Übersicht
Quelle: Gumbinnen von Dr. Grenz


Altkrug (Sadweitschen), mit Gut Lasdinehlen (früherer Ortsteil) (ev. Kirchspiel) Amtshagen (Szirgupönen), Gut Altkrug (Sadweitschen), Gut Riedhof (Narpgallen) (ev. Kirchspiel Gumbinnen-Altstadt), nebst früherem Vorwerk Pakullauken

Kirchspiel und Standesamtsbezirk Gumbinnen. Amtsbezirk Preußendorf (Pruszischken). E.: 753. GH.: 960,- RM. G.: 1224 ha. -

2 Volksschulen:
1. Im Dorf Altkrug (Sadweitschen) eine zweiklassige Volksschule; letztes Schulhaus vor 1914 erbaut. Am 25.02.1905 die 2. Lehrerstelle in der LZ ausgeschrieben mit 720 bzw. 900 Mark Jahresgehalt, 100 Mark Alterszulage und Wohnung; Meldung an die Regierung in Gumbinnen. 1925 amtieren die Lehrer Paul Seiler und Ewald Plewa. Zu diesem Zeitpunkt wohnte auch der Lehrer i. R. Christian Seiler noch am Ort. 1937: Lehrer Paul Seiler und Lehrerin Käthe Waschelewski. -
2. In Narpgallen (vorher in Pakullauken) einklassige Volksschule. Die Gründung der eigenen Schule war am 18.07.1899 beschlossen worden (Verw.Ber. 1899/1900). Am 1. Dezember 1899 wurde die neu gegründete Schule in Pakullauken für Narpgallen und Pakullauken eröffnet (Verw.-Ber. 1899/1900). Im Verw.-Ber. für 1930 heißt es schließlich: "In dem zum Schulverbande Sadweitschen gehörigen früheren Gut Narpgallen ist ein einklassiges Schulgehöft neu erbaut worden. Das bisherige Schulhaus auf Vorwerk Pakullauken stand im Eigentum des Gutsbesitzers". 1925: Lehrer Fritz Schories (wohnhaft in Gut Narpgallen). 1937 Lehrer Robert Ruddies. -

1937: Bürgermeister: Stellmachermeister B. Schlemminger; zuletzt bis zur Vertreibung Bürgermeister Bauer Heinrich Reck. -

Post: Preußendorf über Gumbinnen (5 km). -

Landwirte: Friedr. Bendrat, Wilhelm Böhlke (Landw. und Schuhmacher), Erich Buntrock, Franz Glagowski (Landw. und Gastwirt), Albert Gruber, Wilhelm Hetz, Karl Jonas, Franz Kalweit, Otto Klamm, August Krumm, Franz Krumm, August Lottermoser, Karoline Lottermoser (Witwe und Landwirtin), Fritz Luckenbach, Friedrich Meitsch, Fritz Meitsch, Karoline Meitsch, Otto Meitsch, Erich Plidschun, Franz Plidschun, Rudolf Post, Heinrich Reck, Hermann Reiner, August Rutsch, Heinrich Rusch, Otto Sinnhuber, Johann Steiner, Helene Szieleit, Gottlieb Urbat, Heinrich Urbat, Willi Urbat, Otto Zimmermann. -

Jungbauer Willi Stelner, Gustav Jonas. -

Handwerker: Schuhmacher und Landwirt Wilhelm Böhlke, Schneider Fritz Cornelius, Tel.-Bauhandwerker Erich Elxnat, Monteur Otto Gerhardt, Tischler Albert Gruber, Schneider Franz Gruber, Tischler Wilhelm Gruber, Maschinenschlosser Heinrich Grübner, Autoschlosser Wilhelm Grübner, Tischlergeselle Fritz Heiser, Maurer Otto Herrling, Maurer Otto Kamutzky, Betonpolier Franz Kasimir, Maurer Fritz Lakei, Maurer Franz Reck, Korbmacher Gustav Reck, Tischler Paul Reck, Maurer Wilhelm Reetzke, Steinsetzer Ernst Riegel, Tischler Fritz Runz, Maurer Franz Sausmikat, Stellmachermeister B. Schlemminger, Sattlermeister Emil Werning, Sattlergeselle Fritz Werning, Schmied Willi Werning. -

Landwirtschaftliche Berufe: Kutscher: Franz Dath, Franz Engelhardt, Fritz Koschewitz. -

Milchfahrer: August Rakowski. -

Melker: Gustav Kriwolat, Emil Lenknereit, Gustav Pellney, Wilhelm Wannagat (Obermelker), Hermann Wannagat. -

Viehfütterer: Adolf Saurien. -

Deputanten: Franz Abromeit, Fritz Bauer, Johann Brost, August Dallmann, Otto Gnas, August Grawitt, Franz Heiser, Emil Kielow, Gustav Post, Friedrich Rusch, Wilhelm Rusch, -

Instmann: Fritz Weitowitz. -

Arbeiter: August Abromeitis, Willi Brost (Landarbeiter), Fritz Burat, August Cornelius, Fritz Dath, Johann Dath, Wilhelm Dumond, Hermann Engelhardt, Karl Führer, Artur Gauer, Wilhelm Gerber, Friedrich Gnaß, Heinrich Henseleit, Leo Homeister (Landarbeiter), Karl Kassemeck, Albert Klein, August Klein, Otto Kröge, Karl Krumm, Hermann Mehlhorn, Fritz Moos, Freiarbeiter Gustav Müller, August Nagat, Friedrich Nagat (Hofgänger), Franz Neumann, Heinrich Neumann, Franz Ney, Rudolf Nietzwetzki, Fritz Pauli, Max Pillekeit, Albert Pliquett, Emil Randonat (Landarbeiter), Wilhelm Reckert, Friedrich Riegel, Karl Riegel, Fritz Schombach, Karl Seiler, Franz Sprang, August Sulz, Franz Taboschat, Hermann Ussat (Bahnarbeiter), Rudolf Weber, Fritz Weitowitz, Wilhelm Westenberger, Fritz Wittkowski. -

Weitere Berufe: Gastwirt und Landwirt Franz Glagowski, Gespannführer Wilhelm Meier, Hilfsschrankenwärter Fr. Meizinger, Gastwirt Friedrich Salecker, Reichsbahnbediensteter Johann Simontowitz, Hilfsschrankenwärter Friedrich Spitzkat, Beratungstechniker Fritz Urbat, Hilfsschrankenwärter Friedrich Ussat.

