Übersicht – Quelle: Gumbinnen von Dr. Grenz

Tannsee

(Kasenowsken), mit Forsthaus Notz, Forstsekretärgehöft Tzullkinnen und Oberförstereigehöft Tzullkinnen:

Kirchspiel und Standesamtsbezirk Gerwen (Gerwischkehmen). Amtsbezirk Steffenshöfchen (Tzullkinnen). — E.: 291. GH.: 770,— RM. G.: 334 ha. —
Zweiklassige Volksschule (schon 1932 zweiklassig). Um- und Erweiterungsbau des Schulhauses von 1908, und im Herbst 1908 bezogen. (Verw.-Ber. 1908). 1925: Lehrer Fritz Schinz. 1937: Lehrer Franz Jonetat (dieser lt. Ortsfragebogen 1966 bis zur Vertreibung am Ort) und Lehrer Heinz Lorbeer (zuletzt Ilse Hein lt. OF). —
1937: Bürgermeister Bauer Jos. Hottmann. —
Post: Gerwischkehmen über Gumbinnen (12 km). —
Landwirte: Wilhelm Girod, Fritz Hoch, Reinhold Jandt, Karl Petschat, Emil Rimkus (Schmied und Landwirt), Max Schäfer, Hermann Schweingruber, Eduard Torkler 2. —
Bauern: Adolf Brassat, Erich Grigull, Adolf Habicht, Otto Hein, Josef Hottmann, Friedrich Nieß, Fritz Nieß, Hans Schinz (Bauer und Holzhändler), Fritz Schneppat, Wilhelm Steiner, Max Thimoreit. —
Handwerker: Schuhmacher Wilhelm Ackermann, Sattler Otto Auschrat, Maurer Franz Brekau, Maurer-Polier Fritz Gefrom, Brunnenbauer Otto Habicht, Tischler Fritz Liegat, Schlosser Wilhelm Müller, Maurergeselle Otto Schäfer, Zimmerer und Bauunternehmer Bruno Thimoreit. —
Weitere Berufe: Landarbeiter Wolfgang Edert, Haumeister Fritz Engelhardt, Kätner August Flick, Kätnerwitwe Berta Girod, Freiarbeiter August Henseleit, Hilfsförster Albert Hoffmann, Kätner Albert Jabot, Waldarbeiter Otto Panke, Forstarbeiter Johann Patz, Gastwirt Emil Riegel, Melker Wilhelm Thomas, Gespannführer Gustav Wannagat. —
Deputanten: Emil Nickoleit, Hans Pilkuhn, Franz Scheckreiter, Emil Thiel, Gustav Wannagat. —
Arbeiter: Franz Abromeit, Ludwig Balßukat, Ludwig Bernecker, Otto Blüschke, Franz Böhm, Ludwig Brassat, Heinrich Frey, Otto Girod, Julius Hardtke, Ernst Joneschat, Friedrich Mattke, Rudolf Oelke, August Puschitzki, Emil Schacks, Ernst Schäfer, ehem. Arbeiter Franz Schmidt, Franz Soujon, Emil Zimmer, Hermann Zimmer. —
Sozialstatus: 4 Rentenempfänger, 1 Rentenempfängerin, 3 Altsitzer, 2 Altsitzerinnen, 2 Rentner, 1 Rentier, 3 Witwen, 2 Kriegerwitwen, 1 Kätnerwitwe, 1 Kleinrentnerin. —
Im Ortsteil Oberförsterei Tzullkinnen 1937:
Landw. Arbeiter Johann Franz, Staatsforstsekretär Kurt Grumblat, Studienassessorin Erika Grundmann, Forstmeister Gerd Hagen, Landw.-Gehilfe Fritz Hopp, Wirtin Ida Negraßus, Büro-Forstangestellter Erich Ritter. —
Im Ortsteil Försterei Notz: 1937:
Revierförster Kurt Große, Kutscher Hans Warsin. —
1925: 10 Besitzer, 7 Kätner, 1 Lehrer, 1 Oberlandjäger, 1 Gastwirt, 1 Schneidemühlenbesitzer, 1 Schuhmacher, 1 Haumeister, 1 Schneiderin, 1 Brunnenmacher, 1 Schmied, 1 Fuhrhalter, 1 Schneider, 1 Melker, 1 Stellmacher, 1 Zimmermann. —
Im Archiv der Kreisgemeinschaft Gumbinnen 1 Ortsfragebogen von 1966.
Danach letzter Bürgermeister Bauer Hottmann;
der Ort lag am Wilpischer See;
der ehem. Lehrer Girold soll der Initiator der Chaussee sein, die hier gebaut wurde.
Zuletzt Gastwirt Riegel, Brunnenmacher Habicht, Schneider Steiner und Stellmacher Schneppat;
im Ort 20 Bauernhöfe. 1 Mahl- und Schneidemühle von Max Thimoreit. —
Weiterhin im Archiv eine Hofbeschreibung von Willy Brassat aus Eichenfelde (Wilpischen):
