Land-Kommissarius haben Gott zu Ehren Anno  ……. Ob diese Inschrift zu der (von Papendik 1833 gebauten) Orgel gehört, ist fraglich.
Ein Beichtstuhl mit gewundenen, korinthischen Säulen. Auf der Vorderseite der Brüstung ein sitzender König geschnitzt. An der Rückwand Christus mit dem bußfertigen Zöllner.  Auf den vier Ecken die Apostel Lukas und Markus nebst der Charitas und einer weiblichen Gestalt ohne Erkennungszeichen geschnitzt.
Eine Kreuzigungsgruppe von Holz in halber Lebensgröße, vergoldet, findet sich in einen :Halbkreisbogen eingelassen in der Mitte der S. Seite; XVII. bis XViII. Jahrhundert.
Grabstein vor dem Altare: Alhir liegen begraben – Herr Jakob Perkuhn – nebens seiner ehelichen Hausfrauwen Anna Hanin – vor sich undt seine Erben legen lassen anno 1673. P. war Pfarrer in J. 1662-1709.

Nachrichten über das Kspl. Ißdaggen: Pastenaci, 1757 62 ff. – Harnoch, C. und S. 1890 282 f.

Quelle: Boetticher . Die Bau- und Kunstdenkmäler der Povinz Ostpreußen – Königsberg 1895

*Filia: aus dem Lateinischen für die „Tochter“ = Filiale – So ist beispielsweise die Filialkirche (Tochterkirche, filia ecclesia) eine Kirche, die keinen eigenen Pfarrer hat, sondern von dem einer anderen, gewöhnlich benachbarten Mutterkirche mitversorgt wird. Daher rühren auch die kaum mehr gebräuchlichen Begriffe wie Filialgemeinde, Filialschule oder Filialinstute, also Zweiggeschäfte und Zweigetablissements, die entweder auswärts oder auch am eigene Wohnort errichtet wurden.