Sozialstatus: 7 Witwen, 1 Renterin, 1 Kriegerwitwe, 1 Landwirtswitwe, 5 Rentenempfänger, 5 Rentenempfängerinnen, 1 Altsitzer, 2 Altsitzerinnen. -

Im Ortsteil Lasdinehlen 1937:
Landwirt Paul Platz, Kämmerer Franz Siemoneit, Melker Max Kalinowski, Schneidergeselle Franz Simoneit, Arbeiter Franz Asmus und Franz Steppat. -

Im Ortsteil Narpgallen 1937:
Landwirte: Daniel Aßmann, Jacob Baumgart, Albert Daus, Gottlieb Kapitzke, Herbert Kramer, Adam Leibfritz, Gottlieb Leibfritz, Gustav Mentz, Karl Rapp, Ewald Vetter, Adolf Weber, Anton Weber. -

Jungbauer Waldemar Weber. -

Bauer Friedrich Kamenz, Bäuerin Rosa Kanning, Bauer Adolf Pede.

Siedler: Erich Bartel, Fritz Blankenstein, Gustav Broßat, Karl Kleinschmidt, Gustav Lech, Gustav Lengwenat, Adolf Pede, Hans Podczuck, Paul Schulz, Willi Spreemann, Leopold Vetter, Adolf Wentland. -

Handwerker: Elektromonteur Gustav Bela, Stellmacher und Schmied Otto Plikat, Schmiedegeselle Willi Plikat, Tischlergeselle Gustav Rapp, Sattler Alfred Schult. -

Weitere Berufe: Kutscher Hans Felechner, Wirtin Marta Getzie, Kutscher Robert Rautenberg, Melker Hans Ritzkowski. -

Arbeiter: Franz Baginsky, Leopold Franz, August Genske, Bruno Hansen, Eduard Imlau, Karl Rapp jun., Rudolf Roth, August Sabokat, Albert Schulz, Emil Tiedemann, Franz Tiedemann, Hubert Weyer.

Sozialstatus: 3 Rentenempfängerinnen, 1 Rentenempfänger, 4 Witwen. - Maria Franz, ohne Beruf. -

Im Ortsteil Pakullauken 1937:

Landwirt Emil Jordan, Schlosser Willi Gitschat, Telegr.-Arbeiter Erich Schwarm, Arbeiter Johann Remp. -

1925 - Dorf Sadweitschen:
15 Besitzer (darunter Gemeindevorsteher Heinrich Rusch), 2 Lehrer, 1 Lehrer i. R., 8 Kleinbesitzer (darunter Korbmacher Friedrich Meitsch, Stellmacher Franz Schlemminger und Sattler Emil Werning), 3 Schrankenwärter, 1 Schrankenwärter a. D., 8 Maurer, 1 Schmied, 2 Gastwirte (Gustav Krause und Max Techler), 1 Hausbesitzer, 1 Hausbesitzerin, 1 Stellmacher, 1 Elektromonteur (Otto Gerhardt). -

Gut Sadweitschen:
Gutsbesitzer Otto Sinnhuber, Milchfahrer Friedrich Schattner, Melker Franz Jurkschat. -

Gut Lasdinehlen:
Gutsbesitzer Paul Platz. -

Gut Narpgallen:
Gutsbesitzer Gustav Mentz, Inspektor Emil Jordan, Lehrer Fritz Schories, Rendant Paul Hildebrandt, Kämmerer August Podßun, Gärtner Karl Kleinschmidt, Obermelker Rudolf Kurreik, 2 Melker, 1 Schuhmacher, 1 Schmied, 1 Stellmacher, 1 Schneiderin, 1 Kutscher, 18 Deputanten, 1 Wirtin, 4 Hausmädchen. -

Im Archiv der Kreisgem. Gumbinnen 1 Ortsfragebogen mit 8 Beiblättern, von 1966.

Danach gehörte der Ort, der an der Pissa (Roßbach) lag, zur reformierten Gemeinde Gumbinnen-Neustadt mit Pfarrer Bruno Moritz.

Eine Mühle gab es zuletzt nicht mehr am Ort.

Außer dem historischen Krug bestand an der Reichsstraße 1 das Gasthaus "Wachtelhain" von Franz Glakowski. 1 Kaufladen (Hökerei) führte Frau Maria Abromeitis.

An selbständigen Handwerken bestanden zuletzt 2 Schmieden, 3 Schneider, 2 Tischler, 1 Sattler, 2 Korbmacher.

Am Ort bestanden bis zur Vertreibung 15 Eigenkätner mit bis zu 5 ha Besitz; diese waren meist selbständige Handwerker.