„Der Hof lag hart an der Grenze der Tannsee’er, früher Tzullkinner Forst, 2 km von Dorf und Schule, 5 km von der Kirche und 14 km von der Kreisstadt entfernt. Das Wohnhaus war von drei Seiten von einem Obst- und Gemüsegarten umgeben. Die geschützte Lage am Waldrand ließ gute Obstsorten gedeihen. Mein Vater Friedrich Brassat hat das Wohnhaus kurz vor dem Ersten Weltkrieg erbaut. Es war ein Holzhaus, mit Ölfarbenanstrich, Innenausbau und Dach massiv. Der Stall wurde 1927 massiv und neu erbaut, die Scheune 1930; sie war ein Holzbau mit massivem Dach. Zum großen Teil geschah die Erbauung durch Eigenarbeit der Familie. Diese drei freistehenden Gebäude ließen die südliche Seite offen. Von hier aus kam man durch den Garten und eine kleine Wiese an einen Bach, der einen von alten Weidenbäumen umschatteten Teich durchfloß. An diesem Bach, in unmittelbarer Nähe des Hofes befanden sich die Viehweiden. Das eigene Land bestand aus drei Parzellen. Eine Parzelle von 11 Morgen schloß sich südlich an den Hof an, zwei Parzellen lagen unweit, etwa 10 Minuten östlich vom Hofe entfernt. Sie waren im Jahre 1920 von uns zugekauft worden (vom Bauern Karl Schulz). Der Boden bestand aus mildem Lehm und lieferte gute Erträge bei allen Getreidearten sowie Kartoffeln und Futterrüben. Die Pachtwiesen lagen in der Tannsee’er Forst, an der Kutte (Niebudiesgraben). Aus alten Urkunden ließ sich feststellen, daß der Hof etwa um das Jahr 1840 von meinen Vorfahren erworben wurde. Im Jahre 1938 übernahm ich den Hof von meinem Vater, und mit mir begann die vierte Generation auf unserem Hofe. Der Viehbestand setzte sich zusammen aus 5 Milchkühen mit überdurchschnittlichen Milchleistungen und 6—8 Stück Jungvieh. Das größte Augenmerk wurde jedoch der Pferdezucht zugewandt. Ich besaß 2 eingetragene Stutbuchstuten, wovon eine als Absatzfohlen prämiert war; sie brachten jährlich meistens zwei Fohlen und bearbeiteten den Hof. Die Fohlen wurden entweder gleich an Remontezüchter für einen guten Preis verkauft oder bei Bedarf für die eigene Nachzucht behalten. Der Schweinebestand beschränkte sich auf zwei Zuchtsauen und ca. 8 Mastschweine. Die gute Gelegenheit, Geflügel zu halten, wurde reichlich genutzt. Ebenso wurde auch die Imkerei betrieben, allerdings in kleinerem Ausmaße. Während ich an der Front das Kriegsende erlebte, verließen meine Angehörigen bei nahender Kampflinie den Hof am 21. Oktober 1944. Sie fuhren mit Pferd und Wagen bis Altstadt im Kreis Osterode Ostpr., wo sie bis zum 20. Januar 1945 blieben. Als die Kriegsmaschine dann ins Rollen kam, machten sie sich bei Schnee und starkem Frost erneut auf den Weg. Sie kamen aber nur einige Kilometer weit — bis Marienfelde; dort hat der Feind sie überrannt. Meine Frau, mein Sohn und mein Vater kamen auf die traurigste Art ums Leben. Mutter und Schwester, die auch dabei waren, kamen im letzten Moment mit dem Zug davon. In Munderkingen in Württemberg erwarb ich nach der Rückkehr aus französischer Gefangenschaft im Jahre 1948 erneut einen landwirtschaftlichen Betrieb.“
(Munderkingen, den 20. 1. 1966). —

Im Archiv der Kreisgemeinschaft weiterhin ein Foto des Hofes Brassat und ein Lageplan des Ortes mit Bezeichnung der einzelnen Höfe und der Besitzer (der Wilpischer See hieß zuletzt Eichenfelder See).