Übersicht – Quelle: Gumbinnen von Dr. Grenz

Neupassau

(Eszerningken): Kirchspiel Gerwen (Gerwischkehmen). Amtsbezirk und Standesamtsbezirk Gerwen (Gerwischkehmen). E.: 118. GH.: 820,— RM. G.: 350 ha. —

Nach Liste von 1932 und nach Liste im Archiv der Kreisgemeinschaft vom 26.9.1966 am Ort eine einklassige Schule, vor 1914 erbaut. Nach Verwaltungsbericht 1897/98 ist am 22.1.1897 der Neubau eines eigenen Schuletablissements beschlossen worden; der Verw.-Ber. 1898/99 meldet die Beantragung einer Staatsbeihilfe für den Schulbau in Höhe von 14069,— Mark. Lt. Verw.-Ber. von 1901/1902 ist der Schulbau im Jahre 1901 durchgeführt worden. 1925: Lehrer Otto Schablowski, 1937 kein Lehrer angegeben.
Im Ortsfragebogen der Kreisgemeinschaft Gumbinnen wird als letzter Lehrer Uschkoreit erwähnt, und es wird zusätzlich bemerkt, daß die Schulkinder aus Neu-Passau während des Zweiten Weltkrieges aus Lehrermangel nach Hagelsberg (Wallehlischken) zur Schule gehen mußten. —
1937: Bürgermeister Jungbauer Willy Sinnhöfer. —
Post: Gerwischkehmen über Gumbinnen (11 km). —
Landwirte: Albert Adomat, August Brassat, Bruno Brassat, August Braun (Landwirt und Zimmerer), Fr. Erlach (Landw. und Schneidermeister), Kurt Erlach, Albert Hein, Fritz Kaprolat, Hermann Krämer, Fritz Langel, Franz Onigkeit, Elisabeth Remp, Erich Remp, Walter Schattauer, Georg Sinnhöfer, Willy Sinnhöfer (Jungbauer), Franz Wallat, Hermann Weber, Johannes Weber jun. —
Pächter Adolf Schaaks. —
Jungbauer Fritz Sinnhöfer. —
Handwerker: Zimmerer und Landw. August Braun, Schneidermeister und Landw. Fr. Erlach, Maurer Emil Eske, Zimmerer Johann Kalweit, Maurer Franz Warter. —
Deputant-Melker Fritz Bernecker. —
Deputanten: Heinrich Bernecker, Hermann Bernecker. —
Knecht Ernst Gerullis. —
Gehilfe Karl Krakies. —
Gastwirt Fritz Schweichler. —
Arbeiter: Gustav Deising, Fritz Eske, Emil Habedank, Franz Krapalies, August Naujokat, Franz Teschner. —
Sozialstatus: 1 Kriegerwitwe, 2 Witwen, 1 Rentenempfänger, 1 Rentenempfängerin, 1 Ortsarme, 1 Altsitzer, 1 Frau ohne Beruf.
1925: 1 Lehrer, 13 Besitzer (davon 1 Schneider [Friedrich Erlach] und 1 Stell?macher [Gustav Eske]), 1 Gastwirt August Schukat, 1 Ziegler Gustav Forstner, 1 Maurer E. Eske, 2 Altsitzer, 1 Deputant, 2 Altsitzerinnen, 1 Rentner.
Im Archiv der Kreisgemeinschaft 1 Ortsfragebogen mit Beiblatt:
Danach Willy Sinnhöfer bis zur Vertreibung Bürgermeister;
der Ort lag am Eichenfelder See;
im Ort 1 Gastwirtschaft und Kaufladen Schweichler,
2 Handwerker (Schneidermeister Erlach und Zimmermeister Kalweit) und
5 Bauernhöfe: Hein, Sinhöfer, Onigkeit, Weber und Langel.
Nach der großen Pest von 1709/10 wurden hier Salzburger angesiedelt.
Eine sagenumwobene Stelle in der Gemarkung war der Franzosenfriedhof.
Im Ersten Weltkrieg 2 Gefallene, Zahl der Gefallenen aus dem Zweiten Weltkrieg unbekannt.
Im Beiblatt wird angemerkt: Albert Hein war viele Jahre Bürgermeister und hat aufs allerbeste zum Wohle der Gemeinde gewirkt. Weil er nicht in der Partei war, wurde ihm nach 1933 das Amt entzogen.
Außerdem waren seitvielen Jahren im Frühjahr während der Deckperiode 5—6 staatliche Hengste aus dem Hauptgestüt Georgenburg auf dem Hofe von Hein stationiert.
Von dem Franzosenfriedhof hieß es, als Napoleon in Rußland geschlagen war, sind viele Franzosen auf dem Rückweg dort erfroren und beerdigt.
Laut Ortschronik soll es in Neu-Passau über 400 Jahre lang keinen Brand gegeben haben.
Im Archiv der Kreisgem. Gumbinnen eine Zeitungsnotiz aus einer Gumbinner Tageszeitung aus den Jahren vor 1945 mit dem Titel: „Die Franzosen-Linde von Escherningken„.

Darin heißt es: „Wir berichteten vor kurzem über die zahlreichen alten und eigenartigen Bäume und Baumgruppen, die in unserem Kreise zu Naturschutzdenkmälern nunmehr erklärt worden sind. In diesen Tagen wurde auch die etwa 200 Jahre alte Linde in Escherningken, die ebenfalls unter Denkmalsschutz steht, zur Eintragung in das Naturschutzregister vermessen. Der schöne alte Baum, der eine Höhe von ca. 30 und einen Stammumfang von rund 7 Metern aufweist, steht am Ende des sogenannten Zigeunerweges, der nach Groß-Berschkurren führt. Ihr Stamm ist zwar vollkommen hohl, doch ist der Baum noch gesund genug, um uns noch lange erhalten zu bleiben. Im Volksmund wird die alte Linde auch „Franzosenlinde“ genannt, weil angeblich zur Zeit des unglücklichen Krieges von 1806/07 die Franzosen in ihrem starken, dicht belaubten Geäst einen Beobachtungsposten unterhalten haben sollen.