5 Bauern hatten einen Besitz von 5-10 ha (Friedrich Bendrat, Franz Krumm, August Krumm, Adolf Post, Otto Herr!ing (Maurer und Zimmerpolier). 12 Besitzer hatten 10 und mehr ha Land (Fritz Luckenbach, Heinr. Reck, Heinr. Rusch, Franz Plidschun, Willi Steiner, Otto Didjurgeit, Willi Hetz (vermißt), Gottlieb Urbat, Friedrich Meitsch, Otto Krüger, Geschwister Reiner, Otto Sinnhuber.

Außerdem bestanden in Sadweitschen 4 Nebenerwerbssiedlungen (Willi Grübener, Heinrich Grübner, Wilhelm Reckert, Rudolf Niedzwetzki).

Das Gut Narpgallen mit Vorwerk Pakullauken wurde 1929 aufgesiedelt.

Es wurden 28 Siedlerstellen in der Größe von 2 bis annähernd 50 ha eingerichtet. Der Resthof blieb im Besitz von Mentz. 29 Siedler ließen sich hier nieder (Aßmann, Baumgart, Bartel, Blankenstein, Broßut, Böhlke, Daus, Jordan, Kanning, Kamenz, Kapitzki, Kramer, Kleinschmidt, Leibfritz, Lech, Lengwenat, Pede, Plikat, Podzuck, Rapp, Rutsch, Schwarm, Schulz, Spreemann, Vetter, Wendtland, Weber, Adolf und
Anton Weber ).
 
Die Gründung der Schule im Dorf Sadweitschen geht auf das Jahr 1714 zurück (nach einem Protokoll vom 15. September 1718). Sie hatte nur 1 Klasse und war auch nur mit einem Lehrer besetzt. Der Schule war eine Hufe Land zugeteilt. 1875 wurde die Schule neu und zweiklassig gebaut. Sie entsprach den Anforderungen bis in die letzte Zeit. Die Sadweitscher Schule war eine sog. Kirchenschule; sie wurde zugleich mit der Kirchengründung eingerichtet und der Lehrer trug den Titel Präzentor. Bei der Separation 1820 wurde die Schulhufe in 17 Parzellen geteilt und an die Bauern verkauft. In den Unterlagen des Staatsarchivs Göttingen ist 1731 ein an der Sadweitscher Schule amtierender Schulmeister "Johann Jakob Kohr" genannt. 1740 finden wir den Lehrer Eberhard Gerhardt in Sadweitschen. Das Lehramt scheint lange in der Familie Gerhardt gewesen zu sein. 1807 ist wieder ein Lehrer an der Schule mit Namen Friedrich Gerhardt. Lehrer Friedrich Gerhardt legte 1820 ein Schülerverzeichnis an. Zur Schule gehörten zuletzt noch 2,46 ha Land. Hofstelle und Garten umfaßten etwa 1 Morgen Land.

Die Kriegsereignisse des 2. Weltkrieges hatte die Schule überstanden. Sie diente in der folgenden Zeit russischen Soldaten als Unterkunft, bis sie 1946 auch in Flammen aufging. An der Schule Narpgallen (Riedhof) amtierte bis 1935 Lehrer Schories. Vom 01.10.1935 bis zur Vertreibung amtierte Lehrer Robert Ruddies. Zur Schule gehörten 8 Morgen Land. Allein 4 Morgen groß war der Spiel und Sportplatz. Die Schule hatte die Kämpfe überstanden und wurde von Russen bewohnt. -

Das frühere Gut Lasdinehlen mit 122,78 ha gehörte dem Besitzer Paul Platz, der 1942 verstarb. Seine zweite Frau, später verheiratete Kickel, hatte angeblich einen begrenzten Zeitabschnitt Wirtschaftsrecht. -

Eine Windmühle bestand in Sadweitschen bis etwa 1910/12. Standort dicht am Weg von der Reichsstr. nach Narpgallen. Der letzte Müller Segendorf hat sie abgebrochen. -

Die Dorfgründung soll auf litthauische Siedler zurückgehen. In alten Urkunden heißt der Ort Schadwietis, Sadawethen, Schadwethen und Schadwitten. 1130 ist bereits ein Krug erwähnt. Seit 1235 besitzt der Krug nachweislich Konzession. 1686 lebten in Szadwatschen26 Wirthe und 2 Instleute“, im ganzen 68 Personen.

Die Pest von 1709/10 soll im Dorf auch viele Opfer gefordert haben. Es waren am Ende des Jahres 1709 nicht mehr viel Einwohner im Dorf. Neue Siedler waren Hessen, Schweizer und Pfälzer. Sie kamen aus Thüringen und Böhmen.
 
Bereits 1712 wurde in Sadweitschen Gottesdienst und Abendmahlsfeier gehalten. 1713 wird der Prediger Heinrich Wassmuth von Königsberg nach S. versetzt. Am 18. März 1714 legte er das Kirchenbuch der reformierten Gemeinde an, und die erste Taufe wurde vollzogen. Eine primitive Kirche stand von Gumbinnen aus rechts der Straße, nicht weit vom westlichen Dorfeingang. Daselbst befand sich auch der alte Friedhof. 1739 wurde die reformierte Kirche in Gumbinnen eingeweiht. Die Sadweitscher ref. Gemeinde wurde der ref. Gemeinde Gumbinnen zugewiesen.

1732 kamen auch Salzburger ins Dorf. 1731 lebten hier 76 Männer und Frauen, 25 Kinder über 12 Jahre, 77 Kinder unter 12 Jahren, 23 Knechte und Mägde, 8 alte abgelebte Personen über 60 Jahre. -

Ortsteil Riedhof wurde zuletzt von einer Post-Buslinie berührt.

Nach Urkunden gehörte Sadweitschen zum Balzerischen Schulzenamt, benannt nach dem Berittschulzen Balzer (1539).

Der Schulze Balzer wohnte in Narpe, später Narpgallen-Riedhof genannt.

Aus Vorwerk Pakullauken werden auch litauische Siedler genannt.

Die ersten Einwohner von Lasdinehlen kamen nach einer Urkunde vom 17.11.1683 aus den benachbarten Orten Groß- und Klein-Baitschen und hießen Hans Donaletius, Bitzkus, Friedrich Willoszatis und Christop Poseweitis. Sie erhielten 2 Hufen erbfrei als Schatullköllmer auf bisherigem Forstland. Also war damals Lasdinehlen ein sog. Schatulldorf. Daran erinnerte noch die Bezeichnung "Schatull" als Flurname für das beiderseits der Reichsstraße 1 auf der Gemeindegrenze zu Groß-Baitschen gelegene kleine Moor.

Am 01.01.1714 wurde in Lasdinehlen der Dichter Christian Donalitius geboren. Hans Donalitius ist wohl der Großvater von Christian D. gewesen.

Chr. D. studierte in Königsberg, 1736-1740 Lehrer in Stallupönen, 1743 Pfarrer in Tollmingkehmen. Er predigte in deutscher und litauischer Sprache, 1780 verstorben.
Seine Dichtungen wurden erst nach seinem Tode herausgegeben und zwar in litauischer und in deutscher Sprache. Seine Freunde setzten ihm 1896 im Park von Lasdinehlen einen Denkstein, der auch bis 1945 dort gestanden hat. Nach Angaben von Stubaginski, der etwa 20 Jahre in Lasdinehlen tätig war, stand der Stein in der Südwestecke des Parks 4 zu 5 m vom Parkrand entfernt. Die Inschrift auf dem unscheinbaren Stein war in litauischer Sprache abgefaßt. -

An besonderen Vorkommnissen im Dorf Sadweitschen sind zu erwähnen ein Feuer, das im Jahre 1894 das Wohnhaus von Herrling durch Blitzschlag in Brand gesetzt hat. 1916 zündete der Blitz im großen Kuhstall bei Sinnhuber und brannte ihn nieder. Ein gefangener Russe wurde leicht verletzt. Später wurde ein gefangener Russe auf dem Sinnhuberschen Hof von einem Wachmann erschossen.

Der Ort hatte mit seinen Ortsteilen im 1. Weltkrieg verhältnismäßig wenig gelitten. Durch Brand waren die Scheune und Speicher von Bauer Didjurgeit vernichtet. Totalen Trümmerschaden erlitt das Anwesen von Friedrich und August Krumm. Dasselbe Los hatten die Scheune von Johann Meitsch und vom Gasthaus Wachtelhain sowie die Ställe von Plidschun-Stankewitz. Alle übrigen Gebäude ließen sich reparieren.

Ein Teil der Einwohner erlebte die Besetzung durch die Russen 1914. Beim zweiten Einbruch waren sie schon vorsichtiger geworden. Das Dorf war vollständig geräumt worden. Unsere Artilleriestellungen befanden sich dort. Zwei Bauern kehrten von der Flucht nicht mehr zurück. Sie starben in der Fremde.

Im Park von Riedhof (Narpgallen) wurden nach Aussage einer Einwohnerin nach dem 2. Weltkrieg 135 deutsche Soldaten beerdigt.

Im Ortsteil Lasdinehlen befand sich bis 1945 ein Gedenkstein für den hier geborenen Christian Donalitius, der an der Universität Königsberg Litauisch lernte und später auf Litauisch dichtete, ohne seine Werke jedoch zu veröffentlichen. (Vgl. im Abschnitt über die bedeutenden Persönlichkeiten und Rudolf Grenz, Der Kreis Stallupönen (Ebenrode). Marburg/Lahn 1970, S. 346-347.) -

Lehrer Paul Seiler hat einen kurzen, handschriftlichen Abriß von Altkrug (Sadweitschen) im Archiv der Kreisgemeinschaft Gumbinnen hinterlassen:

Danach besaß die Schule eine Chronik, die von Lehrer Gerhardt angelegt war und von seinen Nachfolgern weitergeführt wurde. Sie ging 1914 verloren. Eine zweite Schulchronik ging im 2. Weltkrieg verloren. Auch eine Schülerstammliste, die bis 1820 zurückreichte, dürfte verloren sein, sowie die im Gemeindeamt lagernden Separationsakten von 1820, 1824 und 1842.

Der Ort zieht sich in ostwestlicher Richtung an der Pissa entlang; in gleicher Richtung führte durch den Ort eine alte Heerstraße. Auf dieser Straße fuhr die erste Post.

Der berühmte Krug war eine Umspannstelle für die Pferde. In der Gaststube befand sich noch bis etwa 1910 das eingebaute Postillonsbett. In der Nähe des Kruges stand die Schmiede.

Die Gründung der Schule fällt in die Jahre 1714-1718. Um diese Zeit bestand eine reformierte Kirche am Ort, deren Kantor der Lehrer des Ortes war. Zu seiner Besoldung gehörte neben Kalende 1 Hufe Ackerland. Wahrscheinlich 1734 wurde die Kirche nach Gumbinnen verlegt. Die Naturalleistungen verblieben dem zurückbleibenden Lehrer. Aus der Tatsache, daß die Kirche eine reformierte war, ist zu schließen, daß die ersten Ansiedler nach der großen Pest von 1709/1710 Schweizer und Franzosen waren, die sich zur Lehre Calvins und Zwinglis bekannten. Zu meiner (Seilers!) Zeit hing in der Schule noch ein altes Bild Zwinglis. 1732 nahm der Ort eine Reihe Salzburger auf.

Ursprünglich gehörte Sadweitschen zum Amt Kattenau. Um 1800 ist der Ort wohl dem Gut Szirgupönen lehnspflichtig gewesen. Eine Urkunde aus der Zeit um 1780 spricht von zwei Schulzen Bleyweiß und Perlebach, denen die Fischerei auf der Pissa in Erbpacht gegeben wurde. Die letzten Besitzer dieser Hufen, auf denen die Fischereigerechtsame ruhten, waren die Bauern Rusch und Krüger.

Nach 1806/07 war unsere Gegend von Franzosen besetzt.

Bis zur Inflation von 1920 bezahlten die Bauern noch in Form von Rentenbanknoten die Saufschulden der französischen Generäle, die Gumbinnen und Umgebung besetzt hielten. Der Zug Napoleons nach Rußland führte durch Sadweitschen. Angeblich soll Napoleon im Sadweitscher Krug eingekehrt sein.

Nach der Bauernbefreiung und der Separation gab es eine neue Entwicklung; nach den Separationsakten bestand der Ort aus 3 Sozietäten. Die Aufteilung erfolgte in 3 Zeitabschnitten: 1820, 1824 und 1842. Zuerst wurden die Hofstellen und das Ackerland vermessen und aufgeteilt, später die Bruchanteile und zuletzt die Gemüsegärten. Als Gemeindeland blieb die Dorfbleiche übrig.

Folgende alte Namen sind mir im Gedächtnis geblieben und waren außer in den Akten auch in der alten Schülerstammliste zu finden: Dorn, Hitz, Rock oder Roeck, Ruxer, Strunk, Schäfer, Steiner, Dreßler, Liedtke, Krause, Reich, Gruber, Gerhard, Hoffmann, Buntrock, Lottermoser, Salecker, Luckenbach, Segendorf, Geffroy, Maitsch (Meitsch), Rusch, Jautelat, Didjurgeit, Plidszun (Pletschun), Thunnat. Die letzten Namen sind litauischen Ursprungs.
Maitsch, Rusch (rouge = rot), Geffroy halte ich für französisch. Alle drei- und mehrsilbigen Namen, sowie die mit der Endung -er sind Salzburger oder Schweizer. Auch Rock und Hetz sollen Salzburger sein. Es war dagegen kein polnischer Name vorhanden.

Bei der Separation 1820 wurde auch die Schulhufe in 17 Parzellen aufgeteilt und an die Bauern verkauft. Die Käufer übernahmen zugleich die Verpflichtung, den bei der Schule verbleibenden kulmischen Morgen zu beackern und eine sog. "kleine Kalende" an den Lehrer zu liefern. Diese Verpflichtung war auf die Grundstücke eingetragen. Der Ertrag aus den sonstigen Naturallieferungen kam z. T. der Schulstelle, z. T. der Kantorstelle an der reformierten Kirche Gumbinnen zugute. Die "große Kalende" bei der Lehrerstelle umfaßte: 24 Scheffel Roggen, 6 Scheffel Gerste, ? Hafer, ? Schock Richtstroh. Nach der Inflationszeit wurden diese Leistungen abgelöst.

Sadweitschen blieb nach der Separation ein reines Bauerndorf. Durch Zusammenkauf mehrerer Hufen entstanden größere Bauerngrundstücke, für die die bisherigen Hofstellen zu klein wurden. Die Bauern errichteten neue Höfe mitten im Ackerlande. Dadurch entstanden die Abbauten auf der südlichen Flußseite und im Norden oder Osten des Ortes. Um die Mitte des Jahrhunderts wurde die Chaussee von Gumbinnen nach Stallupönen (Ebenrode) gebaut. Sie folgte nicht der alten Heerstraße, sondern lief etwa 1300 m nördlich davon in gleicher Richtung und durchschnitt die Ackerfluren des Dorfes.

Etwa 10 Jahre darauf erfolgte der Bau der Ostbahn. Sie verläuft auf der Südseite des Flusses und überquert diesen im Osten des Dorfes (2 Eisenbrücken). Die Häuser auf den alten Hofstellen füllten sich mit Arbeitern (Losleuten), die die Miete auf den Bauernhöfen abzuarbeiten hatten. Bauarbeiter und Handwerker kamen in den Ort. Für die Bahnarbeiter und -beamten waren an der Strecke Wärterhäuser gebaut. Viele Frei-Arbeiter fanden Beschäftigung in der nahen Stadt Gumbinnen. So wurde das Bauerndorf zu einem Arbeiterdorf. -

Die Schule lag in der Mitte des Ortes, gegenüber dem Krug. Im Jahre 1874 oder 1876 wurde das Gebäude neu aufgeführt. Es war ein dreigiebliges Haus mit 2 Klassenzimmern und 2 Lehrerwohnungen. Zum Schulverbande gehörten damals: Dorf Sadweitschen, Gut Sadweitschen, Gut Lasdinehlen und Gut Narpgallen mit dem Vorwerk Pakullauken. Im Jahre 1900 wurde wegen der weiten Schulwege Narpgallen-Pakullauken als eigener Schulverband abgezweigt. Es entstand die einklassige Volksschule Pakullauken und war in einem alten Gutshause untergebracht.

In der Zeit von 1820-1890 amtierten in Sadweitschen folgende Lehrer: Friedrich Gerhard, Schlemminger, Olivier. Die genauen Jahre sind nicht mehr anzugeben. Danach folgten: F. Hoffmann 1890-1900. Loyal 1900-1904. August Steinhausen 1904 bis 1909. Christian Seiler 1909-1922. Paul Seiler 1922-1945. Aus der Reihe der zweiten Lehrer, die meistens nur einstweilig, auftragsweise oder vertretungsweise eingestellt waren, sind folgende Namen in Erinnerung geblieben: Josat, Endrigat, Neufang, Eggert, Schiweck, Dill 1904-1907, Paul Seiler 1907-1911, Ewald Plewa 1911-1934, Stresew, Dr. Frohberg, Wellenberg, Frl. Waschulewski, Templin, Kempkes, Frl. Schneider. 1922 wurde im Dachgeschoß für den zweiten Lehrer eine Wohnung mit 2 Zimmern und 1 Küche ausgebaut. -

Im August 1914 mußten die Einwohner vor den Russen fliehen. Der Ort wurde Schlachtfeld. Die Eisenbahnbrücken und die etwa 1904 erbaute Holzbrücke wurden gesprengt. Sie sind später an gleicher Stelle wieder erbaut worden. Noch während des Krieges wurden die Gefallenen auf einen Heldenfriedhof umgebettet. Es handelte sich um 20 deutsche und 2 russische Krieger. Brandschäden sind während des Krieges im Ort nicht entstanden. In der Schule wurden jedoch die Lehr- und Lernmittel vernichtet oder verschleppt, die Landkarten waren mit Tinte begossen.

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg drängten viele Arbeiter in den Ort. Mit der Landwirtschaft hatten sie wenig zu schaffen. Sie lockte die Nähe der Stadt. Die Zahl der Arbeitslosen war sehr hoch. Die zahlreichen Kinder kannten außer der armseligen Wohnung nur die Straße. Die Ernährung war schlecht. Der Kreisarzt stellte bei einer Untersuchung fest, daß Sadweitschen die meisten unterernährten Kinder habe. Er sorgte dafür, daß diese Kinder während der Schulzeit regelmäßig heiße Milch bekamen und viele zur Erholung verschickt wurden. In den folgenden Jahren hob sich der Gesundheitszustand zusehends. Die Schülerzahl, die nach dem Kriege etwa 120 bis 130 betrug, sank in den folgenden Jahren bis auf etwa 80 zurück. Nach dem Kriege machte sich ein sehr starker Geburtenrückgang bemerkbar.

Bei Zusammenlegung einzelner Güter und Dorfgemeinden zu größeren Verwaltungsbezirken, wurde das Dorf Sadweitschen mit dem Gut Sadweitschen, Gut Lasdinehlen, Gut Narpgallen und Vorwerk Pakullauken zu einer Gemeinde Sadweitschen zusammengeschlossen. Dadurch entstand eine Ortschaft mit 2 Schulen. Der Besitzer von Narpgallen-Pakullauken verkaufte sein Besitztum zu Siedlungszwecken an die Landgesellschaft (etwa 2000 Morgen) . Ein neues Schulgebäude wurde inmitten der Neusiedlungen errichtet und erhielt den Namen Schule Narpgallen.

Bei der Namensumbenennung erhielt Sadweitschen den Namen Altkrug und der Ortsteil Narpgallen die Bezeichnung Ortsteil Riedhof. Alle anderen Bezeichnungen fielen weg.

Der Lehrer von Pakullauken war Scheries von 1900-1935. Sein Nachfolger in Riedhof hieß Ruddies. Anfang der dreißiger Jahre wurde das Schulgebäude (in Altkrug!) innen neu ausgebaut durch Anbau eines Schülerflures, Einbau neuer, zeitgemäßer Schulfenster, Neudielung der Schulklassen und Einbau großer Kachelöfen.

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde ich (= P. Seiler), 1. Lehrer und Schulleiter, zum Wehrdienst eingezogen. Die gesamte Schularbeit übernahm der 2. Lehrer Templin und nach ihm weibliche oder vertriebene Lehrkräfte, die ich nicht aufzählen kann. Ende 1943 kehrte ich in meinen Dienst zurück. Im Sommer 1944 wurde ich zu Befestigungsarbeiten nach Polen kommandiert. Nach meiner Rückkehr konnte von einer geregelten Schularbeit nicht mehr die Rede sein, da ständige Fliegergefahr den Unterricht störte.

Die Räumung des Ortes erfolgte am 20. Oktober 1944.
Sie konnte sich fast nur auf die Rettung der Menschen beschränken und das, was sie notwendig zur Erhaltung des Lebens brauchten. Der Ort lag schon mitten im Kampfgeschehen.

Im Januar 1945 war ich noch einmal zurückgekehrt. Der Ort war menschenleer bis auf einen vorgeschobenen Posten, der sich im Schulgebäude befand. Die Höfe Sinnhuber, Steiner und Plidschun waren abgebrannt, die Häuser leer und verwüstet. Schützengräben, Drahtverhaue und Verteidigungsunterstände waren ausgebaut. Zu retten war nichts mehr. Spätere Gerüchte sagen, daß das Schulgebäude ausgebrannt sei. (So weit die Chronik des Lehrers P. Seiler).

Otto Gerhardt aus Altkrug berichtet zusätzlich:

Die fruchtbare Erde brachte gute Erträge, so daß oft die großen Scheunen die Ernte nicht aufnehmen konnten. Die Viehzucht stand auf großer Höhe. In der Milchleistung gab es gute Resultate. Die Herde von Bauer Heinrich Reck mit 12 bis 13 Kühen hatte 2, die im Reichsrinderleistungsbuch mit je 6000 l standen, die Milch wurde an die Meierei in Gumbinnen geliefert. Auch Pferdezucht wurde im Ort betrieben.

Seit 1922 hatte das Dorf elektrischen Anschluß. Auch besaß fast jeder landwirtschaftliche Betrieb seinen Maschinenpark. Jeder Bauer hatte seinen eigenen Dreschsatz, größtenteils auch Schrotmühle, Kreissäge und automatische Wasserversorgung. Eine neu erbaute Tischlerei war modern eingerichtet. 4 Pkw und einige Motorräder waren in Betrieb. Auf den beiden größten Höfen entlastete je ein Trecker die Gespanne. 9 Telefonanschlüsse bestanden, davon 2 öffentliche. Schule zweiklassig (ein Schulenverzeichnis vom 26.09.1966 sagt dreiklassig und rechnet dabei offenbar die einklassige Schule Narpgallen (Riedhof) mit hinzu). Auch gab es einen Kindergarten. Der historische Krug war beliebtes Ausflugsziel. Im Gästebuch hatten sich Besucher aus allen Teilen des Reiches eingetragen. Gern wurde er auch von Wassersportlern angesteuert. Oft lagen auf der Wiese 10 und mehr Paddelboote mit den Besatzungen in der Sonne. Das Gasthaus "Wachtelhain" an der Chaussee stand mehr dem Durchgangsverkehr zur Verfügung.

Am 21.10.1944 frühmorgens wurde das Dorf geräumt. Die Einwohner treckten nach dem Kreis Osterode (330 km). Kurz nach dem Verlassen des Ortes wurden im östlichen Teil bereits einige Höfe zerstört. Nach fast 3 Monaten Stellungskampf mußte Altkrug am 16.01.1945 aufgegeben werden. Dabei wurden an der Chaussee alle Gehöfte zerstört, die Eisenbahn- und Straßenbrücke gesprengt. Auch die Schule brannte aus. Holzgebäude wurden abgebrochen und verfeuert, so auch der historische Krug. Auf dem Friedhof, wo u. a. 23 deutsche Soldaten aus den Kämpfen von 1914 ruhten, wurde die Kapelle zerstört, Grabsteine zerschlagen, Gräber geöffnet. Von 53 Wohnhäusern sind 36 zerstört, der Rest mehr oder weniger stark beschädigt. Von 91 Wirtschaftsgebäuden sind 76 zerstört, andere beschädigt. Im Laufe der Zeit wurden Russen angesiedelt. -

In A. gab es einen Bauer und Imker August Lottermoser mit 80 Bienenvölkern. Letzter Bürgermeister: Heinrich Reck. -

Die Urkunden über den hist. Krug (früher Bärenkrug genannt) reichten bis 1615 zurück. Wegen der Übernachtung Napoleons in diesem Krug trug dieser auch die Bezeichnung Napoleonskrug. Bis in jüngste Zeit hatte das Dorfparlament, Krawuhl genannt, in dem Krug seinen Tagungsraum. Der Krug hat im Laufe der Jahre öfter den Besitzer gewechselt. Unter dem letzten Wirt Friedrich Salecker wurde er unter Denkmalsschutz gestellt, ausgebessert und neu ausgemalt (1930). Ich (= Gerhardt) machte damals die elektrische Anlage und konnte dabei feststellen, daß das alte Holz in seiner Festigkeit den jüngeren Hölzern weit überlegen war. Die Innenausstattung war in bäuerlichem Stil gehalten. Eine alte Standuhr gab mit einem Silberklang die Zeit an. In einem Raum sah man Waffen und Ausrüstungsstücke aus dem Ersten Weltkrieg, gesammelt von Georg Salecker, dem Sohn des letzten Wirts, der 1942 in Rußland gefallen ist. 1936 brachte der Reichssender Königsberg ein Hörbild über den historischen Krug (Rundfunksprecher Waldemar Kukuk). -

Bis zum Ersten Weltkrieg hatte der Ort einen Nachtwächter, und zwar einen weiblichen, der mit einer Pfeife die Stunden zählte. 
 
Bezirksbauernführer Heinrich Reck.

Von H. Reck eine Hofbeschreibung vom Nov. 1965 im Archiv der Kreisgemeinschaft.

Der Hof hatte 38 1/4 ha, davon 27 ha Ackerland, 10 ha Weiden und Wiesen, 1  1/4. ha Hofanlage, Garten, Wege und in Friedrichsfelde ca. 14 ha. Viehbestand: 6 Pferde, 2 Fohlen, 12 Herdbuchkühe, 12 Stück Jungvieh, ca. 20 Schweine, 5 Mutterschafe mit Lämmern. Massives Wohnhaus von 1884. 1/2 ha großer Garten mit Edelobst (Birnen). Hinter dem Garten Reste einer Schleuse, die vor 260 Jahren der reformierte Pfarrer für seinen Karpfenteich angelegt hatte. Neuer Stall 1898 erbaut, Speicher 1923, Scheune 1898, Holzschuppen und 2. Scheune 1923. Hofkeller, dreiteilig, im Kriege Luftschutzraum, 1921 elektr. Strom (Elektrizitäts-Genossenschaft Sadweitschen gegründet), durch Hydrophor fließend Wasser, 2-Familien-Deputantenhaus. 1943 Milchleistung von 43.795 Litern. Durchschnittsertrag pro Kuh und Jahr 4.000 Liter.

Sadweitschen war ursprünglich eine litauische Siedlung, deren 1. Dorfschulze Szadweitis hieß, wovon der Ort seinen Namen hat.

In der Pestzeit starb ein großer Teil der Bevölkerung.

Mein Vorfahr Johann Roeck war Salzburger, verheiratet mit Margarete Pichler. In einer Leinwandkutsche sind sie vom Konwaldhof (erbaut 1632, steht heute noch) im Zauchtal bei Altenmarkt im Pongau bis nach Sadweitschen gefahren und erhielten als Koloniebauern 1 Hufe. Die litauischen Schwarwerksbauern mußten mehrere Tage in der Woche nach dem Rittergut Szirgupönen scharwerken gehen. Erst nach Aufhebung der Erbuntertänigkeit heirateten die Salzburger nicht mehr unter sich.

Seit 1934 hatten wir einen Pkw, mit dem wir in die Rominter Heide, nach Jägerhöhe bei Angerburg, dem Hegewald und in heißen Sommern nach Rauschen oder Cranz fuhren.

Nach 1933 war ich Leiter der Landkrankenkasse des Kreises Gumbinnen. Ein polnisches Mädchen, Juliane Kupis aus Pultusk, war seit 1940 auf meinem Hof tätig und rettete meiner Tochter Erna das Leben, als bei Güldenboden der Treck von russischen Panzern zersprengt wurde. -

Nach zwei erhaltenen Zeitungsausschnitten aus ostpreußischen Tageszeitungen über den "Bären-" oder "Napoleonskrug" diente dieser vor 100 und mehr Jahren als Schnellgericht, das die Aufgabe hatte, Räuber und Wegelagerer, die vorbeiziehende Kaufleute überfallen und ausgeplündert hatten, sofort abzuurteilen und hinrichten zu lassen.
 
In der Krugstube leuchtete dem Wanderer der fröhliche Spruch entgegen: "Tritt ein, du fröhlicher Wanderer, in Lackschuh und in Klumpen hier kannst du trinken, aber nicht pumpen!" Ein anderer Spruch heißt: "Sup di voll und frät die dick und hol det Mul von Politik". Dieser uralte Spruch wird bei notwendigen Renovierungen immer wieder so hergestellt, wie er einstmals aufgezeichnet worden ist. Daneben bestand ein Vereinszimmer. Im Jahre 1646 hat Rittmeister Falk das Kauf-und Verkaufsrecht erworben. Als Rittmeister Falk den Krug einmal verkaufen wollte, wurde er in 11 Kirchen ausgeboten, aber nur ein Käufer meldete sich, der nur ganze 51 Taler bezahlte, während sein Vorgänger noch 800 Taler gezahlt hatte. Im Jahre 1928 kaufte Friedrich Salecker das Gasthaus und besaß es bis zuletzt. Bis zuletzt war auch ein alter Ziehbrunnen in Benutzung, der zu dem Grundstück gehörte.

Schließlich fand sich bei den Akten im Archiv der Kreisgemeinschaft Gumbinnen noch eine Hofbeschreibung des Hofes von Hermann Reiner und seiner Ehefrau Bertha in Sadweitschen.

Die Hofgröße betrug ca. 100 Pr. Morgen, davon 2/3 Acker und 1/3 Weiden. Der Hof lag an der Straße von Altkurg nach Ohldorf Ostpr. (Kulligkehmen) ca. 1 km vom Ort entfernt an der Engstelle zwischen Pissa (Roßbach) und Bahnlinie Gumbinnen-Stallupönen (Ebenrode), in unmittelbarer Nähe der beiden Bahnwärterhäuser Nr. 210. -

Das Wohnhaus hatte hinten einen großen Obstgarten. Neben der Bahnlinie lag der Stall rechts vom Haus und dem Haus gegenüber die Scheune. Gegen Norden befand sich ein Geflügelstall. Das Ackerland und die Weiden schlossen hinter der Scheune und hinter dem Garten an. Ein Ackerstück lag in der Gemeinde Ohldorf Ostpr. (Kulligkehmen) ca. 2 km vom Hof entfernt. Ein großer Viehweidegarten von ca. 4 Pr. Morgen lag ca. 2 km vom Hof in Richtung Klein-Baitschen (auf der anderen Bahnseite). Der Boden bestand aus lockerer, schöner, z. T. schwarzer Erde (kein Lehm). In dem der Gemeinde Altkrug gehörenden Torfbruch besaß der Hof auch ein Bruchstück zum Torfstechen.

Ursprünglich, d. h. bis 1916, war der Hof bedeutend größer und gehörte einem Bauern Strunk. Als dieser starb, übernahmen die Söhne den Hof nicht. Er wurde an einen Labumirzki, der später nach Berlin zog, verkauft; dieser L. verkleinerte den Hof durch Abverkauf, und ungefähr um 1917 kaufte Hermann Reiner aus Groß-Wersmeningken den Hof; es waren damals ca. 15 Pr. Morgen. Reiner wirtschaftete sehr gut, betrieb Vieh-und Pferdezucht und vergrößerte dann das Grundstück durch Zukauf auf ca. 100 Pr. Morgen. Hermann Reiner und seine Frau Berta (1882 und 1883) starben kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, bzw. im ersten Kriegsjahr.

Von den 3 Söhnen wurde der jüngste Gerhard zur Infanterie eingezogen und fiel gleich zu Kriegsbeginn im Osten. Der zweite Sohn Arno ging zur Luftwaffe und der dritte Sohn Erich war beim RAD; so erbten und übernahmen die beiden Schwestern Gerda und Frieda den Hof. Beim Einmarsch der Russen konnten sie nur bis Südostpreußen flüchten, wurden dort von den Russen eingeholt und nach Sibirien verschleppt; dort sollen beide verstorben sein.

Zu erwähnen bleibt noch, daß 2 Minuten vom Hof auf der anderen Bahnseite ein eigener Friedhof mit schönem hohem Birkenbestand angelegt war. Was aus dem Hof geworden ist, steht nicht fest. Nach der Flucht der Erben blieb zunächst ein Pole, der lange Jahre dort gedient hatte, auf dem Hof. (Niedergeschrieben durch Erich Reiner, den ältesten Sohn des Hermann Reiner, in Salzburg, Stockerweg 6 am 8. Sept. 1966).